Kaum ein Unternehmen bringt das Konfliktpotential so sehr auf den Punkt wie Huawei. Die Finanzchefin wurde verhaftet, da das Unternehmen gegen Iran-Sanktionen verstoßen haben soll. Die Verhaftung der Managerin war ungewöhnlich. Die USA sanktionieren normalerweise die Unternehmen direkt. So mussten Banken nach der Finanzkrise hohe Strafen zahlen. Die Manager aber blieben auf freiem Fuß.

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Es geht im Kern nicht darum, ob Huawei wirklich gegen Sanktionen verstoßen hat. Es geht um etwas anderes. Die USA wollen Huawei diskreditieren. Das hat einen einfachen Grund. Huawei ist ein Beispiel dafür, wie China langsam die Welt erobert.

Huawei hat mehrere Geschäftsbereiche. Am bekanntesten ist es für seine Smartphones. Es ist aber auch einer der größten Telekomausrüster der Welt und ein großer Anbieter von Cloud Computing. Damit ist Huawei eine Mischung aus Apple, Cisco und Amazon Web Services.

Das Unternehmen hat klein angefangen. Seit 2014 gibt es aber richtig Gas. Es holt beim Umsatz gegenüber den US-Konkurrenten massiv auf (Grafik 1). Bisher ist Huawei beim Umsatz nur halb so groß wie Apple. Bei den aktuellen Wachstumsraten ist das in 5 Jahren nicht mehr der Fall.


Ein Vorteil von Huawei ist, dass es nicht an der Börse notiert. Es ist im Besitz der Mitarbeiter, die nicht an der Börse handelbare Aktien erhalten. Wie jedes Unternehmen ist Huawei gewinnorientiert, aber nicht um jeden Preis. Das hilft bei vielen Produkten, beim Preis sehr konkurrenzfähig zu sein.

Trotzdem steigt der Gewinn und wird 2018 ca. 10 Mrd. Dollar betragen (Grafik 2). Über kurz oder lang wird Huawei eine Gewinnmaschine. Die Smartphones sind nicht nur in China beliebt (Grafik 3), sondern in der ganzen Welt. Global hat Huawei beim Marktanteil Platz 3 hinter Samsung und Apple erreicht.


Das Verbrauchersegment ist nur eines von drein. Für die USA ist vor allem die Netzwerkausrüstung und das Cloud-Computing ein Problem. Sie befürchten, dass die chinesische Regierung Spionage über die Technologie betreibt. Die Vorwürfe gibt es seit langem. Bewiesen wurden sie nie.

Es ist auch merkwürdig, dass gerade die USA solche Vorwürfe erheben, da die amerikanischen Geheimdienste die eigenen Bürger und andere Regierungen ausspionieren. Dennoch zieht das Argument. Einige Länder haben Aufträge beim 5G-Ausbau mit Huawei storniert.

Ohne diese Vorwürfe hätte Huawei global den ersten Platz beim Netzausbau erreicht. Es wäre damit das erste chinesische Unternehmen, das global mit Technologie amerikanische Konkurrenten aussticht. Es ist die Essenz der Vision 2025, bei der chinesische Unternehmen global so relevant werden sollen wie amerikanische.


Der Kampf ist für Huawei noch nicht verloren, auch wenn die USA Steine in den Weg legen. Verlieren hingegen die USA an dieser Stelle, ist die globale Dominanz von US-Unternehmen bald Geschichte. Sie bekommen ernstzunehmende Konkurrenz.

China kann bei Hochtechnologie in einigen Bereichen heute schon mithalten. Huawei ist das beste Beispiel. Wie viel von der Technologie selbst entwickelt wurde, sei dahingestellt. Bei der globalen Expansion kopieren chinesische Firmen das, was US-Unternehmen getan haben. Sie sind nur viel kostengünstiger. Das passt den USA nicht. Verhindern können sie es wohl aber nicht.

Clemens Schmale

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