Herr Wilhelms, der DAX ist dieses Jahr deutlich gestiegen. Zwischenzeitlich war das deutsche Börsenbarometer sogar mehr als 30 Prozent im Plus. Die Stimmung an der Börse ist positiv zum Jahresende, ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr. Was bedeutet das für Anleger im Jahr 2020?

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Wilhelms: Ganz recht, die Aktienmärkte verspürten im Jahr 2019 deutlichen Rückenwind. Nicht nur der DAX konnte zulegen. Vor allem die US-Indizes waren es, die neue Allzeit-Höchststände aufstellten und der Technologiesektor konnte auch 2019 wieder stärker profitieren. Neben dem Nasdaq 100 galt das auch für den TecDAX. Für Anleger wird es somit in 2020 nicht einfacher. Zwar gibt es teilweise eine Entspannung bei den Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und China. Allerdings ist es nicht immer einfach, bei Höchstkursen zu kaufen. Somit wird es vor allem für die Anleger eine Herausforderung, die bisher noch nicht investiert sind und das in 2020 vorhaben.

Warum stellt diese Situation eine Herausforderung dar?

Wilhelms: Grundsätzlich ist es in den vergangenen Jahren immer schwieriger geworden, Geld „sicher“ anzulegen. Noch bis zum Jahr 2012 hat zum Beispiel die Finanzagentur Bundeswertpapiere mit dem Slogan „ruhig ein Vermögen aufbauen“ beworben. Mittlerweile wurde das Angebot für Privatanleger eingestellt. Kein Wunder, die letzte Bundesanleihe wurde mit einer Laufzeit von 30 Jahren und einem Kupon in Höhe von 0 Prozent begeben. Das ist für Anleger wenig attraktiv. Viele andere Assetklassen sind ebenfalls in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Wer davon ausgeht, dass es auch 2020 so weiter geht, der wird kein Problem bei der Geldanlage haben. Allerdings wächst die Zahl der Skeptiker zusehends.

Was können Ihrer Meinung nach die „Skeptiker“ tun? Das Geld einfach auf dem Konto lassen? Das wird zum Teil sogar mit „Straf“-Zinsen belegt.

Wilhelms: Wer zum Beispiel nicht an steigende Aktienkurse glaubt, der findet interessante Alternativen im Bereich der Anlage-Zertifikate. So ist es zum Beispiel möglich mit Discount-Zertifikaten auf Einzelaktien des DAX eine Rendite zwischen drei und 27 Prozent zu erzielen, bei einem Discount in Höhe von 15 Prozent und einer Laufzeit bis Dezember 2020.

Herr Wilhelms, das müssen Sie uns etwas genauer erklären, was bedeutet zum Beispiel „ein Discount in Höhe von 15 Prozent“?

Wilhelms: Wer ein Discount-Zertifikat zum Beispiel auf die Deutsche Telekom kauft, der bezahlt für das Zertifikate weniger als für die Aktie. Diese Differenz wird als Discount bezeichnet. Somit kostet ein Discount-Zertifikat auf die Deutsche Telekom 15 Prozent weniger als die Aktie aktuell. Dieser Discount ist vor allem am Ende der Laufzeit wichtig. Unter gewissen Umständen wird am Ende je eine Aktie der Deutschen Telekom pro Zertifikat ins Depot gebucht. Der Einstandskurs für die Aktie entspricht dann genau dem Kurs, zu dem das Discount-Zertifikat gekauft wurde. Damit entscheidet dieser Kurs über zukünftige Gewinne oder Verluste.

Sie haben gerade „gewisse Umstände“ angesprochen, unter denen am Ende der Laufzeit eines Discount-Zertifikats Aktien ins Depot gebucht werden. Welche Umstände meinen Sie?

Wilhelms: Den Discount bei Discount-Zertifikaten gibt es nicht ohne weiteres. Der Anleger verzichtet im Gegenzug auf einen bestimmten Teil der Gewinne. Es gibt eine Gewinnbegrenzung, die auch als Cap bezeichnet wird. Bei einem Discount in Höhe von 15 Prozent liegt der Cap zum Beispiel bei 13 Euro. Somit erhält der Anleger am Ende der Laufzeit maximal 13 Euro. Auf den Kaufpreis des Zertifikats bezogen ergibt sich eine maximale Rendite in Höhe von 3,2 Prozent. Der Käufer eines Discount-Zertifikats wird nur dann zum Aktionär, wenn die Aktie der Deutschen Telekom am Ende der Laufzeit unterhalb von 13 Euro liegt. Dann erhält der Investor je Zertifikat eine Aktie. Da der Kaufpreis des Zertifikats bei 12,58 Euro lag, entsteht auch erst dann ein Verlust, wenn die Aktie diesen Preis unterschreitet.

Bei dem Beispiel eines Discount-Zertifikats auf die Deutsche Telekom war es möglich eine maximale Rendite in Höhe von 3,2 Prozent in einem Jahr zu erzielen. Sie sprachen aber auch von 27 Prozent. Wie lässt sich diese maximale Rendite mit Discount-Zertifikaten erzielen?

Das ist möglich, indem man nur die Aktie austauscht. Das Beispiel von 27 Prozent maximale Rendite auf ein Jahr bezogen lässt sich aktuell mit der DAX 30-Aktie Wirecard erzielen. Auch dieses Discount-Zertifikat ist mit einem Discount in Höhe von 15 Prozent ausgestattet.

Warum liegt die maximale Rendite bei einem Discount-Zertifikat auf Wirecard so viel höher als bei der Deutschen Telekom?

Wilhelms: Das „Zauberwort“ heißt Volatilität. Ich möchte hier nicht zu sehr ins Detail gehen, doch wir als Emittent von Zertifikaten bilden Discount-Zertifikate nach. Ein Discount-Zertifikat besteht zum Beispiel vereinfacht gesagt aus der Aktie selbst und einer verkauften Call-Option. Diese Kombination ergibt dann ein Discount-Zertifikat. Der Preis einer dieser beiden Komponenten wird von der Volatilität beeinflusst. Es handelt sich um die verkaufte Call-Option. Im Prinzip kann man sich als Anleger merken, je höher die Volatilität, desto höher die maximal Rendite bei Discount-Zertifikaten und umgekehrt.

Was bedeutet denn ganz grundsätzlich eine hohe Volatilität bei einer Aktie?

Wilhelms: Volatilität wird an der Börse auch als Risiko-Barometer herangezogen. Vereinfacht gesagt, je höher die Volatilität, desto risikoreicher ist die Aktie und umgekehrt. Deshalb liegt die maximale Rendite bei einem Discount-Zertifikat auf Wirecard auch so viel höher als bei einem Discount-Zertifikat auf die Deutsche Telekom. Demgegenüber schwankt die Aktie von Wirecard auch stärker als die der Deutschen Telekom. Zumindest, wenn man die Historie anschaut. Das kann sich natürlich jederzeit ändern. Somit sollten Anleger, die Discount-Zertifikate kaufen auch einen Blick auf die Volatilität der Basiswerte legen.

Herr Wilhelms, wo kann man Discount-Zertifikate finden, bzw. handeln?

Wilhelms: Wir bieten zum Beispiel eine kostenlose Suche für Discount-Zertifikate. Auf der Website www.zertifikate.commerzbank.de finden Anleger alle wichtigen Informationen. Handeln lassen sich Discount-Zertifikaten ähnlich wie Aktien. Jedes Discount-Zertifikat ist mit einer Wertpapierkennnummer (WKN) ausgestattet. Wer auf die Gebühren Wert legt, der sollte bei Discount-Zertifikate auf besondere Aktionen achten. So gibt es immer wieder Sonderaktionen bei Direktbanken. Dann ist der Kauf oder Verkauf dieser Wertpapiere günstiger oder sogar kostenlos. Genauere Informationen zu diesen Aktien können ebenfalls auf der Website der Commerzbank oder bei den Direktbanken abgerufen werden.

Herr Wilhelms, wir danken Ihnen für das Interview.

Kurzvita

Anouch Wilhelms (38) ist Derivate-Experte bei der Commerzbank und in diesem Bereich seit 15 Jahre tätig. Er studierte Betriebswirtschaft in Frankfurt und Madrid und startete direkt nach dem Studium bei der Commerzbank in Frankfurt im Bereich Aktien und Rohstoffe. Heute ist er Spezialist für strukturierte Wertpapiere.

Anouch Wilhelms ist als Derivate-Experte der Commerzbank regelmäßig Gast im TV (z.B. n-tv Telebörse) und schreibt regelmäßig Gastbeitrage in Tageszeitungen und Fachmagazinen. Außerdem moderiert er die Sendung „Das Marktgespräch – ideasTV“.

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