Frankfurt/ Peking (Godmode-Trader.de) - Die Zahl der Neuerkrankungen durch das Coronavirus in China ist zuletzt sprunghaft angestiegen. Das chinesische Staatsfernsehen sprach heute von 242 Toten mehr als am Mittwoch. Insgesamt seien es nun 1.369. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen erhöhte sich demnach in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei um rund 14.800. Am Vortag waren lediglich 1.638 neue Infektionen gemeldet worden. Die offizielle Gesamtzahl der Krankheitsfälle in Festlandchina stieg damit auf mehr als 60.300.

Ist das Corona-Virus eine Gefahr für die Weltwirtschaft?, fragt die Commerzbank in einer aktuellen Analyse. Noch sind die Ausmaße nicht absehbar, Fakt ist aber: Durch das Coronavirus ist unvermittelt und plötzlich ein neuer Risikofaktor für die Weltwirtschaft aufgekommen. Der rasante Ausbruch hat Peking zu drakonischen Maßnahmen veranlasst. Ganze Regionen wurden von der Außenwelt abgeschnitten, Reisebeschränkungen auferlegt und die Produktion in unzähligen Fabriken gestoppt. Betroffen sind dabei allerdings nicht nur Chinas Unternehmen, sondern auch Teile der internationalen Industrie. „Mindestens das komplette erste Quartal 2020 wird für viele Länder Ausfälle bei Produktion und Nachfrage bringen“, erwarten Analysten der DZ Bank laut einer aktuellen Studie.

Die britische HSBC, die stark in Asien vertreten ist, hat ihre Wachstumsprognose für die chinesische Volkswirtschaft gesenkt und rechnet im ersten Quartal nur noch mit einem Plus von 4,1 Prozent. Das ist fast zwei Prozent weniger als im Vorquartal. Im Gesamtjahr soll sich das Wachstum in China nur noch bei 5,3 Prozent bewegen.

Skeptisch äußerte sich auch die Helaba, ist in der Prognose aber wegen möglicher Aufholprozess aber etwas zuversichtlicher. „Die Coronavirus-Epidemie hat in China ein Ausmaß erreicht, das über die Schicksale der unmittelbar Betroffenen hinaus auch Spuren auf der makroökonomischen Ebene hinterlassen wird“, erwartet Ökonom Patrick Franke. Unabhängig vom weiteren Verlauf der Epidemie sei zum jetzigen Zeitpunkt von spürbaren negativen Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft auszugehen. „Wir reduzieren daher unsere Wachstumsprognose für das erste Quartal deutlich. Obwohl bei einer Eindämmung des Virus in den kommenden Wochen ein weitgehender Aufholeffekt im weiteren Jahresverlauf wahrscheinlich ist, wird das jahresdurchschnittliche Wachstum wohl trotzdem mit 5,5 Prozent niedriger ausfallen als bisher gedacht (5,8 %)“. Dauere die Gesundheitskrise länger, sind entsprechend ausgeprägtere ökonomische Folgen zu erwarten.

Die chinesische Zentralbank greift im Kampf gegen das Coronavirus erneut ein und pumpte diese Woche noch einmal 900 Mrd. Yuan (rund 120 Mrd. Euro) in das Finanzsystem. Um die heimische Wirtschaft zu stärken, hatte die Notenbank bereits in der vergangenen Woche 1,2 Bio. Yuan (rund 156 Mrd. Euro) an liquiden Mitteln zur Verfügung gestellt.