Das weltweite Finanzsystem steht vor dem Zusammenbruch. Da ist sich der Sachbuchautor und Fondsmanager Marc Friedrich, der zusammen mit Matthias Weik mehrere Beststeller zum drohenden Finanzcrash geschrieben hat, sicher. In der ZDF-Talkshow "Maybrit Illner" empfahl Friedrich in der vergangenen Woche deshalb Investitionen in Sachwerte. Diamanten, Perlen, Oldtimer, Kunstwerke, Wald, Streuobstwiesen, Gold, Bitcoin, aber auch Aktien seien zur Vermögenssicherung geeignet, so Friedrich.

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"Um so mehr Geld die Notenbank druckt, um so mehr braucht man ein Gegengewicht, eine Art Lebensversicherung gegen diesen Wahnsinn", sagte Friedrich. "Noch nie wurde die Krise durch Gelddrucken gelöst und noch nie wurde Wohlstand durch Gelddrucken [erzeugt]. Genau das haben wir in Deutschland in den 20er Jahren versucht." Wenn Gelddrucken eine Lösung wirtschaftlicher Probleme wäre, "müsste Simbabwe eines der reichsten Länder der Welt sein, aber die haben einen 100 Trillionen-Dollar-Schein", so Friedrich. "Man kann nicht Wohlstand erzeugen durch Gelddrucken."

In der kommenden Krise dürften die Notenbanken ihre geldpolitische Lockerung auf neue Extreme treiben, erwartet Friedrich. Nach Negativzinsen seien die nächsten zu erwartenden Maßnahmen Aktienkäufe durch die Notenbanken und die Verteilung von Helikoptergeld. "Das heißt Sie werden alle hier noch Geld bekommen, jeder bekommt dann 5.000 Euro oder 10.000 Euro. Also wir sind im Endspiel, im monetären Endspiel. Wir sehen einfach eine verzweifelte Notenbank. Wir werden auch nie wieder steigende Zinsen im Euroraum erleben."

Durch die Negativzinsen würden zahlreiche Unternehmen künstlich am Leben gehalten, die bei höheren Zinsen überhaupt nicht lebensfähig seien. "Die Bank of International Settlements, die Notenbank der Notenbanken, geht davon aus, dass in der Eurozone 15 Prozent aller Unternehmen Zombie-Unternehmen sind. Das heißt, die gibt es nur noch, weil die Zinsen so niedrig sind und weil die mit billigem Geld künstlich am Leben erhalten werden", sagt Friedrich.

Nicht nur Unternehmen, sondern auch zahlreiche Euro-Staaten seien weiterhin überschuldet. "Die südlichen Länder Europas müssen sich in den nächsten Jahren mit hunderten Milliarden an Staatsanleihen refinanzieren, da ist die Frage, wer kauft die noch außer der EZB. Parallel haben wir jetzt schon die Banken und die Versicherungen. Da gibt es ein großes Banken- und Versicherungssterben, weil der Nullzins und der Negativzins die Bilanzen und die Gewinne auffrisst", meint der Ökonom. "Wir sehen die Aktienkurse, Deutsche Bank, Commerzbank, die müssen verstaatlich werden, weil spätestens in ein bis zwei Jahren werden die umkippen. Dann muss der Staat wieder eingreifen, wir dürfen wieder Garantien vergeben, weil die einfach nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Also ein großes Banken- und Versicherungssterben wird kommen. Wir haben 2,6 Billionen Euro durch die Aufkaufprogramme der EZB ins System gepumpt, für die wir alle haften." Deutschland sei als größter Anteilseigner der EZB besonders von den drohenden Verlusten betroffen, so Friedrich.

"Was wir erleben seit 2008 ist ein historischer Vertrauensverlust, in das Geldsystem, in die Banken, weil die uns alle betrogen haben, in die Politik, die wir demokratisch legitimert haben, weil die nicht uns vertreten haben in der Krise, sondern den Banken zur Seite gesprungen sind und noch mit Steuergeldern gerettet haben und Garantien gegeben haben. [...] Wir alle haften doch für den Kladderadatsch, für die Griechenland-Rettung", so Friedrich. "Es macht doch keinen Sinn, wenn Griechenland sich aktuell günstiger verschulden kann an den Kapitalmärkten als die USA. Wir wissen doch alle, die sind de facto bankrott. Italien genau so, die sind unregierbar, haben eine Rekordstaatsverschuldung, eine Rekord-Jugendarbeitslosenquote und trotzdem können die sich so günstig verschulden wie noch nie in der Geschichte. Das ist doch absurd. Das zeigt doch, dass das ganze Euro-System ad absurdum geführt wurde."

Die mangelhafte Reaktion der etablierten politischen Parteien befördere einen Aufstieg von Extremisten. "Die Politik versagt auf ganzer Linie. Wir erleben doch einen historischen [Vertrauensverlust]. (...) Wir werden weiterhin die Tendenzen sehen, dass die Ränder immer stärker werden, weil die Menschen das Vertrauen in die etablierten Parteien verlieren, und das leider völlig zu Recht, weil sie lethargisch sind und weil sie inkompetent sind", so Friedrich.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher widersprach den Aussagen von Friedrich vehement: "Das ist eher Demagogie, das hat nichts mit Fakten zu tun. Das ist einfach nur Schwarzmalerei." Viele europäische Länder hätten harte Reformen umgesetzt und die Banken seien in einer gesünderen Verfassung als nach der Finanzkrise. "Schauen Sie sich Spanien an, schauen Sie sich Portugal an, schauen Sie sich Irland an. Die sind auf einem guten Weg, das Finanzsystem ist am gesunden, sagte Fratzscher. Die Thesen von Friedrich hätten keine wissenschaftliche Basis, so Fratzscher.

https://www.youtube.com/watch?v=V2V_2Pp4U58

Geld verdienen konnten Anleger mit der Crashhypothese von Marc Friedrich und Matthias Weik bisher nicht. Der von den beiden Crashpropheten gemanagte Fonds konnte zwar seit Ende 2018 deutlich zulegen, holte allerdings damit nur die vorherigen Verluste seit Auflegung des Fonds teilweise auf. Gegenüber simplen Indexfonds auf den Aktienmarkt der Industrieländer (MSCI World) blieb der von den beiden Ökonomen gemangte Fonds deutlich zurück, wie der folgende Chart zeigt. Anleger waren bisher gut beraten, nicht auf die Crashpropheten zu hören.

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Friedrich & Weik Wertefonds ggü. MSCI World ETF

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