Die Key-Facts:

Globaler Überblick: Trotz rückläufiger Kursschwankungen sind die Unwägbarkeiten für Weltwirtschaft und Unternehmensgewinne weiterhin extrem hoch. Das gilt selbst für den optimistischen Fall eines raschen Abklingens der COVID-19 Pandemie. Für Entwarnung ist es speziell bei den Aktien noch zu früh. Spielraum für fiskalische und monetäre Unterstützungen könnten die ölexportierenden Staaten besonders dringend gebrauchen, nachdem die Ölpreise in den letzten Wochen zeitweise in den freien Fall übergingen. Interessant wird in diesem Zsh. die weitere Entwicklung des Goldpreises als faktisch einziger Währung sein, in der monetäre und fiskalische Maßnahmen nicht erfolgen. Zumindest für die kommenden 12 bis 18 Monate sind eher disinflationäre oder deflationäre Entwicklungen in den meisten Regionen zu erwarten.

China:
Das Land ist nach dem Angebotsschock im Zuge des eigenen Lockdowns jetzt mit einem Nachfrageschock durch die Corona-Gegenmaßnahmen im Ausland konfrontiert. Entsprechend kräftig sind die Lagerbestände gestiegen und es bleibt abzuwarten, wie rasch diese abgebaut werden können. Derweil setzen Regierung und Notenbank auf weitere fiskalische und monetäre Stimuli, allerdings noch immer recht dosiert. Das dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen. Sofern es keine neuen Störfeuer von der Pandemie gibt, spricht das für eine zumindest schrittweise wirtschaftliche Erholung in China und in der Welt im zweiten Halbjahr.

Indien: Durch die Lockdown-Maßnahmen sind einhundert Millionen Jobs zeitweise oder dauerhaft weggefallen, und die Existenzgrundlage großer Teile der Bevölkerung ist vernichtet oder droht vernichtet zu werden. Kurz vor Redaktionsschluss kündigte die indische Regierung daher ein umgerechnet rund 270 Mrd. Dollar (fast 10 % des BIP) schweres Hilfsprogramm an, um v.a. KMU und untere Einkommensgruppen zu unterstützen.

Brasilien: Mit dem weltwirtschaftlichen Einbruch droht nun der Staatsbankrott oder zumindest eine weitere massive Währungsabwertung – bzw. beides. Präsident Bolsonaro sieht sich nun einem drohenden Amtsenthebungsverfahren gegenüber und kämpft ums politische Überleben.

Russland: Der Ölpreisrückgang setzt der Wirtschaft stark zu. In weiterer Folge vereinbarten die OPEC, Russland und weitere Ölexporteure drastische Kürzungen bei der Ölproduktion. Diese werden aber erst nach und nach greifen. Statt wie eigentlich geplant für Infrastrukturinvestitionen und Armutsabbau werden die Mittel aus dem staatlichen Reservefonds nun wohl bis auf Weiteres vor allem dafür benötigt, Budgetlöcher zu stopfen und die gröbsten wirtschaftlichen Schäden der Pandemie abzufedern.

Türkei: Wie nahezu überall gibt es Zinssenkungen und Staatshilfen. Unterstützend für die Türkei ist sicherlich der stark gesunkene Ölpreis. Gleichwohl bleibt die Türkei sehr anfällig aufgrund der unverändert hohen Abhängigkeit von ausländischem Kapital. Durch den hohen Anteil des Tourismus in der türkischen Volkswirtschaft würde eine anhaltende Pandemie die Türkei wirtschaftlich natürlich besonders hart treffen.

CE3 (Polen, Tschechien, Ungarn): Derzeit wird für die Region ein wirtschaftlicher Einbruch von rund fünf Prozent für 2020 erwartet, vergleichbar mit der globalen Finanzkrise von 2008/2009. Eine rasche Erholung soll diesen Rückschlag aber schon 2021/2022 wieder aufholen, wobei natürlich auch hinter dieser Erwartung Fragezeichen stehen.