Peking (Godmode-Trader.de) - Die Gewinne der chinesischen Industrieunternehmen zogen im Mai um 6,0 Prozent im Jahresvergleich an, während die Profitlage in der gesamten bisherigen Jahresschau wegen der Covid-19-Pandemie noch unter dem Niveau des Vorjahres liegt. Die Kosten wurden gesenkt, defizitäre Firmen machten weniger Verluste als zuvor, und auch der Verkauf von Lagerbeständen trug zu den Steigerungen im vergangenen Monat bei.

Zum profitabelsten Industriezweig gehörten Computer-, Telekommunikations- und Spezialgerätehersteller. Die Gewinne in diesen Sektoren stiegen im Mai im Jahresvergleich um 34,7 Prozent. Diese Firmen verzeichneten auch die stärksten Umsätze (4,02 Bio. Yuan). Bei der technologiebezogenen Fertigung handelt sich sich um eine Industrie mit hoher Wertschöpfung, die den Anstieg der Produktionskosten in China verschmerzen kann.

Gleichzeitig haben aufgrund steigender Kosten für Land und Arbeitskräfte Industrien mit niedrigeren Gewinnspannen, einschließlich der Textil- und Bekleidungsindustrie (deren Gewinne schmolzen im Mai um 29,2 Prozent im Jahresvergleich) und der Spielzeugbranche, damit begonnen, ihre Produktion aus China heraus in andere asiatische Volkswirtschaften zu verlagern. Dieser Trend war bereits vor dem Covid-19-Ausbruch bzw. dem Handels-/Technologiekrieg mit den USA im Gange.

Einer der Gründe für das Gewinnwachstum der Industrieunternehmen im Mai waren niedrigere Energie- und Lohnkosten. Das heißt aber auch: Die weltweite Nachfrage ist noch immer schwach, daher sind die Energiekosten niedrig. Und: die Arbeitskräfte weniger verdienen als vor dem Covid-19-Ausbruch, was der Binnenkonjunktur schaden könnte.

Ein weiteres Risiko besteht darin, dass der Hauptteil der Gewinne aus den technologienahen Industriezweigen stammt, was die Gefahr einer möglichen Re-Eskalation des Technologiekrieges zwischen China und den USA in sich trägt. „Das Gewinnwachstum ist das erste Anzeichen für die Erholung der chinesischen Wirtschaft. Wenn die Gewinne weiter steigen, könnte der positive Trend dazu beitragen, dass entlassene Arbeitskräfte neue Arbeitsplätze finden, und der gesamte Arbeitsmarkt dürfte später, wenn die Erholung solider wird, in den Genuss höherer Löhne kommen“, fassen Analysten der ING die Daten zusammen.