Die US-Daten sind einigermaßen erfreulich. Das Wachstum lag im Schlussquartal 2018 mit 2,6 % über den Erwartungen. Das Gesamtjahr brachte ein Wachstum von 2,9 % hervor. Das ist etwas unterhalb der magischen Marke von 3 %, die von der Trump-Administration angepeilt wurde, aber die Daten sind auch noch nicht final. Es könnte eine Revision nach oben (oder unten) geben.

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An der Börse wird das nicht gefeiert, obwohl es eigentlich gute Neuigkeiten sind. Das Problem an der Neuigkeit ist, dass es eher eine Nachricht ist. Das vierte Quartal ist lange vorüber. Das erste Quartal 2019 ist schon zu zwei Dritteln überstanden. Es hilft wenig, wenn das Wachstum im Rückspiegel gut aussieht. Was zählt, das ist die Zukunft.

Die Zukunft sieht weiter unsicher aus. Das liegt vor allem an China, das sich immer weiter abschwächt. Mit der Veröffentlichung des Einkaufsmanagerindex und seiner Komponenten wurde Anlegern ein Schreck eingejagt.

Der Gesamtindex liegt mit 49,2 Punkten das dritte Mal in Folge unterhalb der Marke von 50, die Expansion von Kontraktion trennt. Ganz so strikt ist die Sache allerdings nicht. Auf mysteriöse Weise konnte China in der Vergangenheit auch bei Werten von 48 oder sogar 45 wachsen.

Das macht die Sache kaum besser, da alle wissen, dass die offiziellen Wachstumszahlen geglättet werden. Derzeit sind alle wichtigen Komponenten unterhalb der Marke von 50 Punkten (siehe Grafik). Das ist das erste Mal seit 2009.

Die Entwicklung hat also Gewicht. Während der letzten Abkühlung 2015/16 konnten sich zumindest einige Komponenten besser halten. Die Lage ist also ziemlich ernst. Sie ist auch vor allem deswegen ernst, weil die Regierung bereits viel getan hat, um die Wirtschaft anzukurbeln.

2018 wurden bereits Steuern gesenkt. 2019 geht es damit munter weiter. Auch die Kreditvergabe an kleinere und mittlere Unternehmen wurde verbessert und der Staat versucht wieder mehr in Infrastruktur zu investieren. Bisher hat das alles nicht viel geholfen. Die Wirtschaft kühlt immer noch ab.

China muss sich wirklich anstrengen, um eine harte Landung zu vermeiden. Das ist für den Rest der Welt von großer Bedeutung. China exportiert zwar mehr in die USA als es von dort importiert, dafür importiert es aus dem Rest der Welt mehr als es dorthin exportiert. Eine schwache chinesische Binnenkonjunktur kommt überall an, vor allem in Exportnationen wie Deutschland.

Die Probleme Chinas sind größer als gedacht und insbesondere auch beharrlicher. In der Vergangenheit hätte ein Maßnahmenpaket wie das jetzige die Wirtschaft sofort in Schwung gebracht. Davon ist derzeit nichts zu spüren. Ein schneller Rebound des globalen Wachstums wird damit immer unwahrscheinlicher.

Clemens Schmale

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