Es ist scheinbar eine weitere Hiobsbotschaft aus dem Reich der Mitte: Die chinesische Wirtschaft ist im Jahr 2018 nur um 6,6 Prozent gewachsen und damit so schwach wie seit dem Jahr 1990 nicht mehr. Noch schwächer präsentierte sich die chinesische Wirtschaft im Schlussquartal 2018: Die Wirtschaftsleistung erhöhte sich im vierten Quartal nur noch mit einer Jahresrate von 6,4 Prozent, womit das schwächste Einzelquartal seit dem ersten Quartal 2009 verzeichnet wurde. Der Handelskonflikt mit den USA beginnt offenbar, spürbare Auswirkungen auf die Realwirtschaft zu haben.

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    Die Frage des chinesischen Wachstums ist deshalb so wichtig, weil das Land seit der Finanzkrise die wichtigste Wachstumslokomotive der Weltwirtschaft war. Als Anleger sollte man dennoch keine allzu große Angst vor einer weiteren Abschwächung des chinesischen Wachstums haben. Zum einen dürften diese Sorgen schon zu einem ganz erheblichen Teil in den Kursen enthalten, also "eingepreist" sein. Das gilt auch für den Handelskonflikt zwischen den USA und China, bei dem beiden Seiten bei rationaler Betrachtung eigentlich ein großes Interesse an einer baldigen Einigung haben müssten. Zum anderen bleibt China auch mit den schwächeren Wachstumsraten ganz klar eine der Wachstumslokomotiven der Weltwirtschaft. Auch mit den aktuellen Wachstumsraten ist das Wachstum der chinesischen Wirtschaft noch um ein Vielfaches höher als das Wachstum der westlichen Industriestaaten. Obwohl immer wieder Zweifel an der Verlässlichkeit der chinesischen Konjunkturdaten laut werden, dürfte das relativ sicher sein.

    Die an den festlandchinesischen Börsen Shanghai und Shenzhen notierten Aktien haben in den vergangenen Jahren bereits deutlich an Wert verloren. Das zeigt ein Blick auf den Xtrackers CSI300 Swap UCITS ETF (WKN: DBX0M2), der die Wertentwicklung der wichtigsten an den festlandchinesischen Börsen notierten Aktien abbildet. Nach einem im Jahr 2015 erreichten Hoch brachen die Kurse auf Euro-Basis zeitweise um mehr als die Hälfte ein und notieren aktuell rund 40 Prozent unter dem damals erreichten Rekordniveau.

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    Xtrackers CSI300 Swap UCITS ETF

    Paradoxerweise könnte die jüngste Wachstumsabschwächung damit eine gute Einstiegschance am chinesischen Aktienmarkt bieten. Auf fundamentaler Basis gehört der chinesische Aktienmarkt ohnehin weltweit zu den günstigsten Märkten. Nach einer Aufstellung des Vermögensverwalters Star Capital ist der chinesische Aktienmarkt gemessen an fundamentalen Kennzahlen wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) und der Dividendenrendite aktuell der siebtgünstigste Aktienmarkt der Welt. Noch günstigere Bewertungen sind aktuell nur in Russland, der Türkei, einigen osteuropäischen Ländern sowie Singapur zu verzeichnen.

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    Quelle: www.starcapital.de

    Der Blick auf die Charts wichtiger chinesischer Indizes scheint außerdem eine mögliche Bodenbildung anzudeuten. Der Xtrackers CSI300 Swap UCITS ETF (WKN: DBX0M2) scheint auf Euro-Basis im Bereich zwischen 7,50 EUR und 8,00 EUR relativ gut unterstützt zu sein, wie ein Blick auf den obigen Chart zeigt.

    Fazit: Trotz der jüngsten Wachstumsabschwächung könnte sich der chinesische Aktienmarkt aktuell für einen Einstieg anbieten. Das schwächelnde Wachstum dürfte zu einem erheblichen Teil bereits in den Kursen enthalten ("eingepreist") sein. Gleiches gilt für den Handelskonflikt mit den USA, bei dem beide Seiten eigentlich ein großes Interesse an einer baldigen Einigung haben müssten. Die günstigen Bewertungen und eine mögliche charttechnische Bodenbildung lassen die Aussichten für chinesische Aktien aktuell zudem relativ positiv erscheinen.


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