Peking/ London (Godmode-Trader.de) - Das kann sich sehen lassen und sorgte heute an den Börsen für Erleichterung: Nachdem die Exporte Chinas in den ersten beiden Monaten des Jahres stark zurückgegangen waren, erholten sie sich im April zum zweiten Mal in Folge, wobei das Wachstum im Jahresvergleich in US-Dollar bei plus 3,5 Prozent lag. In saisonbereinigter Rechnung erreichten die Ausfuhren somit wieder das Niveau von Ende letzten Jahres.

Es scheint allerdings wahrscheinlich, dass der Auftragsbestand aus der Zeit, bevor die Fabriken im ersten Quartal geschlossen wurden, die Handelsdaten im vergangenen Monat gestützt hat. Marktbeobachter sind der Meinung, dass es sich bei den hohen Ausfuhren vor allem in Nachbarländer Chinas in erster Linie um aufgestaute Aufträge aus dem ersten Quartal gehandelt hat. Diese Stütze dürfte verblassen, da die Exporteure nicht von der scharfen Verlangsamung der weltweiten Aktivitäten verschont bleiben dürften. Die koreanischen Exporte, ein zeitgemäßer Indikator für die globale Nachfrage, brachen im April um 24 Prozent ein - der stärkste Rückgang seit 11 Jahren.

Selbst in China, wo die meisten Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19 im März wieder gelockert wurden, verlief die Erholung langsam, und die meisten Indikatoren deuten darauf hin, dass die Wirtschaft im Jahresvergleich immer noch schrumpft. Diese anhaltende Schwäche zeigt sich in den Daten zu den Importen, die im April um 14,2 Prozent im Jahresvergleich zurückgegangen sind. Die Einfuhrdaten zeigten sich sich im ersten Quartal zunächst robust und gingen trotz eines BIP-Rückgangs von 6,8 Prozent im Jahresvergleich nur um 2,9 Prozent zurück. Dies führte jedoch zu einem starken Anstieg der Lagerbestände an importierten Materialien, und so ist es nicht überraschend, dass die Importeure nun ihre Bestellungen zurückfahren.

Unterm Strich steht somit das Schlimmste für den chinesischen Handel noch bevor. Die drastische Verschlechterung der Aktivität bei den wichtigsten Handelspartnern Chinas im vergangenen Monat wird sich zwangsläufig auf die Außenhandelsdaten im Mai auswirken. In der Zwischenzeit sollte die US-Drohung mit zusätzlichen US-Zöllen auf chinesische Waren seitens Präsident Trump im Blick behalten werden, da durchaus eine Wahrscheinlichkeit dafür besteht, dass das Handelsabkommen der "ersten Phase" bald auseinanderfällt.