Wer die Rally der letzten Monate nicht mitgemacht hat, weil er eine Korrektur erwartete, ärgert sich inzwischen vermutlich etwas. Argumente für eine Korrektur gab es immer ausreichend. Trotzdem passierte nichts. Inzwischen ist der Markt stark überkauft und dennoch kommt in den USA ein Allzeithoch nach dem nächsten.

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    Das Warten auf die Korrektur wird inzwischen selbst zum Ärgernis. Man fühlt sich fast wie im Wartezimmer des Hausarztes. Da tauchen Patienten eine Stunde, nachdem man selbst Platz genommen hat, auf und kommen auch noch früher dran. Da wird man schon mal unruhig, der Blutdruck steigt.

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    Innerlich kocht man. Alle kommen zum Zug, nur man selbst wartet wie bestellt und nicht abgeholt. So ähnlich fühlt man sich wohl auch, wenn man den täglich neuen Allzeithochs zuschauen muss. Vielleicht steigt dabei der Blutdruck nicht gleich in ungesunde Höhen, doch man wird den leichten Ärger nicht los, dass alle zum Zug kommen, nur man selbst nicht.

    Jetzt kann damit endlich Schluss sein. Anfang der Woche geisterte ein Chart durch die online Medien, der Bände spricht. Eine Variante davon zeigt Grafik 1. Dargestellt ist der S&P 500 sowie das S&P 500/VIX Verhältnis (S&P dividiert durch VIX). Ist die Volatilität (VIX) niedrig und der S&P hoch, steigt das Verhältnis.

    Über die Jahre muss das Verhältnis immer weiter ansteigen, sofern sich auch der Markt immer weiter nach oben entwickelt. Das tut er schon seit über 200 Jahren. Es ist davon auszugehen, dass er es langfristig auch in Zukunft tun wird. So wird auch das Verhältnis immer weiter steigen.

    Die Volatilität steigt und fällt, bleibt historisch gesehen aber in einem Band zwischen 10 und 80. Steigen Aktien gleichzeitig immer und immer weiter, steigt auch das Verhältnis. Genau das hat es seit Jahren getan. Nun stößt das Verhältnis an den Aufwärtstrend, der seit 1994 gilt. Im Jahr 2000 und 2007 endete das nicht gut.

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    Geht die Jahresendrally jetzt so langsam los, könnte der Markt bis Jahresende über den Aufwärtstrend steigen. Eine deftige Korrektur ist dann nur eine Frage der Zeit. Man soll sich aber nicht zu früh freuen. Die Grafik war mir persönlich etwas zu schön. Ich habe daher diverse Konstellationen ausprobiert (S&P 500 und VIX auf Monats-, Tages- und Wochenbasis sowohl zum Eröffnungs- und Schlusskurs und Hoch und Tief).

    Bei einer der Varianten kommt dieser sehr schöne erste Chart zustande. Nimmt man stattdessen den Wochenschlusskurs (Grafik 2), sieht die Sache nicht mehr ganz so eindeutig aus. Das zeigt, dass man nicht jeden Chart, der herumgeistert, gleich für bare Münze nehmen sollte und sein Depot leerräumt.

    Die Charts, egal in welcher Variante, haben trotzdem einen Wert. Der Trend des Verhältnisses ist eine Art Sentiment-Indikator. Stehen die Kurse bei niedriger Volatilität hoch, kann man davon ausgehen, dass Unbekümmertheit vorherrscht. Im Gegensatz zu klassischen Sentiment-Indikatoren, die nach dem persönlichen Empfinden von Anlegern fragen, beruht dieser hier auf dem, was Anleger tatsächlich tun. Derzeit ist das unbekümmertes Kaufen.

    Clemens Schmale

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