Ich hatte an anderer Stelle darüber berichtet, dass es in Europa eine Wachstumsdelle gibt. Dies gilt insbesondere für Exportnationen wie Deutschland. Es lässt sich aber noch enger fassen. Österreich ist ebenfalls eine Exportnation, doch dort konnte sich das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal gut halten.

ANZEIGE

In Deutschland ist das anders. Das liegt an der hohen Abhängigkeit von China. Der Anteil, den Deutschland nach China exportiert ist doppelt so hoch wie z.B. bei Österreich. Deutschland ist daher besonders stark von einer Abkühlung in China betroffen.

Eigentlich ist der Abschwung in China kein Geheimnis. Man weiß aber nie so genau, wie schlimm es wirklich ist. Die Einkaufsmanagerindizes (Grafik 1) sehen nicht gut aus, sind aber auch nicht gerade katastrophal. Sie halten sich über der Marke von 50 Punkten, die Wachstum signalisiert.

Einen Abschwung wie 2008 kann man nicht erkennen. Das ist aber auch nicht notwendig. Die Einkaufsmanagerindizes halten sich auf wundersame Weise über 50. Das war auch 2015 der Fall, als sich China nicht anders zu helfen wusste als die Währung stark abzuwerten.

Die Realität sieht schlimmer aus, als es die Stimmung der Einkaufsmanager vermuten lässt. Die private Industrie befindet sich im größten Abschwung der jüngeren Geschichte. Sowohl Gewinne als auch Umsätze sind signifikant rückläufig (Grafik 2).

Die Industrie ist und bleibt eine wichtige Stütze der Wirtschaft. Das Wachstum, welches 2017 staatlichen Maßnahmen zu verdanken war, ist inzwischen wieder vollkommen verschwunden. Umsätze und Gewinne sind wieder auf dem Level, bevor die Regierung eingegriffen hat.

Die Gewinne halten sich derzeit noch besser als die Umsätze. Ewig wird das nicht möglich sein. Hinzu kommt, dass Unternehmen bekanntlich hoch verschuldet sind. Die Schrumpfkur ist schon deswegen bedenklich. Zweifel an der Schuldentragfähigkeit dürfen gar nicht erst aufkommen.

Der Abschwung ist heute stärker ausgeprägt als 2015. Chinas Volkswirtschaft wächst zwar noch, aber das nutzt der Industrie wenig. Stagnierendes Wachstum reicht nicht, um die Gewinne stabil zu halten.

Das hat auch mit der Neuausrichtung der Wirtschaft zu tun, die weg von der Industrie zum Konsum soll. Die Schulden befinden sich aber auf der Bilanz der Industrieunternehmen. Der Wandel darf nicht zu schnell stattfinden.

So wie sich die Lage derzeit darstellt, droht Peking die Kontrolle über die Wirtschaft zu verlieren. Hier kann nur ein Konjunkturprogramm helfen. Einen ersten Ansatz gibt es. So wurden die Steuern auf Autos gesenkt, was die Verkäufe ankurbeln soll. Das alleine reicht nicht. Peking muss jetzt entschlossener gegensteuern, um das Ruder herumzureißen. Das ist auch für Deutschland sehr wichtig. Ohne China gibt es kaum Chancen auf solides Wachstum.