Peking (Godmode-Trader.de) - Es ist nur eine Meldung am Rande, aber eine mit Signalwirkung, die es in sich hat: Der japanische Autobauer Toyota stoppt in China seine Produktion wegen der Ausbreitung des Coronavirus. Auch andere Firmen denken darüber nach, ihre Produktion in der Volksrepublik vorübergehend zu schließen und über Alternativen in der Beschaffung nachzudenken, wie etwa Apple. Der Konzern hat auch einen Apple Store in China geschlossen und Reisen von Mitarbeitern in das Land reduziert. Auch einige chinesische Einzelhandels-Partner hätten Geschäfte geschlossen oder die Öffnungszeiten verkürzt und in die Läden kämen weniger Käufer, sagte Apple-Chef Tim Cook in einer Telefonkonferenz am Dienstag.

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Jenseits der menschlichen Tragödien - in der Volksrepublik hat sich innerhalb eines Tages die Zahl der Infizierten um 1.459 auf rund 6.000 Fälle erhöht, zudem starben weitere 26 Menschen in der Volksrepublik an dem Virus - könnte der Schaden für die chinesische Volkswirtschaft, die immer noch an den Folgen des Handelskriegs mit den USA knabbert, immens werden. Je nachdem, wie schnell die noch immer ungehemmte Ausbreitung der Epidemie eingedämmt werden kann.

Ist die Epidemie innerhalb von drei Monaten unter Kontrolle, könne das 0,8 Prozent der Wirtschaftsleistung kosten, zitierte die „Welt“ Mo Ji, Chefvolkswirtin für China bei der Investmentgesellschaft Alliance Bernstein. Dauere es neun Monate, würden das BIP sogar um 1,9 Prozent einbrechen. Derzeit rechnet Mo mit Kosten von einem Prozentpunkt.

Das würde rund 140 Milliarden Dollar Kosten entsprechen. Das ist rund das Achtfache des wirtschaftlichen Schadens, der von SARS angerichtet wurde. 2003 brach das Wachstum der chinesischen Wirtschaft wegen der Epidemie um zwei Prozent ein. Die Kosten für die Wirtschaft wurden damals auf etwa 17 Milliarden Dollar taxiert. Die Auswirkungen der aktuellen Lungenkrankheit könnte die Folgen der SARS-Pandemie im Jahr 2003 übertreffen, warnte Ökonom Lu Ting von der japanischen Investmentbank Nomura am Mittwoch. Im ersten Quartal sei ein "spürbarer Rückgang" des Wachstumstempos der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt von zuletzt sechs Prozent im vierten Quartal 2019 möglich.

Weitere Experten zeigten sich ebenfalls besorgt. Chefstratege John Vail vom Vermögenswerwalter Nikko Asset Management verwies auf die Bedeutung Chinas für die internationalen Lieferketten. Wegen der starken Nachfrage der Chinesen nach Waren und Dienstleistungen aus dem Ausland dürften auch andere Länder zumindest vorübergehend im Mitleidenschaft geraten.

Auch dieses Mal dürfen der Konsum, die Logistikbranche und der Tourismus am meisten leiden. Letzterer steht heute immerhin für fünf Prozent der chinesischen Wirtschaftsleistung, der Konsum für 60 Prozent. Allerdings hat sich in diesem Sektor einiges verschoben. Der Online-Handel ist heute wesentlich wichtiger, deshalb könnte sich hier der wirtschaftliche Schaden noch in Grenzen halten.

Der politischen Führung in Peking wird nicht anderes übrig bleiben, als seine Fiskal- und Geldpolitik noch weiter zu lockern, um die Wirtschaft zu stützen. Denn dass die Wirtschaft nach diesem Horror im ersten Quartal einen Schaden davon tragen wird, ist sicher. Die Frage ist nur, wie schnell die Erholung gelingt. Hier ist Peking gefordert.