„Hilfe, die Lebensmittel werden knapp!“ Diesen Hilferuf, den wir aus den Emerging Markets schon gewohnt sind, werden jetzt sogar in den USA laut, wo es bereits Hamsterkäufe bei Reis geben soll. Dürrekatastrophen in China führten beim Reispreis schon zu einer Preisexplosion von 80%. Damit wird auch die Inflationsrate weiter angetrieben, die besonders sozial schwache Bevölkerungsgruppen jetzt weltweit hart trifft. Hinzu kommen die hohen Energiepreise. So erreichte der Ölpreis mit 118 USD/Barrel ein neues Rekordhoch und allen Tankstellen der Welt gibt es Rekordbenzinpreise.

Ich habe dieses Phänomen schon in meiner letzten Kolumne mit der Überschrift „Inflationsalarm“ deutlich gemacht. Sie ist aber noch nicht in den Köpfen der Anleger angekommen, da die Kurse weiter lustig steigen. Dagegen brach der Goldpreis auf 885 USD/Unze durch Gewinnmitnahmen bei Hedgefonds und Verkäufen von Notenbanken ein. Er dürfte sich aber in Anbetracht der weltweit steigenden Inflation bald wieder erholen.

Nicht nur der Hunger der sozial schwachen Bevölkerungsgruppen wird größer, sondern auch der Kapitalhunger der Banken. Wir werden in den nächsten Wochen noch von einer Reihe von „Not-Kapitalerhöhungen“ bei namhaften Banken hören, die das vorhandene Kapital erheblich verwässern. So will die altehrwürdige Royal Bank of Scotland (RBS) jetzt eine Kapitalerhöhung über 12 Mrd. Pfund durchführen. Der RBS-Chef Goodwin hatte die Lage, wie viele Bankenvorstände offensichtlich völlig falsch eingeschätzt. Auch die Abschreibungen bei Banken werden kumuliert neue Rekordstände erreichen. Die Citibank, Merril Lnych und UBS haben jeweils schon über 25 Mrd. € abgeschrieben. Die Citibank platzierte zuletzt notgedrungen Vorzugsaktien, die über 10 Jahre eine Dividende von 8,4% garantieren sollen. Wann hat es solche „lukrativen Lockvogel-Angebot“! von US-Investmentbanken schon einmal gegeben? Nun, freiwillig macht dies die Citibank sicherlich nicht. Insgesamt belaufen sich die Kapitalmaßnahmen der Citibank schon auf 36 Mrd. USD und ein Ende der Kapitalmaßnahmen ist nicht abzusehen, denn nach der Subprime-Krise kommt die Kreditkartenkrise.

Je größer diese Abschreibungs-Summen werden, desto weniger nachdenklich werden offensichtlich die Anleger. Neben Kapitalerhöhungen wird es auch weiter Mega-Merger und Übernahmen geben. So plant die Deutsche Bank AG gerüchteweise den Einstieg bei der Citibank. Für wenig Aufregung sorgte bisher die Meldung, dass auch der zuvor so sehr ins Gerede gekommene US-Anleihenversicherer Ambac einen Quartalsverlust von 1,6 Mrd. USD hinnehmen musste, nachdem er sich zuvor durch eine Kapitalerhöhung über 1,5 Mrd. USD angeblich saniert hatte. Es bleibt abzuwarten, ob Ambac auch in Zukunft von einer Herabstufung der Rating-Agenturen verschont bleibt.

Der DAX erreichte am Freitag bei einem Plus von 1% wieder 6896 Indexpunkte und nähert sich damit der“ magischen“ 7000-er Marke und der Dow Jones Industrial Index konnte sich ebenfalls mit 0,3% knapp ins Plus retten und steuert nur die 13.000-er Marke an. Gute Zahlen von Coca Cola, Google, Intel u.a brachten die Märkte in der letzten Woche weltweit nach oben, während die Microsoft-Zahlen eher enttäuschten. Der Nikkei Index stieg am Freitag sogar um 2,3% auf 13.863 Indexpunkte. Hier liegt der wichtige Widerstand, der durchbrochen werden muss, bei 14000 Indexpunkten. Die nächste Woche wird darüber entscheiden, ob wir es mit einer Bärmarktrallye oder den Beginn einer Frühjahrsrallye zu tun haben, wobei ich mehr an eine Bärmarktrallye glaube.

Werden aber die oben skizzierten wichtigen Widerstände bei Wall Street, DAX und Nikkei durchbrochen, ist der Weg auch an den Ostbörsen nach oben frei. Umgekehrt können die Aktien auch schnell wieder korrigieren, wenn diese Marken nicht nachhaltig übertroffen werden können. Dann geht das „Gezitter“ um die Frühjahrsrallye von neuem los. Während die etablierten Börsen schon wieder freundlicher gestimmt sind, ging das „Blutbad“ an den Südosteuropabörsen bis Mitte April weiter. So verloren die Börse Sofia jetzt seit Jahresbeginn schon 35%, Montenegro 32%, Georgien 30%, Rumänien 29%, Ukraine 27%, Mazedonien 25% und Türkei 21% an Wert, während die Wall Street trotz Subprimekrise gerade mal ein Minus von 3,9% beim Dow Jones aufweist. Insbesondere an der Börse Kiew gab es vergangene Woche Panikverkäufe und die Kurse gaben mit 6% im Wochenverlauf besonders stark nach, während sie sich in Kroatien schon wieder um 4% erholen konnten. Bauwerte stiegen in Kroatien sogar um 25% an einem Tag, was zeigt wie groß die Erholungschancen sind.

Relativ stabil war die Moskauer Börse mit einem Kursverlust von „nur“ 8,2% seit Jahresbeginn. In Moskau spricht man bei einem BSP-Wachstum von 7-8% schon von „Überhitzungsgefahren“ der Wirtschaft. Der Ex-Aufsichtsratsvorsitzende von Gazprom Dimtirij Medwedew wird am 7. Mail offiziell die Geschäfte im Kreml übernehmen. Putin wird ihm als Primier und neuer Vorsitzender der kremlnahen Einheitspartei dabei zur Seite stehen. Der hohe Öl-Preis beschert Russland weiterhin enorme Windfall-Profits. Daher auch Gazprom, LUKoil & Co weiterhin auf die Watch-list nehmen.

Fazit: Bemerkenswert ist weiterhin, dass sich die Wall Street trotz schlechter Konjunkturdaten weiterhin sehr gut hält, während die Börsen vor allen in Südosteuropa und den GUS-Republiken trotz guter Konjunkturdaten aufgrund der Marktenge förmlich einbrechen. Gerade deswegen sehe ich perspektivisch an den Südosteuropa-Börse und GUS-Börsen wieder gute Erholungschancen in der zweiten Jahreshälfte. In Russland erreichten einige Aktien wie Mechel, NLMK, Evraz Group, Novatek und Uralkali sogar in diesem negativen Umfeld neue historische Höchstkurse. Es wird aber weiter volatil bleiben. Welche Aktien demnächst aussichtsreich sind und welche Einschätzung ich zu den etablierten Börsen haben, können Sie täglich der Ostbörsen-Hotline unter 09001-861400-1 (1,86 €/Min) entnehmen.