Globaler Überblick: Setzt sich der Kursaufschwung fort oder haben wir zuletzt lediglich eine kräftige Bärenmarkt-Rally gesehen? Es gibt gute Argumente für beide Szenarien. Und dem US-Dollar dürfte einmal mehr eine Schlüsselrolle zukommen.

Was EM-Aktien angeht, so sprechen Bewertungsniveaus und wirtschaftliches Wachstumspotential langfristig weiterhin für sie. Die Staatsanleihen vieler – aber natürlich nicht aller – Schwellenländer bieten deutlich vorteilhaftere Risiko-Ertrags-Profile als jene der allermeisten entwickelten Märkte.

China:
Massive fiskalische und geldpolitische Stimuli sind auf dem Weg und könnten sich bis Ende 2020 auf rund 15 % der jährlichen Wirtschaftsleistung summieren. Eine kräftige Erholung in den kommenden Monaten ist daher überaus wahrscheinlich. Der Konflikt mit den USA bleibt unterdessen ein latenter Risikofaktor.

Indien: Für das aktuelle, im März 2021 endende Fiskaljahr wird ein Schrumpfen der indischen Wirtschaft erwartet. Bereits vor COVID-19 lag der jährliche Budget-Fehlbetrag zuletzt bei 4,5 % des BIP. Und Anfang Juni stufte Moody‘s erstmals seit 22 Jahren Indiens Kreditwürdigkeit herab.

Brasilien: Konsum und Industrieproduktion sind massiv eingebrochen und zeigen bislang kaum Tendenzen einer Besserung. Und der fiskalische Spielraum (u.a. zur Finanzierung des Corona-Sonderbudgets) ist angesichts des auch schon vor COVID-19 dramatischen Verschuldungstrends sehr begrenzt.

Russland: Der sich erholende Ölpreis unterstützt Aktienmarkt und Ökonomie. Doch die Wirtschaft dürfte 2020 voraussichtlich deutlich schrumpfen (u.a. wg. der Lockdowns). Doch in Moskau möchte man mit einem großen Konjunkturprogramm gegensteuern (Gesamtvolumen: rund 107 Mrd- US-Dollar). Z.B. sollen KMUs unterstützt werden, und neben finanziellen sind auch strukturelle Maßnahmen geplant (u.a. Flexibilisierungen am Arbeitsmarkt, neuer stündlicher Mindestlohn).

Türkei: Analysten erwarten für 2020 im Schnitt einen Rückgang des BIP um 3,5 %. Mit einem ambitionierten Kreditvergabeprogramm will der Staat die Konjunktur ankurbeln. Analysten sehen in der COVID-19-Pandemie eine zusätzliche langfristige Chance für die Türkei. Sie könnte z.B. zum neuen Standort für Produktionskapazitäten werden, die aus China und anderen asiatischen Ländern abgezogen werden.

CE3 (Polen, Tschechien, Ungarn): Bei Einzelhandel und Industrieproduktion verzeichneten jüngst alle drei Länder – wenig überraschend – starke Einbrüche. Stimmungsindikatoren deuten aber bereits auf eine beginnende Erholung hin.