London (GodmodeTrader.de) - Es wirkt wie ein Déjà-vu: Nach einem deutlichen Rückgang der Wirtschaftsaktivität setzt die chinesische Führungsriege einen deutlichen Impuls und leitet damit die Erholung der Wirtschaftstätigkeit ein – die Weltwirtschaft erhält dadurch einen dringend benötigten Schub, wie Magdalena Polan, Senior Economist bei Legal & General Investment Management (LGIM), in einem aktuellen Marktkommentar schreibt. Polan ist jedoch der Meinung: „Nicht jede Erholung Chinas und seine Auswirkungen auf den Rest der Welt wird dem gleichen alten Skript folgen.“

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Für diese Annahme hat die Expertin mehrere Gründe. Erstens sei der Wachstumsimpuls auf mehr als nur den Leverage-Effekt zurückzuführen. „Zwar haben die Behörden die Geldhähne wieder geöffnet und das Kreditwachstum angekurbelt. Hinter diesem Stimulus steckt aber mehr als ein weiterer Infrastruktur- und Investitionsschub.“ Denn die Regierung senke darüber hinaus auch die Steuern – vor allem auf Konsumgüter. „Infolgedessen beschleunigt sich der Übergang vom investitions- zum konsumgetriebenen Wachstum, da sich die chinesischen Importe weg von Rohstoffen hin zu Konsümgütern bewegen“, sagt Polan. Mehr Geld in den Taschen der chinesischen Verbraucher bedeute zudem mehr Ausgaben für Dienstleistungen, die allgemeinhin jedoch weniger handelbar seien.

Zweitens veränderten sich die Strukturen des globalen Handels, da die Integration von Handelspartnern innerhalb der Regionen zunehme, während die Beteiligung von abgelegenen Lieferanten an globalen Produktionsketten schrumpfe. „Dieser Impuls wird sich also nicht nur auf die globalen Rohstoffpreise und auf die rohstoffexportierenden Schwellenländer auswirken, sondern auch zu einer relativen Verschiebung der chinesischen Nachfrage hin zu regionalen oder chinesischen Herstellern führen“, so Polan weiter.

Nichtsdestotrotz werde Chinas Anteil an der Weltwirtschaft weiterwachsen. „Eine Wachstumsrate von sechs Prozent ist natürlich weniger als zehn Prozent zu Hochzeiten – die Nachfrage aus China ist jedoch nach wie vor hoch und damit für die Weltschaft noch immer positiv“, sagt Polan. Das unterstreichen auch die Zahlen: Nur ein Prozent zusätzliches Wachstum beim chinesischen Bruttoinlandsprodukt tragen heutzutage mehr als 130 Milliarden US-Dollar zum globalen Bruttoinlandsprodukt bei – und damit so viel wie die Ukraine oder Ungarn. Vor einem Jahrzehnt noch waren es lediglich 50 Milliarden US-Dollar. „Für das globale Wachstum 2019 bedeutet das noch immer einen großen Schub und bessere Aussichten“, schließt die Expertin.