1. Die brasilianische Wirtschaft hat im dritten Quartal negativ überrascht. Die wirtschaftliche Aktivität schrumpfte um 1,2 % gegenüber dem Vorjahresquartal. Gegenüber dem Vorquartal verzeichnete sie saisonbereinigt einen Anstieg um 1,3 %. Die Analysten hatten mit einer Expansion um 2,0 % (Bloomberg-Consensus) gerechnet. Gleichzeitig wurde eine Revision der Zeitreihe seit Anfang 2008 vorgenommen. Die Wachstumsrate für das Jahr 2008 bleibt trotz der Revision unverändert auf 5,1 %. Bei der sektoralen Aufteilung zeigt sich ein klares Bild: Die Industrie war für die größte Zunahme verantwortlich. Diese verzeichnete einen Anstieg gegenüber dem Vorquartal um 2,9 % qoq sb. Dies ist vor allem eine Gegenbewegung zu dem starken Einbruch während der Jahreswende 2008/2009 (Q4/2008: -8,1 % qoq; Q1/2009: -4,4 % qoq).

Der Ausblick für die Industrie hat sich in den vergangenen Monaten deutlich aufgehellt, denn sowohl die Kapazitätsauslastung als auch die Einkaufsmanagerindizes haben sich deutlich erholt. Die Produktion in der Landwirtschaft ging im dritten Quartal 2009 um 2,5 % qoq sb zurück, der Dienstleistungssektor verzeichnete wie im Vorquartal einen leichten Anstieg um 1,6 % qoq sb.

2. Verwendungsseitig kam es zu einer weiteren Erholung der privaten Konsumdynamik – mit einem Anstieg gegenüber dem Vorquartal von saisonbereinigten 2,0 % (Q2/2009: +2,4 % qoq sb). Die größte positive Überraschung waren die Bruttoanlageinvestitionen: diese sind gegenüber dem Vorquartal um 6,5% qoq sb gestiegen und deuten auf eine Fortsetzung der Erholung hin. Zur Jahreswende waren sie deutlich geschrumpft. Die Exporte verzeichneten einen fast unmerklichen Anstieg (+0,5 % qoq sb), während die Importe leicht zulegen konnten (1,8 % qoq sb). Der Staatsverbrauch ist geringfügig angestiegen (0,5 % qoq sb). Insgesamt wirken sich die Aufhellung des weltwirtschaftlichen Ausblicks und die bereits fortgeschrittene Lockerung der Geldpolitik positiv auf den Wachstumsausblick für die kommenden Quartale aus. Insgesamt kann man sagen: Brasilien hat die Krise abgehakt. Trotzdem sollte die brasilianische Volkswirtschaft für das gesamte Jahr 2009 eine leichte Schrumpfung um 0,4 % verzeichnen. Kommendes Jahr sollte das Wachstum 4,5% betragen.

3. Trotz der negativen Überraschung rechnen wir mit keiner Änderung des geldpolitischen Pfades der Zentralbank. Nachdem das geldpolitische Komitee (COPOM) den Leitzins zwischen Januar und Juli um insgesamt 500 Basispunkte auf aktuell 8,75 % gesenkt hat, muss die Zentralbank nun die Entwicklung der Inflationserwartungen im Auge behalten. Das COPOM sollte nach unserer Einschätzung in den kommenden Monaten die Märkte auf Leitzinsanhebungen vorbereiten. Mit dem ersten Zinsschritt wird die Zentralbank allerdings noch bis zum zweiten Quartal 2010 warten.

Quelle: DekaBank

Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von mehr als 135 Mrd. Euro und über fünf Millionen betreuten Depots gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.