Wer die Maßnahmen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern für einen Flickenteppich hält, hat die USA noch nicht gesehen. Dort macht jeder Bundesstaat mehr oder weniger, was er will. Das ermöglicht einen guten Blick auf die Wirkung unterschiedlicher Maßnahmen.

Einige Bundesstaaten waren in einem strengen Lockdown. New York erlangte hier wohl die größte Bekanntheit. Neben New York gab es allerdings noch eine ganze Reihe anderer Bundesstaaten, die die Ausbreitung durch Lockdowns zu verhindern versuchten. Dazu gehören auch andere große Bundesstaaten wie Kalifornien.

In diesen Bundesstaaten sind die Fallzahlen rückläufig (Grafik 1). Die täglich neuen Fälle haben sich inzwischen fast halbiert. Für die betroffenen Staaten ist das ein gutes Ergebnis. Die jeweiligen Gouverneure wollen das Ergebnis nicht gefährden. Lockerungen der Maßnahmen erfolgen nur sehr langsam.


Der Verlauf in diesen Staaten gleicht dem in Europa. Die Herangehensweise ist eine ähnliche. In manchen Staaten sieht es jedoch ganz anders aus. Die Fallzahlen in Staaten ohne strengen Lockdown bleiben unverändert hoch (Grafik 2). Besonders interessant sind jedoch die Staaten, die die Wirtschaft wieder öffnen, ohne bestimmte Kriterien erfüllt zu haben.


Sie öffnen die Wirtschaft aus sich der Lockdown Staaten zu früh. Hier ist kein Rückgang der Fallzahlen zu erkennen. Stattdessen zeigt der Trend weiter nach oben. Wird zu früh geöffnet, muss mit einer Stagnation der Zahlen auf hohem Niveau gerechnet werden. Wird die Wirtschaft geöffnet, bevor sich überhaupt ein Plateau einstellt, geht die Krise einfach weiter und spitzt sich zu.

Die USA sind ein großes Land und ein Großteil der Bevölkerung ist in Staaten mit Lockdown angesiedelt. Für die USA als Land tendieren die Zahlen daher nach unten. Das überdeckt die Entwicklung in anderen Teilen des Landes, in denen sich die Krise weiter zuspitzt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Neuinfektionen in diesen Bundesstaaten den positiven Trend in Lockdown Staaten aufwiegen.

Wir wissen also schon jetzt, dass die Fallzahlen in den USA in wenigen Wochen wieder steigen werden, wenn in bestimmten Staaten keine Maßnahmen getroffen werden. Für den Rest der Welt ist das eine hochinteressante Entwicklung. Die USA werden das erste Land mit einer zweiten Welle sein. Die USA müssen sich damit auch zuerst damit auseinandersetzen wie sie damit umgehen wollen.

Es tauchen dabei mehrere Fragen auf. Wollen Bundesstaaten, die sich positiv entwickelt haben, den Trend riskieren oder schränken sie die Bewegungsfreiheit zwischen den Staaten ein? Und was macht die Regierung in Washington, greift sie ein, wenn sich die Fallzahlen wieder erhöhen oder Bundesländer ihre Grenzen schließen?

Auch aus wirtschaftlicher Sicht können wir viel lernen, z.B. ob steigende Zahlen in Nachbarländern auch den Konsum und die Mobilität im eigenen Staat beeinflussen. In Europa ist eine zweite Welle noch weiter entfernt und es kann viel über die richtige Reaktion gelernt werden, da die USA zuerst damit experimentieren müssen.

Clemens Schmale


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