Albert Edwards ist schon länger ein Pessimist, was den US-Aktienmarkt betrifft. Doch nun könnte eine Rezession der US-Wirtschaft und ein Crash der Aktienmärkte unmittelbar bevorstehen, befürchtet der auch als „Permabär“ verschriene Aktienstratege der Societe Generale.

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    An der Oberfläche seien die Wirtschaftsdaten noch rosig. So verweist Edwards in einem Interview mit dem US-Anlegermagazin "Barron's" und in einer Studie auf das US-Wachstum von 2,9 Prozent im vierten Quartal und auf Indizes für das Verbraucher- und das Unternehmensvertrauen, die sich auf Rekordhochs befinden. Doch unter der Oberfläche sei bereits eine neue Schuldenkrise am Horizont, prophezeit Edwards.

    Die US-Notenbank Fed habe durch ihre QE-Programme ab dem Jahr 2011 einen erneuten Zusammenbruch nur notdürftig verhindert und die Schuldenblase neu aufgebläht. Die Anleiherenditen seien künstlich gedrückt worden und die Kurse und Bewertungen am US-Aktienmarkt in die Höhe geschossen. "Die Federal Reserve hat einen Kurzschluss im Abwertungsprozess erzeugt", ist sich Edwards sicher. "Wie eine künstliche Stimulanz hat QE alle Vermögenswerte aufgebläht und die Preise von ihrem fundamentalen Wert und von dort, wo sie sich eigentlich hinbewegt hätten, wegbefördert." Besonders ausgeprägt sei die Blase aktuell bei der Verschuldung von US-Unternehmen.

    Eigentlich steuere die Wirtschaft des Westens aber auf eine "neue Eiszeit" zu, sagt Edwards. Die Theorie der neuen wirtschaftlichen Eiszeit entwickelte Edwards bereits vor rund 20 Jahren mit Blick auf den japanischen Finanzmarkt - wo Anfang der 1990er Jahre eine gigantische Vermögensblase bei Aktien und Immobilien geplatzt ist. Von diesem Crash hat sich der japanische Aktienmarkt bis heute noch nicht vollständig erholt.

    Ganz ähnlich wie in Japan in den vergangenen Jahrzehnten werde es auch im Westen weitergehen, sagt Edwards. Der Aktienstratege verweist darauf, dass die Bewertungen an den westlichen Aktienmärkten bereits im Jahr 2000 ihre Hochs erreicht hätten - nicht aber die Kurse, die auch in der jüngsten Vergangenheit noch auf neue Rekordstände klettern konnten. Dies sei aber nur eine Unterbrechung auf dem Weg in die wirtschaftliche Stagnation und eine dramatische Abwertung der Aktienmärkte.

    Im Jahr 2009 sei das Tief am US-Aktienmarkt bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Gesamtmarkt von 10,5 erreicht worden. Bei der nächsten Rezession dürfte dieses Tief noch unterschritten werden und der Markt erst bei einem KGV von 7 einen Boden ausbilden. "Dies würde bedeuten, dass der S&P 500 unter das Tief des letzten Crashs von 666 Punkten fällt", so Edwards. Im Vergleich zum aktuellen Kursstand würde die einem Minus von mindestens 75 Prozent entsprechen. Den Kollaps werde auch die US-Notenbank nicht verhindern können.

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    Der S&P 500 im Langfristchart

    Die Anleiherenditen in den USA würden weiter sinken. "In der nächsten Rezession werden die Anleiherenditen in den USA in den negativen Bereich fallen und sich denen von Deutschland und Japan annähern".

    Auch wenn der Crash noch etwas auf sich warten lassen könne, empfiehlt Edwards den Anlegern, ihr Geld jetzt in Sicherheit zu bringen. Als sicheren Hafen für die nächsten sechs bis 18 Monate empfiehlt Edwards insbesondere US-Staatsanleihen. "Wenn die zehnjährige US-Anleihe von 3 % auf minus 1 % fällt, dann ist das eine riesige Rendite", sagt Edwards. An den Aktienmärkten könne man entweder in japanische Aktien investieren, wo das Schlimmste bereits vorüber sei, oder in US-Goldminenaktien, da der Goldpreis in der nächsten Rezession über den bisherigen Rekordstand bei rund 1.900 Dollar je Feinunze steigen werde. "Das Endspiel für die Eiszeit in der nächsten Rezession wird immer auf Währungskrieg, negative Anleiherenditen und negative Leitzinsen hinauslaufen", sagt Edwards.

    Nach dem kommenden Crash könnten Anleger dann wieder in Aktien umschichten. "Wenn Aktien dann hoffentlich wieder billig genug werden, ist das die eigentliche Chance", sagt Edwards. "Aber um diese Chance nutzen zu können, braucht man Cash."


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