Manchmal ist Börse erfreulich einfach. Man muss nur rechtzeitig seine Brille aufsetzen, wie wir das ja auch schon vor einer Woche an dieser Stelle ausgeführt hatten.

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Dazu gleich mehr.

Sehen wir uns zunächst den japanischen Nikkei225 an. Vor einigen Wochen hatten wir an dieser Stelle gewarnt, dass dort gerade ein Bärenmarkt beginnt. Was damals noch niemand sehen wollte, und auch jetzt kaum jemand sieht, das hat sich in dieser Woche bestätigt: Seit seinem Hoch hat der japanische Aktienindex in der Spitze mehr als 20 Prozent abgegeben. Damit ist der Aktienmarkt in Japan per Definition in einem Bärenmarkt. Dazu passend hat sich beim MACD auf Wochenbasis ein Verkaufssignal gebildet. Achten Sie auf die blaue Markierung in der folgenden Abbildung.

Die Entwicklung in Japan ist deshalb alarmierend, weil Sie uns zeigt, dass die Politik der Notenbanken jetzt an ihre Grenzen stößt: Der eingeschlagene Weg, die Probleme mit immer mehr Geld lösen zu wollen, kommt an sein Ende. Weil dieser Weg nirgendwo sonst auf der Welt zuletzt derart exzessiv auf die Spitze getrieben wie in Japan, ist die jüngste Entwicklung dort selbstredend auch für die übrigen Märkte nicht bedeutungslos. Tatsächlich zeigen sich auch dort jetzt bemerkenswerte Phänomene, die allerdings erst auf den zweiten Blick sichtbar werden:

Vor Wochenfrist hatten wir einige fundamentale Fakten aufgelistet, die belegen, dass der laufenden Börsenparty nur noch eine sehr begrenzte Lebensdauer beschieden sein wird.

Interessanterweise wird diese Aussage nun von einer charttechnischen Beobachtung gestützt, die Sie in den Mainstream-Medien in dieser Form nicht finden werden, weil es sich dabei um eine sehr langfristige Betrachtung handelt. Und bei Spiegel, Stern und Focus macht sich niemand die Mühe, die Dinge aus der Vogelperspektive zu betrachten, also von ganz weit oben.

Ganz im Gegenteil: Dort wird jetzt wieder die Devise ausgegeben, dass Aktien wunderbare Investments seien, krisensicher und inflationsgeschützt. In jüngster Zeit wird zusätzlich die Liquiditätskeule ausgepackt. Damit werden all jene Argumente erschlagen, die man bei kritischer Betrachtung der Sachlage gegen eine Fortsetzung der Börsenparty anführen könnte.

Schärfen wir also unsere Argusaugen und sehen wir etwas genauer hin als die Kollegen in den Schreibstuben von ARD und ZDF.

Bei der Betrachtungen von Aktien oder Indizes werden traditionell meist Tagescharts herangezogen. Dabei bildet der Verlauf eines Handelstages eine Kerze mit Eröffnungskurs, Schlusskurs, Hoch- und Tiefpunkt. Das kann man natürlich machen. Leider werden einem die Feinheiten des Geschehens dabei verborgen bleiben. Kursverläufe auf Wochenbasis sind das schon etwas günstiger, weil damit einiges an „Grundrauschen“ herausgefiltert wird.

Den Blick auf das große Ganze richtet man wohlweislich aber mit einem Kursverlauf auf Monatsbasis. Das nervöse Gezappel bleibt dann zuverlässig draußen, die Betrachtung wird auf das Wesentliche konzentriert. In der folgenden Abbildung haben wir das getan. Das Ergebnis deckt sich auf wundersame Weise mit unseren fundamentalen Beobachtungen.

Nachfolgend sehen Sie den Kursverlauf des marktbreiten S&P 500, wobei jede Kerze den Verlauf eines ganzen Monats abbildet. Interessant sind nun die rot markierten Monatskerzen. Sie zeigen all jene Fälle an, da sich ausgelöst durch wachsenden Verkaufsdruck ein im Verhältnis zum Kerzenkörper auffallend langer oberer Docht gebildet hatte.

Das hört sich eigentlich ganz undramatisch an, ist es aber nicht: Die erwähnten Monatskerzen machen deutlich, dass sich die wahren Absichten des großen Geldes auch durch noch so geschickte Medienpropaganda nicht dauerhaft verschleiern lassen.
Offen zu Tage tritt dies, wenn man einmal untersucht, was geschehen ist, wenn in der Vergangenheit während eines ganzen Monats Verkaufsdruck vorherrschend war, und dies in Form eines langen oberen Dochts bei der betreffenden Monatskerze sichtbar wurde. Verkaufsdruck bei einem marktbreiten Index wie dem S&P 500 kann ja nur dann entstehen, das zu verstehen ist wichtig, wenn große Adressen ihre Aktien beim Fußvolk „abladen“. In den vergangenen 20 Jahren ist dies beim weltweit wichtigsten Börsenbarometer bislang genau siebenmal geschehen:

Die im Rückblick bedeutendsten Monatsverläufe wurden im Sommer und im Spätherbst des Jahres 2000, sowie im Frühjahr 2001 und im Sommer 2007 registriert. Daneben sind noch zwei weniger prominente Monatskerzen mit langen oberen Dochten auf unserem Radarschirm aufgetaucht: Juli 1998 und Mai 2008 (blaue Markierungen).

In allen (!) diesen Fällen war es anschließend entweder sofort oder mit einer Verzögerung von einigen Wochen beim S&P 500 zu sehr markanten Kurseinbrüchen gekommen. Anders formuliert:

Wer seine Brille rechtzeitig aufgesetzt hatte, den haben die Monatskerzen mit langen oberen Dochten bisher in fünf Fällen rechtzeitig vor sehr dramatischen Abwärtsbewegungen der Börsen gewarnt. Nur einmal, und zwar im Sommer 1998, war eine Korrektur von „nur“ 22 Prozent die Folge.

In allen anderen Fällen waren die Kursverluste weitaus folgenreicher. Einzige Ausnahme: Die schwache Monatskerze vom Oktober 2009, während der noch jungen Börsenhausse also, die gerade hinter uns liegt, leitete lediglich eine Konsolidierung von rund zehn Monaten Dauer ein. Unterm Strich bewegten sich die Kurse in dieser Zeit seitwärts.

Interessant ist auch, dass sich die Baisse des Sommers 2011 mit einem Verlust von immerhin 19 Prozent beim S&P 500 nicht durch eine „Crashkerze“ angekündigt hat. Das große Geld war hier im Vorfeld offenbar investiert geblieben. Jetzt ist das offensichtlich anders...

Tja, und die jüngste dieser sieben Baissekerzen, Sie ahnen es schon, die datiert vom Mai 2013. Ein Schlag ins Gesicht ist das für all jene, die jetzt von DAX 10.000 faseln und ähnlichen Unsinn verbreiten....

Durch den Kakao gezogen...
Die altbekannte Regel „Sell in May“ wurde in jüngster Zeit von einigen Kollegen ja genüsslich durch den Kakao gezogen. Das viele Geld werde „garantiert“ dafür sorgen, dass die Börsen weiter ansteigen werden, so tönt es derzeit aus allen Kanälen.

Nach unserer Betrachtung ist klar, dass die spöttischen Kommentare verfrüht sind. Denn erstens hat der S&P 500 sein Hoch vom Mai 2013 noch gar nicht wieder überwunden. Es ist deshalb keineswegs sicher, ob nicht diejenigen, die im Mai 2013 ihre Aktien verkauft haben, die großen Gewinner des Jahres 2013 sein werden. Zweitens ist nach den Erfahrungen mit ähnlichen Konstellationen zu vermuten, dass der S&P 500 sein Hoch vom Mai mittelfristig nicht mehr überwinden wird, jedenfalls nicht nachhaltig.

Im Gegenteil: Da braut sich was zusammen. Das muss im Übrigen kein ausgewachsener Crash sein. Eine ausgeprägte Börsenschwäche über einige Monate würde schon reichen, um einiges von jenem Porzellan zu zertrümmern, das viele Börsianer in ihren Luftschlössern aufgetürmt haben.

Doch im gegenwärtigen Umfeld könnte natürlich auch sehr viel mehr daraus werden. Achten Sie auf Japan...

In der Juni-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs sind wir den Dingen auf den Grund gegangen und haben dabei einige bemerkenswerte Entdeckungen gemacht...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und [Link "www.antizyklischer-aktienclub.de" auf www.antizyklischer-aktienclub.de%20/... nicht mehr verfügbar]