Die große Angst

Die Datenlage ist undurchsichtig. Oftmals ist nicht klar wie schlimm die Lage wirklich ist. Ganz vorne mit dabei ist China. Hier kann man nur erahnen wie es um die Wirtschaft bestellt ist. Die Daten sind nicht gut, aber sie sind auch nicht wirklich schlecht. Trotzdem drängen sich Befürchtungen auf.

Anleger schwanken aufgrund der Möglichkeit eines weltweiten Konjunktureinbruchs zwischen Panik und Kaufbereitschaft. Letzteres wird vor allem durch die USA unterstützt. Die Wirtschaftsdaten sind solide und die Notenbank hält an ihrem Kurs fest. Wenn die Notenbank eine Zinserhöhung immer noch durchziehen will, dann kann es um die Wirtschaft so schlecht nicht bestellt sein.

Der US Wirtschaft geht es tatsächlich relativ gut. Das beruhigt Anleger allerdings nur bedingt, denn sollte Chinas Wirtschaft wirklich in eine Rezession stürzen, dann wird sich das früher oder später auf alle Märkte auswirken. Es ist allerdings nicht nur die chinesische Konjunktur an sich, sondern auch die mögliche Reaktion der Regierung, die Anleger verunsichert. Keiner kann einschätzen, was Peking bereit ist zu tun.

Die Befürchtungen sind dahingehend, dass Peking nicht einfach ein Konjunkturpaket auflegt sondern vielmehr auf Kosten anderer die Wirtschaft beleben will. Dazu würde eine deutliche Abwertung der Währung zählen. Bereits die Abwertung von 4% im August hat zu Panikverkäufen geführt. Was machen die Märkte erst, wenn die Abwertung 10% beträgt?

Persönlich gehe ich nach wie vor nicht davon aus, dass die chinesische Führung in einer Panikreaktion die ganze Welt ins Chaos stürzt. Das geben die Daten einfach nicht her. Daten aus China sind zwar nur bedingt verlässlich, dafür aber kann man sich auf Daten aus Ländern wie Australien verlassen.


Australien kann beruhigen

Australische Wirtschaftsdaten sind äußerst wichtig, weil China der mit Abstand wichtigste Handelspartner Australiens ist. Schwächt sich Chinas Wirtschaft ab, dann ist Australien eines der ersten Länder, die das zu spüren bekommen. Ein Drittel der Exporte geht nach China.

Grafik 1 zeigt Australiens Exporte und Importe. Im Vergleich dazu sind auch die privaten Konsumausgaben abgebildet, um die Bedeutung des Handels sichtbar zu machen. Die australische Wirtschaft ist zu 55% vom Privatkonsum abhängig. 20% macht der Handel aus.

Australien selbst geht es nach wie vor gut. Der Privatkonsum steigt und mit ihm die Importe. Die Exporte hingegen schwächen sich ab. Im zweiten Quartal 2015 gaben die Exporte von 80 Mrd. auf 78,9 Mrd. nach. Das bisherige zyklische Hoch wurde im ersten Quartal 2014 erreicht. Damals lagen die Exporte bei 85,3 Mrd.

Der Rückgang beträgt seit dem Hoch 7,5%. Im gleichen Zeitraum gaben Rohstoffpreise um ungefähr ein Viertel nach. Da Australien vor allem Rohstoffe exportiert machen sich Preisrückgänge schnell bemerkbar. Im gleichen Zeitraum gab auch der australische Dollar nach. Unterm Strich sind die Produktions- und Exportmengen nach wie vor steigend.

Die steigenden Exportmengen helfen der Wirtschaft wenig, wenn die Preise schneller fallen als die Mengen steigen können. Genau das passiert derzeit allerorten. Für Australien hat das den Effekt wie er in Grafik 2 dargestellt ist. Zu sehen ist das Wirtschaftswachstum auf Quartalsbasis sowie die Terms of Trade (Realaustauschverhältnis). Im Kern zeigen die ToT, dass Australien für die Mengen, die es exportiert, weniger importieren kann, weil die Exporte weniger wert sind. Das liegt vor allem an der Rohstoffpreisentwicklung.

Die Zeitreihe des Wachstums und der Veränderung der ToT zeigen, dass für Australien das schlimmste schon vorbei sein könnte. Die ToT verbesserten sich im zweiten Quartal 2015 wieder ein wenig, obwohl der Preisdruck bei Rohstoffen nach wie vor vorhanden war. Im Einzelfall scheint ein Boden gefunden worden zu sein. Preise für australische Kohle fallen nicht mehr. Ebenso sind die Preise für Gas einigermaßen stabil.

Würden sich die Befürchtungen einiger Beobachter bestätigen und Chinas Wirtschaft in diesen Moment ins Bodenlose stürzen, dann sähen die Zahlen für Australien ganz anders aus. Insbesondere müssten die ToT unvermindert weiter sinken.

Dass die Lage nicht so dramatisch sein kann, zeigen auch die operativen Überschüsse australischer Unternehmen. Grafik 3 zeigt die Überschüsse für die Finanzindustrie und alle anderen Branchen. Die operativen Überschüsse stagnieren seit 2011. Das ist dem Preistrend bei Rohstoffen geschuldet. Wenn die Ergebnisse der Rohstoffunternehmen sinken, die Lage aber insgesamt stabil bleibt, dann müssen alle anderen Sektoren entsprechend wachsen.

Das Rohstoffproblem scheint relativ isoliert zu sein. Es greift nicht auf andere Sektoren über. Australier konsumieren nach wie vor mit großer Freude wie die Daten in Grafik 1 zeigen. Geleichzeitig sind Unternehmen nicht gerade zurückhaltend, wenn es um Investitionen geht.
Grafik 4 zeigt die Bruttoanlageinvestitionen aller Sektoren. Seit 2011 zeigt sich auch hier eine Stagnation. Das liegt daran, dass Rohstoffunternehmen ihre Investitionen teils um ein Drittel oder gar 50% gekürzt haben. Alle anderen Sektoren sind nach wie vor auf Expansionskurs.

Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist zeigt die zweite Datenreihe in Grafik 4. Australier sparen wenig. Gleiches gilt für Unternehmen und den Staat. Parallel zu einer geringen Sparquote werden Schuldenberge angehäuft. Das verringert die Investitionskraft in der Zukunft. Zurückzuführen ist das auf ein spezifisch australisches Problem. Der Häusermarkt boomt. Genauer gesagt: der Häusermarkt ist in einer offensichtlichen Blase. Die letzte Grafik zeigt die Entwicklung der Immobilienpreise in den größten Städten. Seit 2003 lag der geringste Preiszuwachs bei 50% in Canberra. In Darwin legten die Preise 170% zu. Das ist zu viel und zu schnell.

Platzt die australische Immobilienblase, dann wird die gesamte Wirtschaft mit nach unten gerissen. Das hat wenig mit China zu tun. Die Daten, die mit China in Zusammenhang stehen, sind in Ordnung und deuten nicht darauf hin, dass China gerade über die Klippe fällt.