Herr Griesemann, Sie wollen Compleo noch im Oktober an die Börse bringen, die Zeichnungsfrist läuft bereits. Warum haben Sie sich gerade jetzt zu diesem Schritt entschlossen?

Griesemann: Als führender deutscher Spezialanbieter von Ladelösungen für Elektrofahrzeuge wollen wir eine nachhaltige Mobilität ermöglichen, indem wir einen Beitrag zu einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur in Europa leisten. Sei es auf längeren Reisen oder für das Aufladen zu Hause, im Büro oder an öffentlichen Plätzen - mit unseren innovativen AC- und DC-Ladestationen, die wir im Portfolio haben oder aktuell entwickeln, können wir all diese unterschiedlichen Anwendungsfälle bedienen.

Mit dem Börsengang wollen wir Wachstumskapital einsammeln, da wir in Deutschland und Europa ein starkes Momentum sehen, von dem wir profitieren wollen. Der Markt für Ladeinfrastruktur ist an einem Punkt angekommen, an dem sich eine enorme Dynamik abzeichnet. Wir haben den politischen Willen, die Nachfrage nach Elektroautos nimmt stetig zu und auch die Autohersteller erweitern die Palette an E-Autos um zahlreiche Modelle. Und die Ladeinfrastruktur muss natürlich mit der Zahl der angemeldeten E-Autos mitwachsen. Derzeit gibt es in der EU rund 175.000 öffentliche Ladepunkte. Um die politischen Ziele der EU in Sachen Klimaschutz und Energiewende im Transportsektor zu erreichen, werden bis 2030 2,2 Millionen öffentliche Ladepunkte benötigt.

Diese Dynamik im Markt spiegelt sich auch in unserer aktuellen Umsatzentwicklung wider: Unser Umsatzniveau des Gesamtjahres 2019 von rund 15 Mio. EUR hatten wir 2020 nach bereits sechs Monaten nahezu erreicht. Als Pure-Play Anbieter von Ladelösungen sehen wir daher insgesamt für uns ausgezeichnete Wachstumsmöglichkeiten.

Welche Pläne haben Sie nach dem Börsengang?

Griesemann: Wir planen im Rahmen des Börsengangs eine Kapitalerhöhung mit einem Nettoemissionserlös von bis zu circa 50 Millionen Euro zur Finanzierung der Wachstumsstrategie. Die Mittel wollen wir in drei Bereichen investieren, um die aktuelle Marktsituation voll nutzen zu können.

Dazu gehört erstens unsere Expansionspläne durch den Aufbau von Vertrieb und Service im europäischen Ausland. Zweitens die Investition in Forschung und Entwicklung. In den vergangenen Jahren lag unsere F&E-Quote im Bereich zwischen 10 und 20 % des Umsatzes. Hier wollen wir weitermachen und unser Produktportfolio weiterentwickeln, um unseren technologischen Vorsprung zu stärken. Drittens möchten wir unsere Produktionskapazitäten erweitern. Wir rechnen mit einer weiterhin starken Wachstumsdynamik in den nächsten Jahren und planen deshalb einen neuen Standort in Dortmund aufzubauen.

Ihr Marktumfeld ist stark fragmentiert. Was unterscheidet Compleo vom Wettbewerb?

Griesemann: Compleo ist technologisch führend und verfügt in diesem noch recht jungen Markt über 11 Jahre Erfahrung. Wir sind also quasi seit dem Beginn der Elektromobilität mit dabei. Seither haben wir bereits 25.000 Ladepunkte installiert und verfügen über umfassendes Know-How in der Entwicklung, Produktion und Installation von Ladelösungen.

Dabei ist für uns seit Anfang an die technologische Innovation sehr wichtig und ein wichtiger Baustein für unseren Unternehmenserfolg. So hatten wir nicht nur die ersten Ladesäulen mit Kartenzahlung über EC-Karten im Angebot, sondern waren die ersten mit eichrechtskonformen Ladesäulen, sowohl AC als auch DC. Wir setzten Qualitätsstandards in der Branche und positionieren uns als Greentech fokussiert auf technisch fortschrittliche Ladelösungen. Durch diese klare strategische Positionierung grenzen wir uns von der großen Masse des Marktes ab.

Wer kauft denn Compleo-Ladesäulen?

Griesemann: Wir betreuen verschiedene Unternehmen mit ganz unterschiedlichen Anwendungsfällen, was sich auch in der Vielfältigkeit unseres Angebots widerspiegelt. Wir pflegen eine starke Basis mit „Blue-Chip“-Kunden wie der Deutschen Post, Siemens, Telekom oder einem führenden deutschen Automobilhersteller, Betreiberfirmen wie Allego und Clever sowie rund 150 Stadtwerken. Dies ist ein starker Kundenstamm – einige dieser Kunden kaufen seit vielen Jahren immer wieder bei uns.

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Compleo-Ladesäule für Elektrofahrzeuge

Sie bezeichnen sich selbst als Greentech und investieren viel in F&E. Was sind hier die nächsten Schritte?

Griesemann: Richtig, unser F&E-Fokus ist uns sehr wichtig und ein wahrer Wettbewerbsvorteil. Wir verfügen über 50 Patente, die auf uns angemeldet wurden.

Mit Blick auf unser bestehendes Produktportfolio beabsichtigen wir mit der AC- und DC-Ladetechnologie weiterzuentwickeln und zu erweitern. Aktuell arbeiten wir an einer neuen Generation unserer intelligenten Wallbox mit neuen Features wie beispielsweise zum Aufladen von Firmenwagen in Privathaushalten. Weiterhin wird die Produktpalette um eine DC 150 kW HPC-Ladestation erweitert, die speziell für das ultraschnelle Laden unterwegs konzipiert ist.

Sagen Sie noch ein paar Worte zum Angebot und der Aktionärsstruktur?

Griesemann: Gerne. Neben den 900.000 neuen Aktien aus der Kapitalerhöhung sollen 180.000 bestehende Aktien verkauft werden, bis zu 360.000 zusätzlich aus einer Aufstockungsoption und noch einmal bis zu 216.000 Aktien aus einer Mehrzuteilung. Inklusive der Altaktionäre kämen wir nach dem Börsengang auf 3.423.480 Aktien und, angenommen alle angebotenen Aktien inklusive Aufstockungsoption und Mehrzuteilung werden verkauft, auf 48 % Streubesitz. Alle Altaktionäre werden auch nach dem Börsengang weiterhin in Compleo investiert bleiben und haben ein Lock-Up Agreement über 12 Monate. Dazu gehören übrigens auch alle Mitglieder des Managements und der Aufsichtsratsvorsitzende: Wir sind von den langfristig positiven Perspektiven überzeugt.

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Georg Griesemann, Co-CEO und CFO der Compleo Charging Solutions AG