Chinas Wirtschaft macht 16 % der Weltwirtschaftsleistung aus. Damit hat China in den letzten Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Es ist noch gar nicht lange her, da war China eher eine Randnotiz. Erst 2006 überstieg der Anteil 5 % und 2011 die Marke von 10 %. Der Großteil des Bedeutungsgewinns fand in den letzten 10 bis 15 Jahren statt. Das ist kein Zufall. China hat sich in dieser Zeit einer Wunderwaffe bedient. Diese heißt Kredit. Die Verschuldung privater Haushalte und Unternehmen verdoppelte sich in den letzten 11 Jahren.

Da die Wirtschaftsleistung in demselben Zeitraum gestiegen ist, ist der absolute Zuwachs an Schulden noch viel größer. Lagen die Schulden 2008 noch bei etwas über 5 Billionen Dollar, sind es heute fast 30 Billionen. Immerhin wurden die Schulden gut genutzt. Das schnelle Wachstum und der Bedeutungsgewinn der chinesischen Wirtschaft in der Welt zeigt das.

Nun zeigen sich immer mehr die Parallelen zu Japan in den 80er Jahren. Begonnen hatte in Japan alles in den 70er Jahren. Das Wachstum war deutlich höher als im Rest der Welt. Die Wirtschaft, die kurz zuvor nur 5 % der Weltwirtschaft ausmachte, erreichte einen Anteil von 10 %. Durch den Exzess der 80er Jahre gelang sogar ein Anstieg auf 16 %.

Wie heute China erkaufte sich Japan die Bedeutung damals durch Kredit und Übertreibung. Der Exzess baute sich über 15 Jahre lang auf. China geht ins zwölfte Jahr. Ein wenig Luft hat das Land also noch. Geht es allerdings nach der Verschuldung, die in Japan in der Spitze 220 % erreichte, hat China kaum noch Spielraum.

Dies gilt umso mehr, wenn man die demographische Entwicklung betrachtet. Diese läuft der japanischen um 15 Jahre hinterher (Grafik 3). Der Anteil der Erwerbsbevölkerung (20-65-Jährige) an der Gesamtbevölkerung schrumpft. Es gibt immer mehr Menschen über 65 Jahre im Verhältnis zur Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter.

Das macht es nicht einfacher, die Schulden zu tragen, geschweige denn abzubauen. China versucht bereits seit drei Jahren ein Deleveraging. Das hat bisher nicht funktioniert. Die Verschuldung steigt nicht mehr, aber das ist von einem Abbau weit entfernt.

Demographisch befindet sich China an dem Punkt, an dem in Japan die Deflation begann. Es war in Japan nicht nur die Demographie. Es war auch das Platzen der Schuldenblase. Auch hier steht China in nichts nach.

Chinas Wirtschaft muss ein Drahtseilakt gelingen und nicht nur für ein paar Quartale, sondern für viele Jahre. Gelingt das nicht, bricht Chinas Wirtschaft zusammen. Bei der Bedeutung, die China heute für die Welt hat, wäre das auch für den Rest der Welt eine Katastrophe. Der Handelskonflikt ist für Chinas Wirtschaft dagegen kaum der Rede wert.