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Angst ist bekanntlich ein schlechter Ratgeber. Ganz besonders gilt das an der Börse. Dort gibt es in diesen Tagen scheinbar nur noch ein Thema: Wegen der weltweiten Ausbreitung des Corona-Virus, die längst pandemische Züge trägt, gehen auch die Börsen auf Talfahrt. Dabei scheint das eigentliche Problem weniger das Virus selbst zu sein, als vielmehr die Angst davor, was in der Folge noch alles kommen könnte...

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Dass die Auswirkungen der Corona-Krise längst in der globalen Wirtschaft angekommen sind, macht ein aktueller Beitrag der Rhein-Zeitung deutlich: Die Lieferketten werden weltweit immer massiver gestört, immer mehr Unternehmen senken ihre Prognosen, Gewinn- und Umsatzziele werden kassiert.

Die Folgen zeigen sich allmählich quer durch fast alle Branchen. Damit wird jetzt ein Aspekt deutlich, der in den vergangenen Jahren vollkommen ausgeblendet wurde: Die Globalisierung hat auch folgenschwere Schattenseiten. Selten wurde dieser Aspekt so deutlich wie in diesen Tagen.

Doch wir stehen hier erst ganz am Anfang. Sollte nicht relativ kurzfristig ein Impfstoff gegen den Erreger gefunden werden, was nach Lage der Dinge nicht zu erwarten ist, dürfte es wohl nur noch eine Frage der Zeit sein, bis auch europäische Großstädte zumindest teilweise unter Quarantäne gestellt werden.

Ob das verhältnismäßig ist, lassen wir einmal dahingestellt, denn nach bisherigem Kenntnisstand sind die Folgen einer Erkrankung zwar ernst, aber nur in seltenen Fällen lebensbedrohlich.

Dessen ungeachtet führen die „Schutzmaßnahmen“ die jetzt weltweit auf den Weg gebracht werden, sukzessive zu einem Stillstand der Weltwirtschaft. Fast scheint es so, als werde das System mit jeder weiteren Eskalationsstufe der Virus-Ausbreitung allmählich „heruntergefahren“. Die Konsequenzen lassen sich derzeit nur schwer erahnen…

Mit Blick auf mögliche Folgen in Deutschland ist ein Thesenpapier interessant, in dem das Robert-Koch-Institut im Auftrag der Bundesregierung angelehnt an den SARS-Erreger einen globalen Corona-Virus-Ausbruch durchgespielt hat. Bekanntgegeben wurden die Erkenntnisse am 03. Januar 2013 in der Drucksache des Bundestages mit der Kennung 17/12051:

Darin heißt es (wörtliche Zitate):

Das Szenario beschreibt ein außergewöhnliches Seuchen­geschehen, das auf der Verbreitung eines neuartigen Erre­gers basiert. Hierfür wurde der zwar hypothetische, je­doch mit realistischen Eigenschaften versehene Erreger „Modi-SARS“ zugrunde gelegt. Die Wahl eines SARS-ähnlichen Virus erfolgte u. a. vor dem Hintergrund, dass die natürliche Variante 2003 sehr unterschiedliche Ge­sundheitssysteme schnell an ihre Grenzen gebracht hat.

Die Vergangenheit hat bereits gezeigt, dass Erreger mit neuartigen Eigenschaften, die ein schwerwiegendes Seuchenereignis auslösen, plötzlich auftreten können (z. B. SARS-Coronavirus (CoV), H5N1-Influenzavirus, Chikungunya-Virus, HIV). Unter Verwendung verein­fachter Annahmen wurde für dieses Modi-SARS-Virus der hypothetische Verlauf einer Pandemie in Deutschland modelliert, welcher sowohl bundesrelevant als auch plau­sibel ist.

Das Szenario beschreibt eine von Asien ausgehende, weltweite Verbreitung eines hypothetischen neuen Virus, welches den Namen Modi-SARS-Virus erhält. (…)

„Obwohl die laut Infektions­schutzgesetz und Pandemieplänen vorgesehenen Maß­nahmen durch die Behörden und das Gesundheitssystem schnell und effektiv umgesetzt werden, kann die rasche Verbreitung des Virus aufgrund des kurzen Intervalls zwi­schen zwei Infektionen nicht effektiv aufgehalten werden. Zum Höhepunkt der ersten Erkrankungswelle nach ca. 300 Tagen sind ca. 6 Millionen Menschen in Deutschland an Modi-SARS erkrankt. Das Gesundheitssystem wird vor immense Herausforderungen gestellt, die nicht bewältigt werden können. Unter der Annahme, dass der Aufrechter­haltung der Funktion lebenswichtiger Infrastrukturen höchste Priorität eingeräumt wird und Schlüsselpositionen weiterhin besetzt bleiben, können in den anderen Infra­struktursektoren großflächige Versorgungsausfälle ver­mieden werden. Nachdem die erste Welle abklingt, folgen zwei weitere, schwächere Wellen, bis drei Jahre nach dem Auftreten der ersten Erkrankungen ein Impfstoff verfüg­bar ist“. (…)

Verlauf:

Ausgehend von den zuerst auftretenden Fällen in Nord- und Süddeutschland breitet sich die Pandemie in Wellen mit ansteigenden Zahlen aus. Grundsätzlich ist vor allem in Ballungsräumen aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der Bewegungsmuster (hohe Mobilität, Nutzung von Massenverkehrsmitteln usw.) mit entsprechend höheren Erkrankungszahlen zu rechnen. Es wird angenommen, dass jeder Infizierte im Durchschnitt drei Personen infiziert und es jeweils drei Tage dauert, bis es zur nächsten Übertragung kommt. (…)

Mittel zur Eindämmung sind beispielsweise Schulschließungen und Absagen von Großveranstaltungen. Neben diesen Maßnahmen, die nach dem Infektionsschutzgesetz angeordnet werden können, gibt es weitere Empfehlungen, die zum persönlichen Schutz, z.B. bei beruflich exponierten Personen, beitragen wie die Einhaltung von Hygieneempfehlungen. Die antiepidemischen Maßnahmenbeginnen, nachdem zehn Patienten in Deutschland an der Infektion verstorben sind. Die Anordnung der Maßnahmen geschieht in den Regionen zuerst, in denen sich Fälle ereignen; die Bevölkerung setzt die Maßnahmen je nach subjektivem Empfinden unterschiedlich um. Generell werden Maßnahmen zwischen Tag 48 und Tag 408 als effektiv beschrieben. Hieraus ergibt sich mitwirksamenantiepidemischen Maßnahmen in einer Bevölkerung, bei der keine Immunität gegen das Virus vorhanden ist (voll suszeptibel), folgender Verlauf:

Prozentuale Angaben sind in Abb. 1 gezeigt; angegeben wird die Anzahl Erkrankter gemessen an der Gesamtbevölkerung zu einem bestimmten Zeitpunkt, hiervon wird die Anzahl der Hospitalisierten und hiervon wiederum die Anzahl der Intensivbetreuungspflichtigen angeben. Die Zahlen für Verstorbene akkumulieren sich über die Zeit.

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In Abb. 2 wird die absolute Zahl der Betroffenen angegeben. Zum Beispiel geht man vor Einsetzen der Pandemie von rund 80 Millionen suszeptiblen Personen aus (Gesamtbevölkerung, da keine Grundimmunität gegeben ist). Die Kurve der suszeptiblen Personen bewegt sich wellenförmig, da diese trotz durchgemachter erster Infektion durch Virusmutation wieder suszeptibel werden, d.h. re-infiziert werden können.

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Über den Zeitraum der ersten Welle(Tag 1 bis 411) erkranken insgesamt 29 Millionen, im Verlauf der zweiten Welle(Tag 412 bis 692) insgesamt 23 Millionen und während der dritten Welle (Tag 693 bis 1052) insgesamt 26 Millionen Menschen in Deutschland.

Für den gesamten zugrunde gelegten Zeitraum von drei Jahren ist mit mindestens 7,5 Millionen Toten als direkte Folge der Infektion zu rechnen. Zusätzlich erhöht sich die Sterblichkeit sowohl von an Modi-SARS Erkrankten als auch anders Erkrankter sowie von Pflegebedürftigen, da sie aufgrund der Überlastung des medizinischen und des Pflegebereiches keine adäquate medizinische Versorgung bzw. Pflege mehr erhalten können(vgl. Abschnitt 3.–hier: Gesundheitswesen). Von den Erkrankten sterben rund 10 %.

(…)

Dabei ist so lange mit Neuerkrankungen zu rechnen, bis ein Impfstoff verfügbar ist (36 Monate). Die enorme Anzahl Infizierter, deren Erkrankung so schwerwiegend ist, dass sie hospitalisiert sein sollten bzw. im Krankenhaus intensivmedizinische Betreuung benötigen würden, übersteigt die vorhandenen Kapazitäten um ein Vielfaches (siehe Abschnitt KRITIS, Sektor Gesundheit, medizinische Versorgung). Dies erfordert umfassende Sichtung (Triage) und Entscheidungen, wer noch in eine Klinik aufgenommen werden und dort behandelt werden kann und bei wem dies nicht mehr möglich ist. Als Konsequenz werden viele der Personen, die nicht behandelt werden können, versterben.

(…)

Selbst die Bewertung von bekannten Ausbrüchen, die in ihrem Ausmaß nicht mit dem hier betrachteten Modi-SARS-Szenario vergleichbar sind, kann in dieser Hinsicht nur als Schätzung begriffen werden. Beispiele sind E. coli-Ausbrüche in den USA, die zwischen 1991 und 1999 rund 1,6 Milliarden US-Dollar gekostet haben, ein Cholera-Ausbruch in Peru (rund 770 Millionen US-Dollar) oder die Lungenpest in Surat, Indien. Bei diesem Ausbruch starben über 50 Menschen, es gab über 5.000 Infizierte (Letalität ~ 1 %).

In erster Linie war jedoch die Reaktion der Bevölkerung das Problem, es wurde von rund 300.000 Menschen berichtet, die aus der Region flüchteten; der wirtschaftliche Schaden wird mit rund 1,7 Milliarden US-Dollar angenommen.

Das Auftreten von SARS 2003 hat nicht nur eindrucksvoll gezeigt, wie ein neuartiger Erreger auch modernste Infrastrukturen sehr schnell an ihre Grenzen bringen kann. Auch der volkswirtschaftliche Schaden war beträchtlich. So wird der finanzielle Schaden in Beijing nur den Tourismus betreffend mit rund 1,4 Milliarden US-Dollar geschätzt – rund 300 Mal teurer als die Pflege der SARS-Patienten in der Stadt.

Für private Haushalte, in denen erwerbstätige Personen durch das Ereignis sterben oder arbeitsunfähig werden, ist mit entsprechend schweren wirtschaftlichen Auswirkungen zu rechnen“.

Die Kollegen von Heise Online haben die Drucksache im folgenden Beitrag kommentiert.

Im Klartext: Sollten die durch das Robert-Koch-Institut ausgearbeiteten Szenarien einer Corona-Ausbreitung in Deutschland in den kommenden Monaten auch nur ansatzweise in der Realität ankommen, dann dürften auch die Börsen noch eine lange Wegstrecke vor sich haben. Und zwar abwärts gerichtet...

Berücksichtigen muss man dabei nämlich, dass die jetzt anhebende Wachstumsschwäche auf eine globale Wirtschaft trifft, die auch ohne das Corona-Virus schon erheblich angeschlagen war. Dass die Folgen einer Corona-Pandemie in Ländern mit einem weniger gut ausgebauten Gesundheitssystem noch deutlich gravierender ausfallen dürften als in Deutschland, liegt auf der Hand.

Das bedeutet. Die Corona-Krise ist gerade auf dem „besten Wege“, zu jenem Schwarzen Schwan zu mutieren, den noch vor wenigen Wochen kaum jemand auf der Rechnung hatte. Dabei ist das Problem weniger das Virus selbst, als vielmehr die Folgen die auch panikgetrieben daraus entstehen könnten:

Wenn Lieferketten im großen Stil ausfallen, man denke hier auch an lebenswichtige Medikamente, wenn Millionen Menschen nicht mehr aus dem Haus gehen, Supermärkte leergekauft sind und wegen der vielen Neuerkrankungen ganze Gesundheitssysteme zusammenbrechen, dann dürften diese unmittelbaren Folgen der Corona-Krise sehr viel mehr Menschenleben fordern als die Erkrankung selbst.

Die Folgen für die Weltwirtschaft sind derzeit nicht einmal ansatzweise zu beziffern. Wird nicht bald ein Impfstoff gefunden, dann droht nicht weniger als ein globaler Super-GAU.

Die Anleger scheinen das gerade erst zu ahnen...

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de

Update, 28.02.2020:

Christian Drosten, Professor und Institutsdirektor der Virologie an der Charité Berlin war gestern Abend zu Gast im ZDF bei Maybrit Illner. Die Ausführungen des Virologen sind sehenswert. Insbesondere gegen Ende der Sendung, als Drosten kritisiert, in Deutschland habe sich noch nicht das richtige Bewusstsein rund um dieses neue Virus ausgebildet. In den USA habe eine hochrangige Behördenleiterin die Bevölkerung zuletzt um Mithilfe gebeten, "in der Erwartung, dass es schlimm werden wird". Ähnliches sei auch in Deutschland zu erwarten...

Zum Video...

Update, 29.02.2020:

Interne Corona-Dokumente mit Fallzahlen aus der chinesischen Provinz Shandong entlarven den Betrug der chinesischen Regierung: In Wahrheit ist die Zahl der Corona-Erkrankten deutlich höher.


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.