Anleger konnten in den vergangenen zwei Wochen zwei Neuigkeiten besonders feiern. Vergangene Woche war es der US-Arbeitsmarktbericht. Eine Woche zuvor der Einkaufsmanagerindex aus China. Dieser schob sich wieder über die Marke von 50, die als Expansionsschwelle gilt.


Chinas Industrie gibt also wieder Gas, nachdem es ein Jahr lang bergab ging. Da kommt Feierlaune auf, denn China bleibt nun einmal die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. China exportiert zwar viel, importiert inzwischen aber fast genauso viel. Eine Verlangsamung in China kommt auch bei uns an.

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Insofern ist es erfreulich, dass es erste Anzeichen einer Erholung gibt. Auch für die Regierung ist das von größter Bedeutung. Sie hat die Steuern gesenkt und Investitionen angeschoben. Das Konjunkturprogramm ist eines der größten der Geschichte des Landes. Würde da die Industrie nicht anspringen, müsste man die Füße in die Hand nehmen.

Mit dem Anspringen ist das allerdings so eine Sache. Der Einkaufsmanagerindex spiegelt die Stimmung in der Industrie wider. Stimmung ist, was es ist: eine Laune. Diese kann im kommenden Monat wieder anders sein. Tendenziell liegen die Einkaufsmanager mit ihrer Einschätzung aber nicht schlecht.

Was bisher fehlt, das sind harte Fakten. Diese sprechen bisher noch eine andere Sprache. Die monatlichen Autoverkäufe befinden sich nach wie vor im freien Fall (Grafik 2), obwohl die Regierung hier extra Anreize geschaffen hat. Der Automarkt ist noch nicht über den Berg.

Der anhaltende Rückgang gibt zu denken, zumal Chinas Automarkt noch lange nicht gesättigt ist. Im Durchschnitt besitzen 1.000 Chinesen 180 Autos. In Mexiko sind es knapp 300. Dabei ist das Pro-Kopf-Einkommen vergleichbar. In Industrieländern sind es meist zwischen 550 und 800 Autos pro 1.000 Einwohner. Es gibt noch viel Luft nach oben und eine Marktsättigung ist ganz offensichtlich nicht der Grund für die einbrechenden Verkäufe.

Laufen die Geschäfte nicht so gut, ist Vorsicht verständlich. Ein neues Auto kann notfalls auch noch warten. Doch auch günstigere Investitionen zeigen keine Anzeichen der Besserung. Der Smartphonemarkt schrumpfte zuletzt um 20 % gegenüber dem Vorjahr (Grafik 3).

Die Smartphoneverkälufe sind schon seit zwei Jahren auf dem Rückzug und spiegeln den Abschwung sehr gut wider. Hier gibt es keine Entwarnung. Das muss kein Widerspruch zum besseren Einkaufsmanagerindex sein. Es ist durchaus denkbar, dass sich die Industrie erholt (staatlichen Investitionen zu verdanken) und der Konsum weiter schwächelt.

China ist damit noch nicht eindeutig über den Berg. Immerhin zeigt sich eine Stabilisierung. Ob das langfristig reicht, sei dahingestellt.