In einer Umfrage des Dokumentations-Senders Phoenix wurde kürzlich ermittelt, dass 80 Prozent der Bundesbürger der Meinung sind, der Brexit sei schlecht für Großbritannien.

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Mit derartigen Mehrheitsbekundungen ist das ja immer so eine Sache. Kontra-Anleger wissen das. So gut wie immer liegt das genaue Gegenteil nämlich sehr viel näher an der Wahrheit…

Im vorliegenden Fall könnte man zum Beispiel einmal fragen, ob das Umfrageergebnis womöglich der medialen Dauerberieselung in Sachen Brexit geschuldet ist. Denn dass der Austritt Großbritanniens aus der EU eine „einzige Katastrophe“ werden wird, das wurde den Menschen hier zu Lande durch den hiesigen Mainstream seit gut drei Jahren gewissermaßen vorgebetet wie das Vaterunser.

Sind die Phoenix-Befragten also schlicht besonders aufmerksame Zeitungsleser und TV-Konsumenten? Oder greift auch hier jetzt das bekannte Kontra-Phänomen, wonach die Mehrheit mit ihrer Meinung immer auf der falschen Seite steht? Wahrscheinlich spielt beides eine Rolle…

Nüchtern betrachtet ist die zitierte Brexit-Umfrage eine idealtypische Bestätigung der Regel, dass sich die Masse immer irrt, denn dass Großbritannien von der Entscheidung der britischen Bürger eher profitieren wird, das lässt sich schon heute an der Entwicklung von britischer Währung und Aktienmarkt ablesen:

Im Anschluss an den Erdrutschsieg der konservativen Tories um Premierminister Boris Johnson vollführte das britische Pfund einen Freudensprung. Der jüngste Aufwärtstrend beim Pfund wurde allerdings schon in den vergangenen Monaten umso robuster, je wahrscheinlicher mit den steigenden Zustimmungswerten Boris Johnsons auch der Brexit wurde. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Pfund zum Dollar.

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Klare Sache: Die britische Währung begrüßt den Brexit…

Und auch der FTSE 100, der die britische Wirtschaft nicht einmal sonderlich präzise abbildet, hat seit dem klaren Votum der Briten von vergangener Woche deutlich besser abgeschnitten als etwa der DAX.

Das lässt schon heute darauf schließen. dass jetzt genau das eintreffen wird, womit die Masse so ganz und gar nicht rechnet, was Brexit-Befürworter aber seit Langem prophezeit haben: Während Großbritannien vom Austritt aus der EU profitieren wird, werden Länder wie Deutschland massiv darunter leiden…

Denn was wird passieren, wenn etwa Italiener oder Griechen miterleben müssen, dass es den Briten nach ihrem EU-Austritt, völlig anders als überall prognostiziert, deutlich besser gehen wird als vorher? Man kann sich leicht ausrechnen, dass diese Länder sich dann ernsthaft überlegen werden, ob ein Austritt für sie nicht ebenfalls vorteilhaft wäre.

Der Dominoeffekt, der dadurch ausgelöst werden dürfte, ist vielleicht das wichtigste „Kollateralereignis“ der britischen Wahl vom vergangenen Donnerstag.

In einem lesenswerten Kommentar schreibt der Kollege Manfred Gburek dazu unter dem Titel „Sozialismus durch die Hintertür“:

„Johnsons klarer Wahlerfolg bedeutet, dass der Brexit ohne Wenn und Aber durchkommt - und dass Deutschland dadurch in der EU schlagartig an Einfluss verliert. Denn zusammen mit den Briten konnten die Deutschen bislang die Franzosen und deren Mitstreiter unter den EU-Ländern in Schach halten, wenn es um die Ausweitung sozialistischer Umtriebe ging. Damit ist vom kommenden Jahr an Schluss, und die Dominanz der Franzosen wird mittelbar zu höheren Ausgaben im deutschen Staatshaushalt führen“.

Der 2014 verstorbene Professor Wilhelm Hankel und andere Eurokritiker der ersten Stunde haben schon vor Jahren gewarnt, dass die Zentrifugalkräfte innerhalb der Währungsunion eines Tages so stark werden würden, dass der Euro daran zerbrechen wird.

Mit dem Brexit wird nun in Kürze ein solcher Brandbeschleuniger wirksam werden. Vielleicht sogar der wichtigste: Denn mit dem Abgang der Briten aus der EU steigt Deutschland automatisch zum Zahlmeister der Gemeinschaft auf:

Wann immer es in Zukunft darum gehen wird, kostspielige Maßnahmen zugunsten der hochverschuldeten Länder der europäischen Südschiene durchzuwinken, wird ein deutsches Veto von der Mehrheit der Schuldenländer „ganz demokratisch“ überstimmt werden.

Wo das endet, das kann man sich schon heute an fünf Fingern abzählen: Dem deutschen Steuerzahler wird der Schuldenschlendrian griechischer und italienischer Prägung aufgehalst werden.

Allerdings muss man zur Ehrenrettung der europäischen Südländer festhalten, dass der Euro für diese Staaten von Anfang an viel zu stark war. Mit dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU wird dieser Zustand jetzt jedoch „in Stein gemeißelt“ und damit zu einem ernsten deutschen Problem.

Adressat dieses Problems ist der deutsche Steuerzahler. Und weil der sich gegen das anrollende Unheil weder wehren kann noch wehren wird, die „Rettungspakete“, die jetzt auf den Steuermichel zurollen, gleichzeitig aber auch nicht mehr zu schultern sind, steht am Ende dieser Entwicklungen schon heute erkennbar die Staatsfinanzierung über die Notenpresse.

Mit Christine Lagarde wurde hierfür bei der Europäischen Zentralbank bereits die willfährige und stets devote Idealbesetzung installiert. Dazu noch einmal Manfred Gburek:

„Dass Lagarde sich mit der EZB an diesem Finanzpoker beteiligen wird, ließ sie in ihrer Rede am vergangenen Donnerstag deutlich anklingen, indem sie neben anderen Zielen auch den Kampf gegen die Armut und den Klimawandel in den Vordergrund rückte. So etwas nennt man: Ausdehnung des geldpolitischen Mandats“.

Auch die Staatsfinanzierung über die Notenpresse, die man uns schon bald als „alternativlos“ verkaufen wird, ist so eine Ausdehnung des Mandats…

Letzten Endes heißt das: Deutschland wäre gut beraten gewesen, dem Austritt Großbritanniens mit einem eigenen Abschied von der zentralistisch-sozialistisch organisierten Europäischen Union zuvorzukommen.

Ein Austritt im Windschatten der Briten, die von nun an ihr Heil in der Flucht nicht nur suchen, sondern auch finden werden, wäre immer noch möglich.

Angesichts der erbärmlichen Figuren und charakterschwachen Politdarsteller, die hier zu Lande das Zepter schwingen, ist diese Option allerdings in etwa so realistisch wie ein Auftritt der leibhaftigen Jesus, Maria und Josef im Berliner Kanzleramt am Heiligen Abend.

Deshalb haben wir in den vergangenen Tagen mit dem deutlichen „Wählerentscheid“ der Briten zum Brexit nicht weniger gesehen als den Auftakt zum Zerfall der Europäischen Union und zum Kollaps des Euro. Beide Ereignisse zusammen werden in einigen Jahren in eine Währungsreform in Europa müden…

Da könnte man fast vergessen, dass wir gerade auf eines der wichtigsten christlichen Feste des gesamten Jahres zusteuern. Aber nur fast:

In diesem Sinne, lassen Sie sich trotz allem die Laune nicht verderben und haben Sie ein paar schöne, besinnliche und erholsame Weihnachtsfeiertage…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.