In dieser Woche war es an der US-Technologiebörse zu einem Ereignis gekommen, das Anleger lange nicht mehr gesehen haben: Wie aus heiterem Himmel waren Börsenstars wie Facebook, Microsoft und Co "urplötzlich" um mehr als zwei Prozent eingebrochen. Es war der größte Tageseinbruch seit der „kalten Dusche“ zu Jahresbeginn. Am Ende blieb ein Verlust von rund 1,9 Prozent.

Besonders erhellend ist jetzt ein Blick auf den in den USA weit verbreiteten Technologie-ETF mit dem Kürzel QQQ. Das Papier bildet die Schwergewichte aus dem NASDAQ100 ab. Am Donnerstag wurde hier bei stark fallenden Kursen der größte Tagesumsatz seit dem Panik-Tief vom April dieses Jahres markiert. Die folgende Grafik zeigt das. Achten Sie auf die blaue Markierung.

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Stark fallende Kurse in der Nähe eines mutmaßlichen Tops sind vor allem dann ein ernst zu nehmendes Warnsignal, wenn sie mit hohen Umsätzen einhergehen. In der Tagesbetrachtung ist die Lage daher ziemlich eindeutig: Weitblickende Anleger sollten jetzt in Deckung gehen.

Verstärkt wird dieser Eindruck durch die Wochenanalyse: Bei MACD und RSI zeigen sich jetzt sehr massive negative Divergenzen. Die Rekordstände bei den Technologie-Aktien werden von diversen Indikatoren nicht mehr bestätigt. Achten Sie auf die fallenden roten Linien in der folgenden Abbildung.

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Den plötzlichen Einbruch an der NASDAQ sollte man noch aus einem anderen Grund ernst nehmen: Der Vorgang ist ein Indiz dafür, dass die Risikobereitschaft der Anleger abnimmt. Eine Rolle könnten auch die steigenden US-Zinsen spielen, denn gerade der Technologiesektor reagiert wegen der hohen Verschuldung vieler Wachtumsfirmen relativ zinssensibel. Wie an der Börse sehr oft zu beobachten, erfolgt der Stimmungswechsel in dem Sektor jetzt „aus heiterem Himmel“.

Interessanterweise bilden die sechs größten US-Technologiefirmen Facebook, Apple, Amazon, Netflix, Google und Microsoft derzeit rund 17 Prozent des gesamten S&P 500 ab. Ein vergleichbarer Technologie-Hype wurde zuletzt im Jahr 2000 erreicht, und zwar von den damaligen Börsenstars Intel, Cisco, Lucent, Microsoft, Oracle und Dell. Was anschließend passiert ist, dürfte alten Börsenhasen noch bestens in Erinnerung sein.

Wird das Jahr 2018 also womöglich als ein „Rekordjahr“ in die Geschichtsbücher eingehen, bei dem es auf der Zielgeraden statt zu der allseits erwarteten Jahresendrallye zu einem herben Rückschlag gekommen ist?

Denn die "Bestmarken", die in den vergangenen zwölf Monaten markiert wurden, sind allesamt von der unerfreulichen Sorte: Bewährte Kennzahlen der fundamentalen Aktienanalyse etwa, wie das Kurs-Umsatz-Verhältnis oder das Shiller-KGV, befinden sich derzeit ebenso in der Nähe von Allzeithochs, wie diverse Sentiment-Indikatoren, oder auch die Aktienkäufe auf Kredit. Letztere zeigt die folgende Grafik. Achten Sie auf die rote Linie.

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Die Interpretation ist auch hier ziemlich klar: Dreht die rote Linie nach unten, wie sich das im Moment andeutet, dann ist dies ein sicherer Indikator für eine Trendumkehr am Aktienmarkt. In der Praxis geraten die Kurse dann durch Zwangsliquidationen unter Druck, wodurch sich die Verkaufswelle an den Aktienmärkten weiter verstärkt. Die blaue Linie bildet den S&P 500 ab.

Es fügt sich ganz hervorragend, dass die wöchentlichen Zuflüsse bei den Aktienfonds vor wenigen Wochen ein neues Mehrjahreshoch markiert hatten. Achten Sie auf den senkrechten Balken in der folgenden Abbildung ganz rechts.

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Der Vorgang entbehrt nicht einer gewissen Komik, denn die gut informierten Manager der Unternehmen tun derzeit das genaue Gegenteil: Anstatt bei der Börsenparty mitzufeiern, haben die Insider in den USA im September 2018 so viele Aktien verkauft wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Im Klartext: Während derzeit „Hinz und Kunz“ aufs Parkett stürmen, um unbedingt dabei zu sein bei der scheinbar nie endenden Party an den Aktienmärkten, stehen die gut informierten Unternehmens-Insider sehr eindeutig auf der Verkäuferseite. Und sie laden das „Material“ bei jenen Marktteilnehmern ab, die bei allen Aktienmarktexzessen traditionell am Ende die Zeche bezahlen.

Die „Jahresendrallye“ könnte daher in 2018 einen ganz besonderen Charme entfalten. Die vergangene Woche an der NASDAQ war ein erster Hinweis in diese Richtung…

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Zum Autor:

Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG. Weitere Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de


Andreas Hoose vertritt mit diesem Artikel seine eigene Meinung. Diese muss sich nicht zwangsläufig mit der Meinung von GodmodeTrader decken. Es erfolgt keine Prüfung durch eine Schlussredaktion.