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Zum Ende des ersten Quartals gab es für China einen Befreiungsschlag. Die Industrieproduktion schnellte nach oben. Gegenüber dem Vorjahr stieg sie um 8,5 %, nachdem sie zuvor monatelang bei gut 5 % lag. Der Anstieg im März war eine willkommene Überraschung. Sie war aber kurzweilig.

Schon im April ging es wieder nach unten. Die Produktion wächst immer noch, jedoch deutlich langsamer. Sie erreicht wieder 5 % (Grafik 1). Der Rebound war schön und stattlich, aber eben sehr kurz. Vor allem war er nicht nachhaltig.

Das alles wäre kein Beinbruch, wenn da nicht der Konsum wäre. Dieser soll die exportlastige Wirtschaft weiter nach vorne bringen. Das gelingt derzeit nicht. Der Einzelhandelsumsatz ist ein guter Gradmesser für den Konsum. Das Wachstum der Umsätze erreicht den tiefsten Stand seit 2003 (Grafik 2).

Den vom Konsum getriebenen Aufschwung gibt es nicht. Die Industrieproduktion ist ebenfalls schwach. Was bleibt da noch? Es bleiben die Exporte. Da China vor allem Güter exportiert, ist beim mauen Wachstum der Industrieproduktion klar, dass auch hier wenig Rückendeckung zu erwarten ist.

Seit Ende 2018 stagnieren die Exporte. In einzelnen Monaten konnten sie zulegen, dafür schrumpften sie in anderen Monaten. Ganz besonders sticht eine Datenreihe hervor: die Exporte in die USA (Grafik 3). Diese sind besonders schwach. Es scheint so, als ob die Zölle nun wirken würden und die USA tatsächlich weniger aus China importieren.

Ob das auf die Zölle zurückzuführen ist, kann man nicht mit Sicherheit sagen. Auch die US-Wirtschaft kühlt sich ab. Wirklich bedenklich ist aber, dass das Handelsbilanzdefizit nicht schrumpft. China exportiert nicht nur weniger in die USA. Es importiert auch weniger. Unterm Strich verbessert sich die Handelsbilanz nicht.

Die USA verfehlen damit ihr Ziel und China muss gegen eine lahmende Binnenkonjunktur kämpfen, ohne auf Exporte hoffen zu können. Das macht den Rebound schwierig. Dass der Rebound nicht so recht funktioniert, ist ohnehin bedenklich. Peking hat die Steuern radikal gesenkt, um den Konsum anzukurbeln. Davon ist überhaupt nichts zu sehen.

Das Konsumwachstum schwächt sich weiterhin ab und liegt im Trend der letzten Jahre. Das muss man sich einmal vorstellen. Trotz enormer Steuersenkungen gibt es keinen Trendwechsel. Auch das Öffnen der Kreditschleusen hat bisher wenig gebracht. Chinas wirtschaftlicher Karren steckt fest. Weder das Schmiermittel Kredit noch das Zugpferd Steuersenkungen konnten ihn bisher befreien.

Solange damit die Wachstumsabschwächung unter Kontrolle gehalten werden kann, ist alles in Ordnung. Mehr scheinen die Maßnahmen auch nicht bewirken zu können. Wirklich kritisch wird es erst, wenn der Abwärtstrend außer Kontrolle gerät. Die gute Nachricht ist, dass das aktuell nicht zur Debatte steht.