Die Risikobereitschaft der Anleger ist seit einiger Zeit hoch, in den vergangenen Tagen sind riskantere Vermögenswerte aber durch das Auftreten des Coronavirus leicht unter Druck geraten. Insbesondere die chinesischen Finanzmärkte waren betroffen. Wahrscheinlich hat das anstehende chinesische Neujahrsfest die dortige Korrektur noch verschärft, weil die dortigen Märkte über eine Woche lang geschlossen sein werden. Die Anleger werden kurzfristig risikoscheuer, da sie über die Feiertage nicht mehr auf etwaige negative Entwicklungen reagieren können.

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Im Zuge der Ausbreitung des Coronavirus hat die chinesische Regierung strenge Maßnahmen ergriffen, um den Reiseverkehr von und nach Wuhan bzw. anderen Städten möglichst gering zu halten. Während der SARS-Epidemie im Jahr 2003, bei der sich weltweit über 8.000 Menschen infizierten, gingen die Fluggastzahlen in China um über 40 % zurück. Chinas Wirtschaftswachstumsrate fiel in jenem Jahr um ein bis zwei Prozentpunkte niedriger aus. Falls das Coronavirus sich jetzt zu einer ernsthaften Krise mit hohen Infektionszahlen entwickelt, würden die Auswirkungen auf das Wachstum in China wohl wieder beträchtlich sein. Dabei käme eine SARS-ähnliche Entwicklung jetzt zu einem Zeitpunkt, in dem das Vertrauen in die Konjunktur des Landes zurückhaltend ist.

Allerdings würde die chinesische Regierung bei einem deutlich stärkeren Ausbruch des Coronavirus wohl nicht zögern, zu neuen Stimulusmaßnahmen zu greifen und die bisherigen Prioritäten, Schuldenabbau und Reduzierung von Risiken im Finanzsystem, vorerst ad acta legen. In diesem Fall würde sich das Kreditwachstum in China deutlich erhöhen, was wiederum neues Potenzial für Investitionen in China und das Exportwachstum der Schwellenländer mit sich brächte.

Allokation in Aktien und Spread-Produkte erhöht

Es ist zwar wichtig, verschiedene Szenarien zu entwerfen und Vergleiche mit früheren Virusausbrüchen zu ziehen, aber es ist noch zu früh für belastbare Schlussfolgerungen. Einerseits ist das aktive Vorgehen der chinesischen Behörden positiv. Andererseits ist der Zeitpunkt des Ausbruchs kurz vor dem Neujahrsfest ungünstig, da er durch die in dieser Zeit hohe Reistätigkeit in China das Risiko einer raschen Ausbreitung des Virus erhöht.

Nach Abwägung der Umstände hat NN Investment Partners (NN IP) in seinen Multi-Asset-Portfolios die Gewichtung risikoreicher Anlagen jetzt zunächst ausgebaut. Nach der Aufstockung der Aktienquote haben wir Anfang dieser Woche auf der Anleiheseite unsere Investitionen in Spread-Produkte erhöht. Die Makrodaten in den USA, Europa und den Schwellenländern haben sich unserer Ansicht nach hinreichend verbessert, damit sich die Rallye riskanterer Vermögenswerte fortsetzen kann. Wir sehen zwar die Risiken, die der Virusausbruch für das Wachstum in China und den Schwellenländern mit sich bringt, meinen aber, dass es für Reaktionen im Portfolio noch zu früh ist. Bei Aktien bevorzugen wir zunächst weiterhin Schwellenländer und den Euroraum. Da allerdings vor allem Schwellenländeraktien für schlechte Nachrichten zum Coronavirus anfällig sind, werden wir unser Engagement in den Schwellenländern möglicherweise kurzfristig reduzieren.

Zum aktuellen Zeitpunkt sollten jedoch die Ursachen für das bessere Abschneiden von Schwellenländeraktien gegenüber den entwickelten Märkten in den vergangenen Monaten noch nicht aus dem Blick geraten: die Konjunkturdaten verbessern sich, vor allem im globalen verarbeitenden Gewerbe, und das Risiko einer Eskalation des Handelskonflikts zwischen den USA und China hat deutlich abgenommen.