Um China ist es zuletzt still geworden. Der Markt beschäftigte sich viel mehr mit der Notenbankpolitik in Europa, den USA und Japan als mit der chinesischen Wirtschaft. Obwohl es die chinesische Wirtschaft und die Wechselkurspolitik der chinesischen Notenbank waren, die den Markt im vergangenen Jahr aus der Bahn warfen, sind diese Faktoren inzwischen zur Randnotiz verkommen.

Man kann darüber streiten, ob es gut oder schlecht ist, wenn der Markt wichtige Themen so schnell vergisst, meist aber ist es ein gutes Zeichen. Spricht niemand mehr über die Lage, dann ist das Thema abgehakt und bestimmt das Geschehen kaum noch. Kurzfristig gesehen ist das ein gutes Signal, mittelfristig kann es zum Bumerang werden.

Sind die Kernprobleme nicht gelöst, doch vergisst der Markt, dass da doch etwas war, dann kann das Thema mit großer Gewalt zurückkehren und erneut für große Unsicherheit sorgen. Die Unsicherheit im vergangenen Jahr rankte sich vor allem um die Entwicklung der chinesischen Devisenreserven und die Wechselkurspolitik. Keiner wusste, was die Notenbank vorhatte und wie genau sie den Wechselkurs managte. Das führte dazu, dass der Markt sich selbst eine Interpretation überlegen musste – und diese war beunruhigend.

Der Markt ging davon aus, dass China seine Währung abwertete, um Wettbewerbsfähigkeit zurückzuerlangen. Eine schwache chinesische Währung hätte Deflation in den Rest der Welt exportiert. Dieses Horrorszenario traf nicht ein.

Die Kommunikation der chinesischen Notenbank war bestenfalls verwirrend. Erst gab sie die strikte Dollarbindung auf, dann schwankte der Dollar-Yuan Kurs auf nicht erklärbare Weise in die ein oder andere Richtung und zu guter Letzt hieß es, der Yuan Kurs werde gegenüber einem Währungskorb gemanagt. Inzwischen scheint klar, dass nun tatsächlich genau das geschieht. Die Notenbank will den Kurs des Yuan gegenüber dem Währungskorb stabil halten. Das führt dazu, dass der Yuan gegenüber dem Dollar stärker auf- und abwerten kann.

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Bis diese Kommunikation beim Markt ankam, vergingen Monate; Monate, die viel unnötige Unsicherheit brachten. Besonders beunruhigend war in diesem Zusammenhang die Entwicklung der Devisenreserven. Grafik 1 zeigt die Höhe der Reserven seit 1950. Die Skala ist logarithmisch, sodass auch die geringen Beträge in weiter zurückliegenden Jahren erkennbar sind.

Die Entwicklung der Reserven ist absolut bemerkenswert. Vor 30 Jahren hatte China gerade einmal 2 Mrd. an Reserven. Bis zum Jahr 2014 stiegen sie um den Faktor 2.000 an und erreichten ein Hoch bei 4 Billionen Dollar. Danach ging es bergab. In der Grafik sieht das wenig spektakulär aus, doch China baute fast eine Billionen Dollar an Reserven ab.

Die Geschwindigkeit, mit der die Reserven zurückgingen, beunruhigte viele Marktteilnehmer. Hätte China weiterhin in diesem Tempo Reserven verbrannt, dann wären sie innerhalb von weniger als drei Jahren aufgebraucht gewesen.

Der Abbau der Reserven war auf die Interventionen auf dem Devisenmarkt zurückzuführen. Die Notenbank musste intervenieren, um den Kurs des Yuan einigermaßen stabil zu halten. Dies wiederum wurde notwendig, da Unternehmen, Bürger und Investoren große Mengen Geld ins Ausland schafften, was den Yuan Kurs unter Druck brachte.

Aktuell ist kaum noch von Chinas Devisenreserven zu hören. Die Zeiten, in denen auffällige Wechselkursbewegungen die globalen Aktienmärkte in Turbulenzen stürzten, scheinen vorbei. Zur Beruhigung von Investoren kam es im März nun sogar zu einem Anstieg der Devisenreserven. Nach monatelangem Abbau konnten die Rücklagen erstmals wieder steigen. Auch im April sind die Zeichen bisher positiv. Durch überproportional ansteigende Exporte kommt viel Geld ins Land. Das dämpft allfällige Abzüge von Kapital.

Grafik 2 zeigt die monatliche Veränderung der Devisenreserven. Nachdem der Rückgang zuletzt zwischen 50 und 100 Mrd. pro Monat lag, konnten die Reserven im März einen kleinen Zuwachs ausweisen.

Dieser Zuwachs ist mit 10,2 Mrd. USD nun nicht unbedingt weltbewegend. Bei Rücklagen in der Höhe von 3,2 Billionen sind 10 Mrd. ein Tropfen auf den heißen Stein. Es geht jedoch weniger um das Ausmaß als um die Richtung. Nach großer Panik scheint sich die Lage nun zu beruhigen. Einschränkend muss man festhalten, dass es auch schon im vergangenen Jahr einzelne Monate gab, in denen die Reserven zulegen konnten. Im Oktober 2015 stiegen sie um 11 Mrd., um im Folgemonat um 87 Mrd. zu sinken. Nichtsdestotrotz, es ist ein Signal der Entspannung, welches für die globale Wirtschaft positiv ist.