China hat derzeit nicht nur mit einer schwächelnden Wirtschaft zu kämpfen. Als ein viel größeres Problem könnte sich die ausufernde Verschuldung herausstellen. Die Gesamtverschuldung des Landes (Staat, Provinzregierungen, Firmen und Privathaushalte) hat sich seit 2007 von 7,4 Billionen US-Dollar auf mehr als 28 Billionen US-Dollar fast vervierfacht. Schätzungen zufolge summieren sich allein die Firmenschulden auf 160 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) rechnet in diesem Zusammenhang mit zunehmenden Kreditausfällen.

Die China Construction Bank (CCB) musste bereits einräumen, dass die Risikovorsorge deutlich gestiegen ist. Man habe die Probleme aber im Griff. Wenn man den offiziellen Zahlen glauben darf, liegt der Anteil der faulen Kredite bei der Industrial and Commercial Bank of China und bei der Agricultural Bank of China bei 1,4% bzw. bei 1,8%. Im internationalen Vergleich stehen beide Institute damit recht gut da.

Helen Zhu vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock glaubt aber, dass die Gefahr, die von Chinas Banken ausgeht, deutlich größer ist, als die offiziellen Daten ahnen lassen. Sandra Heep vom Berliner China-Forschungsinstitut Merics geht davon aus, dass der Anteil der faulen Kredite bei rund 10 Prozent liegt. Das birgt Sprengstoff.

Alle wichtigen Banken gehören dem Staat. Die meisten ihrer Kredite haben die Institute an Staatsunternehmen vergeben. Wenn Kredite ausfallen sollten, kommt im Zweifelsfall also der Staat dafür auf, was die Verschuldung der Zentralregierung in die Höhe treiben würde. Noch versucht Peking, das Wachstum mit staatlichen Maßnahmen hoch zu halten. Das Wachstum auf Pump, stößt aber mehr und mehr an seine Grenzen.