Hamburg (Godmode-Trader.de) - Nach Ansicht des renommierten chinesischen Politikberaters Yan Xuetong werden sich die globalen Machtverhältnisse verändern, was mit dem Niedergang der USA seinen Anfang nehmen wird. Im Interview mit dem „Spiegel“ sagte Yan, weder schockiere ihn der Niedergang der USA, noch sei er überraschend, die wichtige Frage sei nur, wie er sich entfalte. „Das Vereinigte Königreich war für lange Zeit die führende Macht der Welt, und sein Niedergang war sehr langsam, er dauerte mehrere Jahrzehnte. (…) Ich denke, der Niedergang der USA wird nach dem Beispiel Großbritanniens ablaufen“, so Yan.

Die US-Außenpolitik habe keinerlei Glaubwürdigkeit mehr, Trump habe sie „völlig ruiniert“, so der Politprofi weiter. Trumps Unilateralismus bedeute, dass die USA die Interessen anderer Länder ignoriert haben, sogar die ihrer Verbündeten. „Wie kann man einem Land vertrauen, wenn man nie weiß, was es tun wird?“, fragt Yan. Die Präsidentschaftswahl, der Sturm auf das Kapitol und vor allem die Reaktion darauf hätten diesen Trend beschleunigt.

Mit Blick auf die Präsidentschaft Biden und das künftige Verhältnis der USA zu China gibt sich Yan Xuetong vorsichtig optimistisch. Er glaube nicht, dass Biden einen Isolationismus à la Trump betreiben werde, betonte er gegenüber dem „Spiegel“. Die Frage sei eben, wie viele Ressourcen er in die Außenpolitik investieren könne.

Ostasien werde aber der Schwerpunkt der US-Außenpolitik bleiben. „Trumps außenpolitisches Team bestand aus Laien ohne Fachkenntnisse, Bidens Team besteht ausschließlich aus Experten“. Sie wissen, dass der Wettbewerb zwischen China und den USA vor allem im Cyberspace stattfinde und nicht zu See, auf dem Land oder in der Luft. „China und die USA konkurrieren um digitale Überlegenheit und Marktanteile. Der digitale Markt in Ostasien ist bereits größer als in Europa, und die Digitaltechnologien konzentrieren sich in China, Japan und Südkorea. Diese drei Länder werden über die Wirtschaft der Zukunft bestimmen“.