• DAX - Kürzel: DAX - ISIN: DE0008469008
    Börse: XETRA / Kursstand: 12.088,11 Pkt

Der Oktober hat bei Börsianern einen besonders schlechten Ruf. Das liegt nicht zuletzt an der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre, die mit dem „Jahrhundertcrash“ im Oktober 1929 begonnen hatte. Und weil auch der Crash von 1987 mit den größten prozentualen Kursverlusten aller Zeiten in einem Oktober stattgefunden hat, gruseln sich die Anleger im „Crashmonat“ ganz besonders gerne. Wie ist die Lage im Moment einzuschätzen?

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Mit Blick auf den historischen Börsenzusammenbruch vom 19. Oktober 1987 stellte das Handelsblatt schon vor einiger Zeit fest, dass die Risiken seither nicht geringer geworden seien – nur schneller…

Heute dürfte das mehr denn je zutreffen, denn der berüchtigte „Sekundenhandel“ hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen. Wie üblich häufen sich daher auch 2019 pünktlich zum Oktober-Beginn die medialen Crash-Warnungen. Erst vor wenigen Tagen hatte der Focus das Thema aufgegriffen…

Demnach soll der DAX das Potenzial haben, schon in Kürze die 10.000er Marke noch einmal zu testen. Auch ein kurzes, womöglich dynamisches Unterschreiten dieses Niveaus wäre denkbar. Unterm Strich bestehe derzeit jedoch kein Grund zur Panik. Soweit Jochen Steffens im Focus.

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DAX Wochenchart

Ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, dass der gefürchtete Oktober-Crash in diesem Jahr ausfallen wird. Ein wichtiger Grund ist die enorm schlechte Stimmung, die sich pünktlich (!) zum Crashmonat in den Börsensälen eingestellt hat.

So ist etwa der „Angst und Gier-Indikator“ des Börsensender CNN mit nur noch 30 Zählern schon relativ deutlich in die Nähe seines Panikniveaus vorgerückt. Mit anderen Worten: Derzeit dominieren in den Börsensälen Zurückhaltung und beinahe schon Angst – doch in einem solchen Umfeld gibt es keinen Crash…

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Wer sich aber bereits entspannt zurücklehnen möchte, der möge damit noch etwas warten. Es ist nämlich sehr gut möglich, dass die wirkliche Gefahr an den Börsen erst dann beginnt, wenn sich die Masse wieder in Sicherheit wähnt. Allenthalben ist schon jetzt wieder zu lesen, dass die „kritische Börsenphase“ nun ja bald überstanden sei.

Wirklich?

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang etwa an die jüngsten Turbulenzen auf dem US-amerikanischen Repo-Markt. So gut wie jeder Crash der vergangenen Jahrzehnte wurde in der Folge mit fehlender Liquidität begründet. Genau dies aber wurde vor wenigen Tagen mit den Ereignissen am Repo-Markt deutlich.

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Heike Buchter hatte dazu kürzlich auf Zeit Online einen bemerkenswert klaren und ungeschönten Artikel verfasst. Darin heißt es:

„Die Krise kam über Nacht. Banken drohte das Geld auszugehen. Notenbanker pumpten Hunderte Milliarden Dollar in den Geldmarkt, bloß um das Schlimmste zu verhindern. Das alles klingt nach dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise vor elf Jahren – doch tatsächlich beschreibt es den Montag vorletzter Woche. Da stand ein wichtiger Teil des Weltfinanzsystems kurz vor dem Zusammenbruch, und die Öffentlichkeit bemerkte so gut wie nichts“.

„Narayana Kocherlakota, bis 2015 der Präsident der Federal Reserve Bank in Minneapolis, (…) sagt: Die Zinsausschläge am Repo-Markt seien ein Zeichen, dass "etwas ziemlich falsch läuft im Finanzsystem".

(…)

„Der Kurzschluss am Repo-Markt hat die Fed dazu gebracht, erneut Staatspapiere anzukaufen. Das ist eine 180-Grad-Wende, auch wenn die Notenbanker sich in ihren öffentlichen Begründungen bemühen, diese herunterzuspielen“.

(…)

"Auch wenn noch nicht eindeutig feststeht, was den Kurzschluss am Repo-Markt ausgelöst hat: Barry Mitnick, Finanzhistoriker an der University of Pittsburgh, glaubt ein vertrautes Muster zu erkennen. "Im Schnitt erleben wir alle 15 bis 20 Jahre eine Panik an den US-Finanzmärkten", sagt er. "Der Auslöser ist so gut wie immer ein Mangel an schnell verfügbarem Geld für die Banken."

Es lohnt sich, den Beitrag in voller Länge zu studieren, weil er Hintergründe und Abläufe recht gut beleuchtet.

Nach dem Motto: Alles ist gut. Hier gibt´s nichts zu sehen. Bitte gehen Sie weiter...“ wurde im Mainstream von wenigen Ausnahmen abgesehen jedoch alles versucht, die dramatische Entwicklung gar nicht erst ins öffentliche Bewusstsein vordringen zu lassen.

Das könnte sich als voreilig erweisen, denn auch andernorts brodelt es jetzt, wie etwa die Entlassungswelle zeigt, die in diesen Tagen auf Deutschland zurollt.

Nahezu täglich melden Unternehmen aus den verschiedensten Branchen Stellenabbau, Betriebsschließungen oder Insolvenzen. Arbeitsplätze fallen weg, der noch vor wenigen Monaten beklagte Fachkräftemangel hat sich binnen kürzester Zeit in Luft aufgelöst. Doch Thomas Cook, Continental, Michelin und diverse Banken sind erst der Anfang:

Die Liste bereits angekündigter oder geplanter Entlassungen in den deutschen Kernindustrien wird täglich länger. Die folgende Grafik der Kollegen von Tichys Einblick liefert mit den bis Ende September bekannt gewordenen Jobstreichungen einen ersten Hinweis darauf, was in den kommenden Monaten in der deutschen Industrie anstehen wird:

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Wenig überraschend musste auch der deutsche Maschinenbau kürzlich einen rabenschwarzen August vermelden. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren die Auftragseingänge um dramatische 17 Prozent eingebrochen. Das teilte jüngst der Branchenverband VDMA mit. Die schlimmsten Erwartungen seien damit Realität geworden…

Bemerkenswert ist an dieser Stelle allerdings, dass von der Politik in diesen Tagen so gut wie keine „Rettungsmaßnahmen“ im Stile früherer Manöver verkündet werden, um so das sich abzeichnende Jobdesaster vielleicht noch abzuwenden. Von wegen Abwrackprämie und dergleichen - nichts davon ist im Moment zu sehen…

Gut möglich also, dass man auch in Berlin und Brüssel erkannt hat, dass das Spiel allmählich zu Ende geht.

Den Börsianern könnte es daher schon bald tatsächlich „nass reinregnen“.

Aber erst, wenn der gefürchtete „Crashmonat“ vorüber ist…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.