Die Bundesregierung bereitet sich auf eine Staatspleite Griechenlands und einen möglichen Euro-Austritt des Landes vor. Es gebe konkrete Beratungen, was im Falle einer Pleite zu tun sei, berichtet die "Bild"-Zeitung am Freitag unter Berufung auf Insider. Im Gespräch seien Kapitalverkehrskontrollen sowie ein Schuldenschnitt für das Land.

    Bereits nach den Verhandlungen Mittwochnacht in Brüssel mit Frankreichs Staatspräsident François Hollande und Griechenlands Premier Alexis Tsipras sei der Kanzlerin klar gewesen, dass eine Staatspleite womöglich nicht mehr aufzuhalten sei, schreibt die Zeitung. In dem zweistündigen Gespräch habe sich Tsipras stur gestellt und die Auflagen der Gläubiger erneut abgelehnt. Am Donnerstag zog sich dann bereits der IWF aus den Verhandlungen über eine Griechenland-Rettung zurück. Nun werde "in vertraulicher Runde" in Berlin ganz offen über eine Staatspleite Griechenlands gesprochen.

    Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hat Griechenland allerdings noch eine letzte Chance, die Pleite beim Treffen der Finanzminister der Euro-Zone am kommenden Donnerstag abzuwenden. Die Finanzminister wollten dann ein Konzept sehen, das bis dahin bereits vom griechischen Parlament verabschiedet sein müsse, schreibt das Blatt.

    Auch Griechenland strebt nach den Worten von Staatsminister Nikos Pappas offenbar eine Einigung mit den Gläubigern beim Eurogruppen-Treffen am 18. Juni an. Ob das Land allerdings bereit ist, den geforderten Reformen zuzustimmen, ist unklar.

    Neben den IWF-Vertretern haben auch die Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) die Verhandlungen in Brüssel bereits verlassen, berichtet eine griechische Zeitung. Die Delegationen seien nur zu einer Rückkehr bereit, wenn es überzeugende Zusicherungen gebe, dass die griechische Regierung ihre Position verändert habe, berichtet die griechische Tageszeitung "Kathimerini".