London/ Peking (Godmode-Trader.de) - Die chinesische Zentralbank PBoC erwägt angesichts der Coronavirus-Krise eine Senkung des Einlagensatzes. Es wäre die erste Zinssenkung für Einlagen seit 2015, berichtete die „Financial Times“ (FT) am Mittwoch. Ziel sei es, die heimischen Banken bei der Kreditvergabe zu entlasten, die im Rahmen der anlaufenden wirtschaftlichen Erholung eine wesentliche Rolle spielt. Der Schritt könnte innerhalb der kommenden Tage erfolgen, berichtet das Blatt unter Berufung auf informierte Personen.

Die Wirtschaft Chinas ist seit Beginn der Corona-Pandemie im Januar praktisch zum Stillstand gekommen. Aber die Reaktion der PBoC auf die Krise fiel im Vergleich zu den Bemühungen in den USA und Europa, wo die Zentralbanken Milliarden von Dollar zur Bekämpfung der drohenden globalen Rezession einsetzen, recht minimalistisch aus. Chinesische Banken wurden aber angehalten, die Wirtschaft anzukurbeln. Sie sollten Kredite auch an kriselnde Unternehmen vergeben, die Kreditzinsen senken und ihr Forderungsmanagement lockern. „Solche Maßnahmen könnten zwar wirksam sein, um den Unternehmen in den kommenden Monaten das Überleben zu ermöglichen, aber es wird auch erwartet, dass sie die Rentabilität der Banken im Jahr 2020 beeinträchtigen werden“, erklärt die FT das Dilemma.

Eine Senkung des Einlagenzinssatzes wiederum würde den Geschäftsbanken mehr Spielraum verschaffen, da die Spanne zwischen der Spar- und Kreditzinsen (Marge) ausgeweitet wird. Wird der Satz also reduziert, bedeutet das unterm Strich eine finanzielle Entlastung für die Banken. Eine Senkung des Benchmark-Sparzinses würde in erster Linie darauf abzielen, den Bankensektor zu stützen, und nicht darauf, den Konsum anzukurbeln, sagten mit den Überlegungen der PBoC vertraute Personen der Financial Times. „Der Hauptgrund ist, die Banken zur Kreditvergabe zu ermutigen, ohne ihre Margen zu schmälern", zitierte die Zeitung einen der Insider. „Es geht vor allem darum, die Banken zu schützen."

Die PBoC senkte den Zinssatz für Sichteinlagen, d.h. den Zinssatz, den sie für gewöhnliche Einlagen zahlt, zuletzt im Jahr 2012. Die Zinssätze für Termineinlagen, also Mittel, die für eine bestimmte Zeit gehalten werden, wurden zuletzt 2015 reduziert.

Eine weitere Absenkung des Einlagensatzes dürfte wahrscheinlich mit weiteren Senkungen der mittelfristigen Kreditfazilität der Zentralbank einhergehen, was den von den Banken am 20. jedes Monats angekündigten Leitzins für Benchmark-Kredite beeinflusst. Der LPR ist ein neuer, im letzten Jahr beschlossener Referenzkreditzins, der sich stärker am Markt orientieren soll. Seit Ausbruch der Coronavirus-Pandemie wurde der LPR nur einmal und nur um 10 Basispunkte auf 4,05 Prozent gesenkt. Die Zentralbank hat auch den Mindestreservesatz gesenkt, um mehr Kapital im Bankensystem freizusetzen.

Viele Analysten haben seit Längerem mit einer Senkung des Einlagensatzes gerechnet. China ist stark von den wirtschaftlichen Folgen der Virus-Ausbreitung betroffen. Nach einer Berechnung von Capital Economics wird das Bruttoinlandsprodukt in den ersten drei Monaten dieses Jahres voraussichtlich um etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorquartal schrumpfen.