Wien (GodmodeTrader.de) - Bei den Kongresswahlen in den USA konnten die Republikaner zwar ihre Mehrheit im Senat behaupten, doch müssen sie sich beim Rennen um das Abgeordnetenhaus den Demokraten geschlagen geben. Dies wird Trump das Regieren erschweren. Die Aussichten der Demokraten, 2020 ins Weiße Haus zu ziehen, haben sich durch die Wahl nicht wesentlich verbessert, wie Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG, in einem aktuellen Kapitalmarktkommentar schreibt.

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Für die Finanzmärkte sei der Wahlausgang wenig überraschend gewesen. Die Aktienmärkte in Europa hätten heute tendenziell etwas fester eröffnet. Es sei davon auszugehen, dass die Anleger sehr rasch wieder anderen Ereignissen und Themen ihre Aufmerksamkeit schenken würden – wozu allerdings auch die „unkonventionelle“ Politik Trumps gehöre. Etwaige Unsicherheiten über große Überraschungen beim Wahlausgang seien jedenfalls wieder aus dem Markt, was von Anlegern positiv gesehen werde, heißt es weiter.

„Die wichtigen Notenbanken, allen voran die Fed, sind dabei, ihre Unterstützung zu verringern. Seit Monaten sind die Entwicklungen an den Finanzmärkten von diesem Einflussfaktor geprägt. Schwächere Aktienmärkte, höhere Spreads, Verwerfungen in Emerging-Markets-Assets und ein stärkerer US-Dollar sind die Entzugserscheinungen nach Jahren einer allzu expansiven Geldpolitik. Zugegeben, es gibt auch andere Themen: Brexit, Italien, Handelskrieg. Die Auswirkungen dieser politischen Einflüsse sind zweifellos vorhanden und sollen hier nicht kleingeredet werden“, so Szeiler.

In den Jahren des billigen Geldes habe es aber auch immer wieder politische Querelen gegeben, die für kurzfristige Volatilität gesorgt hätten. Unter dem Strich sei die reichlich vorhandene Liquidität jedoch der wichtigere Faktor, der die Aktien- und Anleihekurse nach oben getrieben habe. Und dieser Faktor werde immer schwächer. Also habe der US Präsident Recht, wenn er sich über den von ihm selbst ernannten Notenbankchef beklage? Ja und nein. Ja, weil ein Zinsanhebungszyklus früher oder später Spuren in der Realwirtschaft und an den Finanzmärkten hinterlasse. Nein, weil es nun einmal die Aufgabe der Notenbank sei, die Risiken für Konjunktur und Inflation in Balance zu halten, heißt es weiter.

„Die Konjunktur präsentiert sich in den USA aktuell bombenfest und wenn die Notenbank nicht reagiert, droht mittelfristig eine Überhitzung. Überdies geht die Fed ohnehin so langsam vor wie nie zuvor. Und sollte in den nächsten Jahren schließlich ein Abschwung drohen, hat die Fed wenigstens wieder Munition um gegenzusteuern. Insofern sind weitere Zinsanhebungen zu erwarten, die nächste schon im Dezember. Das bedeutet für die Finanzmärkte, dass die Entwicklungen selektiver werden. Die Zeit der undifferenzierten Anstiege ist vorbei. Das bedeutet allerdings nicht, dass es in dieser Phase keine Chancen an den Märkten mehr geben wird. Aktuell ist eine solche Chance gekommen. Die Korrektur der letzten Wochen neigt sich dem Ende zu, eine Aufstockung der Aktienquote ist angezeigt“, so Szeiler.