Peking (Godmode-Trader.de) - Bei Chinas Unternehmen lässt die Dynamik weiter rapide nach. Dies signalisiert der heute veröffentlichte HSBC China Composite Index (PMI), der Gesamt-Einkaufsmanagerindex für die Industrie und das Dienstleistungsgewerbe in der Volksrepublik. Laut der britischen Großbank notiert der PMI-Wert mit 50,6 Punkten zwar noch über der Expansionsmarke von 50 Zählern, sich fiel er von einem Stand von 51,2 Punkten im Mai nunmehr auf den niedrigsten Wert seit über einem Jahr.

    Besonders betroffen von der schwachen Wachstumsdynamik ist laut der HSBC das Verarbeitende Gewerbe, aber auch die heimischen Dienstleister beurteilten ihre Lage im Juni schlechter als im Vormonat: Mit 51,8 Punkten ging auch der enstprechende Teilindex China Service PMI gegenüber dem Mai-Wert von 53,5 Punkten spürbar zurück. Dabei bleiben im Dienstleistungsgewerbe zunehmend die Neuaufträge aus, wie der auf ein elf Monatstief zurückgegangene Teilindex signalisiert. Teilweise ist dieser Abwärtstrend auch eine Folge der geringen Nachfrage aus dem Industriesektor nach Dienstleistungen und der hohen Volatilität am chinesischen Aktienmarkt.

    Insgesamt belastet der derzeitige Konjunkturverlauf auch die landesweite Beschäftigungspolitik der Unternehmen. Für den chinesischen Arbeitsmarkt bedeutet dies derzeit eine deutliche Belastung. Zusätzliche Schwierigkeiten kommen auf die Gewinnsituation der Unternehmen zu, die sich steigenden Preisen ausgesetzt sehen, aber nur begrenzten Spielraum haben, diese auf ihre Kunden überzuwälzen.

    Die chinesischen Festland-Börsen in Shenzhen und Shanghai rutschten derweil weiter ab. Vor allem Privatanleger, die auf Pump gekauft hatten (sog. Margin Debt Käufe), stiegen angesichts der anhaltenden Talfahrt aus. Auf Sicht von drei Wochen haben chinesischen Festlandaktien damit die schlechteste Phase seit dem Jahr 1992 verbucht. Zuvor war es derart steil bergauf gegangen, das bereits Sorgen um eine Blase aufkamen.

    Mittlerweile gehen auch volkswirtschaftlich vom Aktienmarkt Risiken aus. Dies gilt z. B. für den Umbau des Wachstumsmodells hin zu einer regeren Binnennachfrage. Nachhaltige Vermögensverluste bei den privaten Haushalten könnten dem Einzelhandel schaden, weil weniger Mittel zum Konsum zur Verfügung stehen. Darüber hinaus ist die gesamtwirtschaftliche Bedeutung des Finanzmarktes im Reich der Mitte nicht zu unterschätzen.