Die USA haben die Welt tief verunsichert. Im März stellte ich die Frage, ob wir gerade eine Art Lehman Brothers Moment erleben. Konkret ging es um den weltweiten Handel und die Zollpolitik der USA.

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Als Lehman Brothers pleite ging, war es schon geschehen. Daher war der Beginn der US-Zollpolitik eher ein Bear Stearns Moment. Bear Stearns musste Anfang 2008 vor der Pleite gerettet werden. Es war die erste offensichtliche Schieflage, die Anleger hätte aufschrecken können.

Zwischen dem ersten Schock und den realen Konsequenzen vergeht häufig viel Zeit. Das ist auch in der Handelspolitik nicht anders. Erst wurden vereinzelte Zölle erhoben. Gerade, wenn es um China geht, kann von vereinzelt nun nicht mehr die Rede sein.

Auf dem G20 Gipfel haben sich China und die USA auf neue Verhandlungen geeinigt. Die USA erheben vorerst keine weiteren Zölle. Damit bleibt der Lehman Moment vorerst aus. Den Bear Stearns Moment hatten wir aber schon. Die Katastrophe ist erst einmal aufgeschoben, kann aber immer noch im März 2019 kommen, wenn sich die USA und China nicht einigen.

Auch neue Zölle, z.B. auf Autos aus der EU, sind noch nicht vom Tisch. Die Lage kann weiter eskalieren. Eine Deeskalation zum jetzigen Zeitpunkt ist besser als nichts, aber nicht genug. Das Schlamassel ist bereits entstanden und die Folgen sehen wir jetzt.

Weltweit gibt es einen Abschwung. Das wird anhand der Handelsdaten immer offensichtlicher. Bis zum Sommer gab es in einigen Regionen noch einmal einen kleinen Aufschwung. Seither gehen die Importe deutlich zurück (Grafik 1). In der Eurozone sehen wir schon das ganze Jahr über eine Stagnation und jetzt den Trendwechsel.


In Japan befinden wir uns bereits in einem Abwärtstrend. Nur die USA scheren aus. Hier wurde besonders viel importiert. Das lag einerseits daran, dass die Konjunktur gut lief und andererseits auch daran, dass vor Einführung der Zölle noch einmal viel importiert wurde.

Das hat dafür gesorgt, dass die Exportentwicklung in vielen Regionen gar nicht so schlecht aussieht (Grafik 2). Von Japan abgesehen konnten die meisten Regionen vom Importhunger der USA profitieren. Die Exporte sagen aber viel mehr über die USA aus als über die wirtschaftliche Entwicklung in den jeweiligen Ländern. Hier geben die Importe einen besseren Hinweis und der Trend zeigt nach unten.

Das Handelsvolumen wächst inzwischen nur noch in den USA (Grafik 3). Japan und die Eurozone schrumpfen. Die Eurozone hat sogar den größten Abschwung seit 2013 zu verkraften. Das ist besonders kritisch, denn ein Teil des Aufschwungs wurde ganz klar durch den Handel ermöglicht.

Global sehen wir eine Trendwende. Diese ist nicht allein auf die USA zurückzuführen, aber unschuldig sind sie nicht. Wenn man nicht weiß, ob man morgen noch in die USA exportieren kann, wird weniger investiert. Allein die Unsicherheit lähmt die Wirtschaft. Die Folgen sehen wir jetzt in einem globalen Abschwung.

Das wird auch die USA erfassen. 2018 wurde das überdeckt. Steuerreform und Konjunkturprogramm haben es möglich gemacht. 2019 müssen die USA dann auch ihre eigene Suppe auslöffeln. Das wird wenig Spaß machen.