Der sogenannte Carry Trade ist eine bei institutionellen Anlegern beliebte Strategie, bei der Geld in einem Währungsraum mit niedrigen Zinsen geliehen wird und in einem Währungsgebiet mit höheren Zinsen angelegt wird. Die Finanzkrise hat die Chancen auf Carry Trades zeitweilig zerstört, weil die Leitzinsen in praktisch allen Industriestaaten auf Rekordtiefs gesenkt wurden und es kaum noch Zinsdifferenzen zwischen den großen Währungsräumen gab. Durch die Zinserhöhungen der US-Notenbank seit Ende 2015 hat sich das aber inzwischen wieder geändert. Niedrig- oder gar Negativzinsen bei Währungen wie dem Euro, dem Schweizer Franken oder dem japanischen Yen ermöglichen inzwischen wieder hochproftable Carry Trades mit dem US-Dollar, wo das Zinsniveau inzwischen wieder deutlich höher liegt. Auch private CFD-Trader können aktuell vom Carry Trade profitieren - unter anderem beim beliebten Währungspaar EUR/USD!

    Nach dem Konzept der "ungedeckten Zinsparität" sollten mit Carry Trades eigentlich keine nachhaltig positiven Renditen zu erzielen sein. Dieses Konzept geht davon aus, dass Währungen mit höheren Zinsen in der Regel gegenüber Währungen mit niedrigen Zinsen abwerten und so die durch Carry Trades erzielten Zinsgewinne wieder durch Kursverluste kompensiert werden. In der Realität zeigt sich aber, dass durch Carry Trades auf lange Sicht durchaus positive Renditen zu erzielen sind. Tatsächlich ist sogar zu beobachten, dass Währungen mit höheren Zinsen häufig gegenüber Währungen mit niedrigen Zinsen zulegen, was in direktem Widerspruch zur Theorie steht. In diesem Fall kommen zu den Zinsgewinnen durch den Carry Trade sogar noch Kursgewinne hinzu! Das Währungen sich häufig so verhalten, ist auch relativ einfach zu erklären: Zeichnet sich ein Währungsraum durch höhere Zinsen aus, so verlagern Spekulanten Geld in diese Währungsräume, was zu einer zusätzlichen Nachfrage nach dieser Währung und damit steigenden Preisen führt. Erst, wenn die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen als nicht nachhaltig angesehen wird, zum Beispiel weil mit sinkenden Zinsen gerechnet wird, setzt eine umgekehrte Bewegung ein.

    Auch mit einem normalen CFD-Konto kann man als privater Trader mit dem Carry Trade Geld verdienen. Das liegt daran, dass bei einer gehebelten Währungsposition zur Finanzierung Geld in der einen Währung geliehen und in der anderen dem Geldmarkt zur Verfügung gestellt wird. Wer zum Beispiel eine gehebelte Short-Position im Währungspaar EUR/USD eingeht, der leiht sich implizit Euro und tauscht dieses Geld in Dollar.

    Da die Zinsen im Euroraum aktuell deutlich niedriger sind als im Dollarraum, fallen zur Finanzierung dieser Position keine Kosten an, sondern es ergibt sich aus diesem Zinsspread ein Gewinn. Es hängt allerdings vom CFD-Broker ab, in welchem Umfang dieser Gewinn an den Anleger weitergegeben wird. Hier kann es sich durchaus lohnen, die gezahlten Zinsen bei unterschiedlichen Anbietern zu vergleichen.

    Inzwischen ist die Zinsdifferenz zwischen dem Euro- und dem Dollarraum allerdings so ausgeprägt, dass bei vielen Brokern der Trader tatsächlich mit der Finanzierung einer Short-Position im Währungspaar EUR/USD Geld verdienen kann.

    Geht man beispielsweise für eine Summe von 100.000 Euro short im Währungspaar EUR/USD, wofür dank einer Margin von 3,33 Prozent nur ein realer Mitteleinsatz von 3.300 Euro geleistet werden muss, verdient man beim CFD-Broker der Consorsbank aktuell 4,17 Euro pro Nacht, wenn die Position über Nacht bzw. über ein Wochenende gehalten wird. Bei Positionseröffnung und -schließung fallen zwar auch Kosten in Form eines Spreads an. Hält man eine Position allerdings mehrere Tage, finanziert sich die Position gewissermaßen von selbst: Verändert sich der Kurs nicht, zahlt man nicht etwa Gebühren für diese Position, sondern verdient Geld mit ihr.

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    Bei 260 Handelstagen pro Jahr entspricht der Gewinn aus dem Zinsspread von 4,17 Euro pro Nacht einem Gewinn von insgesamt 1.084,20 Euro pro Jahr. Bezogen auf das Handelsvolumen von 100.000 Euro ist das zwar nur ein Gewinn von etwas mehr als einem Prozent, bezogen auf die Margin von 3.300 Euro, die vom Trader tatsächlich bereitgestellt werden muss, allerdings ein Gewinn von immerhin 32,8 Prozent p.a.! Ändert sich der Wechselkurs binnen Jahresfrist nicht, hat der Trader tatsächlich 32,8 Prozent auf seine bereitgestellte Margin verdient!

    Allerdings, und das ist der große Haken an der Sache, reicht bereits eine Kursveränderung von etwas mehr als einem Prozent in die Gegenrichtung (in diesem Fall steigende EUR/USD-Kurse), um sämtliche Zinsgewinne eines Jahres wieder durch Kursverluste zu kompensieren! Auch wenn die Vergangenheit gezeigt hat, dass sich Währungspaare tendenziell häufig in die Carry-Trade-Richtung bewegen (in diesem Fall sinkende EUR/USD-Kurse), gibt es dafür natürlich keine Garantie.

    Auf Grund seiner Konstruktion verleitet der Carry Trade dazu, möglichst hohe Hebel zu wählen. Dies führt dann aber dazu, dass oft bereits minimalste Kursbewegungen in die Gegenrichtung ausreichen, um das komplette Eigenkapital des Traders aufzuzehren! Trader sollten sich dieses Risikos unbedingt bewusst sein und nur dann mit Hebel spekulieren, wenn sie das Risiko genau einschätzen können! Auch wenn in dem oben gezeigten Beispiel nur eine Margin von 3.300 Euro auf dem Konto sein muss, um eine entsprechende Short-Position im Währungspaar EUR/USD zu eröffnen, bewegt der Trader tatsächlich 100.000 Euro! Es reichen dann bereits kleinste Kursbewegungen von 3,33 Prozent in die Gegenrichtung (Long-Richtung) aus, um die Margin vollständig aufzuzehren. Der Broker wird sogar noch viel früher einschreiten und die Position wieder schließen, weil die Marginanforderungen nicht mehr eingehalten werden.

    Fazit: Durch die Zinsdifferenz zwischen dem Euro- und dem Dollarraum können CFD-Trader unabhängig von der Kursentwicklung Gewinne einfahren. Allerdings sind diese Gewinne in der Regel nicht groß genug, um eine Kursentwicklung gegen die Carry-Trade-Richtung auszugleichen. Erwartet man aber beispielsweise ohnehin fallende Kurse im Währungspaar EUR/USD und tritt diese Erwartung ein, so verdient der Trader nicht nur an der Kursentwicklung, sondern auch am Zinsspread. Bezogen auf die tatsächlich vom Trader bereitgestellte Margin können diese Zinsgewinne sogar im mittleren oder höheren zweistelligen Prozentbereich pro Jahr liegen!


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