Heute haben sich der britische Premierminister Boris Johnson und der Präsident der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker auf ein Abkommen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich geeinigt. Am Samstag soll im britischen Unterhaus über den Deal abgestimmt werden.

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Die Position der nordirischen DUP hat sich allerdings nicht geändert. Sie hatte erklärt, sie werde nicht für den Deal stimmen, was vermutlich bedeutet, dass sie sich der Stimme enthalten wird. Damit sind die Konservativen auf die Unterstützung der LDP, der SNP oder von Teilen der Labour-Partei angewiesen. Jeremy Corbyn, Vorsitzender der Labour-Partei, hat bereits anklingen lassen, dass seine Partei das Abkommen nicht unterstützen werde.

Wahrscheinlich werden die Konservativen einen sehr hohen Preis zahlen müssen, um den Deal über die Ziellinie bringen zu können. Das Einzige jedoch, das der Premierminister anbieten kann, ist eine erhebliche Übertragung von Befugnissen an Nordirland oder Schottland. Die Frage ist, ob eine der Parteien das Angebot annehmen wird. Wenn die Alternative allerdings ein harter Brexit ist – die EU unterstützt den Premierminister in seinem Versprechen, keine Verlängerung der Verhandlungen zu erwirken –, dürfte ein Deal höchstwahrscheinlich auch dann zustande kommen, wenn er nicht zusätzlich versüßt wird.

Der Markt ist zu diesem Zeitpunkt sehr vorsichtig, denn es ist nach wie vor unklar, ob der Deal am Samstag durchgehen wird. Wir wagen zu behaupten, dass die EU diesen Deal annehmen möchte und den Premierminister in seinem Wunsch unterstützt, die Verhandlungsdauer nicht zu verlängern. Die Folge wäre ein nicht zu vernachlässigender Aufwärtstrend für das Pfund Sterling und risikoreiche Anlagen in Großbritannien, aber auch kurz- und mittelfristig ein deutlicher Aufschwung für europäische Aktien von Frankreich über Deutschland bis in die Niederlande, da sich die Schockstarre, die die britische Wirtschaft aktuell lähmt, auflösen würde.