Es heißt: die Geschichte wiederholt sich. Das ist an der Börse besonders wahr. Nicht umsonst gilt „diesmal ist alles anders“ für Anleger als einer der gefährlichsten Sprüche überhaupt. Das ist nicht erst seit gestern so. Immer wieder tappen wir in diese Falle. Der größte Massenirrtum der jüngeren Geschichte fand wohl zur Jahrhundertwende statt.

    ANZEIGE

    Alles, was Internet im Namen stehen hatte, wurde an der Börse mit Milliarden bewertet. Dass die Unternehmen pro Jahr teils mehr Geld verbrannten als sie Wert waren: egal. Das Internet würde schließlich alles verändern. Nun, ein Großteil der Unternehmen gibt es nicht mehr. Sie gingen nach wenigen Jahren bankrott.

    Kurz gesagt: wenn sich bestimmte Dinge wiederholen, sollte man hellhörig werden. Heute sehen wir eine gewisse Ähnlichkeit zu 1937 im S&P 500 (Grafik 1). Die Ähnlichkeit kann man als Zufall abtun. Ray Dalio sieht jedoch Parallelen im wirtschaftlichen Umfeld. Damals wie heute wurde die Krise durch Überschuldung ausgelöst

    Die Zinsen sanken in der Folge auf rekordniedrige Niveaus. Als das nicht reichte, begann die Notenbank Geld zu drucken, was der Wirtschaft aus der Schulden- und Finanzkrise half. Entsprechend gab es an den Märkten eine Rally (Assetpreisinflation).

    Nicht alles war und ist nur Schall und Rauch. Die Wirtschaftslage verbesserte sich 1933 ebenso wie 2009 wieder merklich. Der Aufschwung hielt in den 30er Jahren nicht so lange wie heute. Das lag vor allem daran, dass die Notenbank 1937 die Geldpolitik wieder straffte.

    Die US-Notenbank strafft heute auch. Die Zinsen werden angehoben und die Bilanzsumme wird verkleinert. Keiner nimmt es so wahr, doch es handelt sich am Ende um eine recht markante Straffung der Geldpolitik. Die Auswirkungen kennen wir noch nicht. Damals jedenfalls wurde zu schnell gestrafft. Heute könnte uns ein ähnliches Schicksal ereilen, denn Unternehmen und Konsumenten sind wieder hoch verschuldet.

    Die Ähnlichkeit von heute zu damals sollte man nicht einfach abtun. Persönlich sehe ich allerdings nicht die Gefahr, dass sich Indizes gleich halbieren. Im Vergleich der Kursverläufe hat der S&P 500 die kritischste Phase bereits hinter sich gelassen. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Böse erwachen nicht noch kommt.

    Die Kollegen von Market Anthropology haben noch eine andere Parallele entdeckt. Der Kursverlauf des S&P 500 gleicht jenem von Silber im Jahr 2011 (Grafik 2). Demnach könnte es durchaus noch zu einer Abwertung führen, wobei hier ein wenig die Parallelen im Gesamtumfeld fehlen.

    Ähnlichkeiten entstehen bzw. haben nur eine Aussagekraft, wenn sie aufgrund ähnlicher Umstände zustande kommen. Zufällige Ähnlichkeiten haben wenig Bedeutung. Persönlich sehe ich keinen Crash kommen. Die Parallelen zu den 30er Jahren sind nicht ganz von der Hand zu weisen, allerdings gibt es auch markante Unterschiede. Eine Wiederholung des 1937er Schicksals halte ich für unwahrscheinlich.