Ich habe in meinem letzten Post die OFR-Studie mit dem Titel „Shadow Banking: The Money View“ vorgestellt, und kurz angerissen wie sich institutionelle Cash Pools seit 1997 auf fast 6 Billionen US-Dollar verdreifacht haben.

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Diese Cash Pools suchen die Sicherheit von geldähnlichen Anlagen, sind aber so riesig, dass sie a) unter keine Einlagensicherung fallen, und b) nicht von vollständig von T-Bills absorbiert werden können. Aufgrund von diesen Limitierungen weichen sie deshalb in den Repomarkt aus, wo sie über Dealer-Banken ihr Geld kurzfristig in langlaufende Sicherheiten tauschen können.

Es gibt mindestens drei Gründe für die Mutation dieser Cash Pool-Monster innerhalb des Schattenbankensystems:

  1. Zentralbanken betreiben zunehmend Währungsmanagement relativ zum US-Dollar und unterhalten deshalb große Portfolios für ihre FX-Interventionen.
  2. Große Unternehmen halten aufgrund ihrer hohen Profitabilität zu Lasten von Gehältern mehr Cash als jemals zuvor, und sind deshalb mittlerweile zu Nettokreditgebern avanciert.
  3. Unter Asset-Managern hat eine große Konsolidierung stattgefunden, sprich immer weniger Institutionen verwalten immer größere Berge an Geld.

Wer steht nun auf der anderen Seite dieser massiven Geldinjektionen mittels Repo-Deals? Welche Player haben aus welchem Grund einen derart hohen Bedarf nach Cash, um fast 6 Billionen US-Dollar aufzusaugen?

Laut Zoltan Pozsar , dem Autor der Studie, gibt es hauptsächlich 2 Gruppen von Investoren, die dafür in Frage kommen:

  1. Unterfinanzierte Pensionsfonds, welche über Hedgefonds „all-in“ gehen, um sich auch in Zukunft über Wasser halten zu können
  2. Zentralbanken, die ihre Währungsbindungen finanzieren müssen

Grafik 2 stellt vereinfacht das System der gegenseitigen Abhängigkeiten dar, welches besteht aus:

  1. Money- und Risk-Dealern: Verantwortlich für die Umwandlung von Sicherheit in Risiko und umgekehrt
  2. Risk PMs (Portfolio-Manager): Hedgefonds, die für Pensionsfonds in Schieflage auf Renditejagd gehen.
  3. Cash PMs: Risikoscheue Institutionen und Cash hortende Firmen

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Ich habe im vorherigen Beitrag zwar geschrieben, dass Cash Pools nicht die Intention haben in der Realwirtschaft aufzugehen, aber ganzheitlich betrachtet findet über den Umweg der Dealer-Banken trotzdem ein indirekter und problematischer Abfluss zum Beispiel in Aktienmärkte statt.

Die betriebene Risikotransformation ist (ganz abgesehen von den kostspieligen „FX-Wars“ der Notenbanken) meiner Meinung nach nicht unproblematisch:

Unternehmen schieben Risiken, die sie eigentlich selber übernehmen müssten, in die Bilanzen von Pensionsfonds ab, deren Fokus von Natur aus eigentlich auf Sicherheit liegen sollte – wieviel mehr kann die Welt noch Kopf stehen?

Die Entwicklung ist jedoch im Grunde nur Symptom einer unterschwelligen Problematik: Erstens verdienen Arbeitnehmer relativ zu den Profiten der Unternehmen zu wenig (Firmen horten Cash), zweitens können zukünftige Generationen nicht mehr den von ihr erwarteten – und schon im hier und jetzt verbratenen Wohlstand erwirtschaften (Pensionsfonds fehlt Cash).

Ist die Entwicklung wirklich nachhaltig, oder werden diese Makro-Ungleichgewichte irgendwann wieder (schmerzhaft) rückabgewickelt?