Während der Finanzkrise sprachen alle von Helikoptergeld, aber es kam nie. Spekuliert wurde, dass der Staat seinen Bürgern Geld schenken würde. Das war am Ende nicht notwendig. In der Coronakrise ist das anders. Erstmals wird Geld verteilt und das nicht zu knapp.

In den USA gab es die Geldgeschenke in Form eines Schecks in der Höhe von 1.200 Dollar. Zusätzlich wurde die Arbeitslosenhilfe massiv erhöht. Einige Arbeitnehmer bekommen nun mehr als sie zuvor als Gehalt erhalten haben.

Geldgeschenke gab es allerdings nicht nur in den USA. In vielen europäischen Ländern wurde das Kurzarbeitergeld erhöht. In Spanien bekommen Haushalte mit besonders geringen Einkommen nun ein bedingungsloses Grundeinkommen. Selbstständige, die nicht arbeitslosenversichert waren, wird in vielen Ländern ebenfalls durch Geldtransfers geholfen.

Es ist das erste Mal, dass weltweit viele Regierungen zu Direktzahlungen greifen und es ist gut, dass sie das tun. In normalen Rezessionen haben Regierungen bisher zu traditionellen Konjunkturprogrammen gegriffen. Dabei wird die Nachfrage durch höhere Staatsausgaben angekurbelt, z.B. indem mehr in die Infrastruktur investiert wird.

Solche Programme sind schwerfällig und wirken sich häufig nur auf wenige Branchen positiv aus. Geldgeschenke sind etwas anderes. Jeder kann selbst entscheiden, was er mit dem Geld macht. Kritiker befürchten, dass ein Großteil des Geldes gespart wird und daher der Konjunktur nicht hilft. Das stimmt so nicht.

Der Konsum ist während des Lockdown eingebrochen. Das war klar. Sind Geschäfte geschlossen, wird eben weniger konsumiert, weil man nicht einkaufen gehen kann. In einigen Ländern sind die Konsumausgaben schon wieder auf Vorkrisenniveau (Deutschland) und nur knapp darunter (USA).

Die Branchen sind natürlich unterschiedlich weit. In den USA liegen die Ausgaben für Essen in Restaurants noch immer 40 % unter dem Vorkrisenniveau (Grafik 1). In anderen Bereichen ist das Vorkrisenniveau wieder oder fast wieder erreicht.

Dieser Konsumrausch wird vor allem von denen getragen, die geringe Einkommen haben. Die Konsumausgaben der Haushalte mit den geringsten Einkommen haben das Vorkrisenniveau wieder erreicht (Grafik 2). Der Grund dafür liegt auf der Hand. Was eingenommen wird, kann nicht gespart werden. Die Einnahmen gehen eins zu eins in die notwendigen Ausgaben für Miete, Essen usw.

Ohne Geldgeschenke hätten diese Haushalte einfach weniger Geld und würden weniger ausgeben, nicht, weil sie freiwillig sparen, sondern weil sie einfach nicht die Mittel haben. Geldgeschenke für Haushalte mit niedrigen Einkommen sind ein sehr effizientes Konjunkturprogramm. Gespart wird nichts. Je höher die Haushaltseinkommen sind, desto mehr wird in Krisenzeiten gespart. Noch immer liegen die Konsumausgaben hier zweistellig im Minus. Gelgeschenke bringen dort nichts.

Regierungen haben Geldgeschenke als Konjunkturhilfen entdeckt. Im nächsten Schritt wäre eine gezieltere Anwendung wünschenswert. Das Experiment hat jedenfalls bisher gut funktioniert und Politiker nehmen dieses Instrument hoffentlich in ihr Arsenal auf.

Clemens Schmale


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