Peking (Godmode-Trader.de) - Der Leiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte bereits, dass Chinas Null-Covid-Strategie nicht in der Lage sei, die Corona-Pandemie wirksam und nachhaltig einzudämmen. Außerdem seien die Kosten der Abriegelungsstrategie Chinas für die Wirtschaft des Landes zu hoch. Noch denkt die chinesische Führung unter Xi Jinping nicht daran, allen wirtschaftlichen Auswirkungen zum Trotz, die Zero-Covid-Strategie aufzugeben. Im Gegenteil: Xi hat seine Landsleute beim „Boao Forum for Asia“ eher auf weitere Opfer eingestellt, an einer Abkehr der bisherigen Corona-Politik scheint er nicht interessiert.

Die April-Daten für Chinas Konjunktur fielen entsprechend schwach aus. Bei wichtigen Indikatoren, wie Anlageinvestitionen, Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen hat sich das Wachstum entweder verlangsamt oder die Werte sind im Vergleich zum Vormonat sogar gefallen. Die Rückgänge waren angesichts der Lockdowns in China aber erwartet worden. Die Aussichten für die kommenden Monate erscheinen für das Verarbeitende Gewerbe Chinas bestenfalls durchwachsen. Die viel beachteten Einkaufsmanagerindizes signalisieren einen weiteren Schrumpfungsprozess.

Die Zentralbank in Peking schritt angesichts des negativen Trends nun zur Tat und versucht mit einer Zinssenkung zumindest die Nachfrage auf dem gebeutelten, aber so wichtigen Immobilienmarkt zu stützen. So senkte die PBoC den Leitzins für langfristige Kredite um mehr als die erwarteten 15 Basispunkte (nämlich um 20 Basispunkte). Der Immobiliensektor hat acht Monate in Folge einen Rückgang der Preise verzeichnet, und die Bauträger stehen unter extremem Druck. Experten warnen, dass der Schritt verpufft, wie bereits einige vor ihm. „Vom Umfang her ist die Reduktion des Zinssatzes jedoch zu gering, um die coronabedingten Einbußen des Marktes zu kompensieren“, heißt es von der Hamburg Commercial Bank. Fraglich bleibe, ob beherztere Zinsschritte folgten. Es bleibe noch die wiederholt angekündigte Infrastruktur-Kampagne, dessen Umfang bis heute nicht offiziell bekannt gegeben worden sei. „All diese Fragezeichen nähren die Annahme, dass ohne die Abkehr von der Null-Covid-Strategie eine nachhaltige Erholung der chinesischen Nachfrage unwahrscheinlich ist.“