Jetzt kommen sie wieder aus ihren Löchern gekrochen, jene Börsenkommentatoren, die immer dann, wenn die Kurse scheinbar unaufhaltsam in den Himmel klettern, das dümmste von allen Argumenten hervorkramen.
Die Börse, so lautet das Erklärungsmodell auch jetzt wieder, sei ein „vorauslaufender Indikator“. Daher werde jetzt eine Wirtschaftserholung „eingepreist“, die erst in einigen Monaten sichtbar werden wird. Einige Kollegen sind sich nicht einmal zu schade, aufgrund dieser Beobachtung jetzt einen „jahrelangen Bullenmarkt“ heraufziehen zu sehen...

Über so viel Einfältigkeit kann man eigentlich nur den Kopf schütteln, aber was nützt es: Zahllose Anleger werden diesen Unsinn glauben und sich, wie schon in unzähligen Fällen zuvor, schwer die Finger verbrennen. Selbst schuld, kann man nur sagen. Denn dass die Börse alles andere ist, nur kein vorauslaufender Indikator, das könnte jeder mit ein wenig gesundem Menschenverstand selbst herausfinden.

Blättern wir ein wenig zurück in der jüngsten Finanzmarktgeschichte.
Wir schreiben das Jahr 2000. So genannte „Börsengurus“, wie ein gewisser Henry Blodget versichern, dass althergebrachte Bewertungskennzahlen bei den Internet-Aktien keine Gültigkeit mehr besitzen. Gewinne und das altmodische „KGV“ seien vollkommen überholt.

Vielmehr komme es darauf an, dass die Unternehmen hohe Verluste (!) machten, um so und über die Aufnahme immenser Kredite einen Anstieg der Umsätze zu erkaufen. Wie die Geschichte ausgegangen ist? Kaum jemand erkennt diesen Wahnsinn, die Börse als angeblich vorauslaufender Indikator schon gar nicht. Ganz im Gegenteil. Kreditfinanzierte Aktienkäufe der Kleinanleger markieren etwa in dieser Zeit ihr bisheriges Allzeithoch. Fondsmanager stürmen an die Börse und schwärmen von den „besten Liquiditätsbedingungen aller Zeiten“ Und die Kurse klettern unaufhörlich weiter nach oben. So lange bis sie eben nicht mehr klettern. Was folgt, ist eine der schwersten Baissen der jüngeren Geschichte, die erst im Jahr 2003 endet...

Wir schreiben das Jahr 2007. Die Immobilienkrise in den USA ist längst Tagesgespräch geworden. Doch die Börse, den „vorauslaufenden Indikator“ kümmert das nicht. Schließlich werden Immobilienkredite in den USA gerade zu ganzen Paketen gebündelt und weiter verkauft. Was für ein geniales Geschäftsmodell! Inmitten der schönsten Euphorie im Sommer des gleichen Jahres verkündet der gleiche deutsche Vermögensverwalter, der kürzlich das Platzen der Goldblase ausgerufen hat, sein Kursziel für den DAX: 28.000 Punkte. Man lässt sich nicht lumpen. Schließlich zeigten doch die Börsenkurse, dass ein massiver Konjunkturaufschwung unmittelbar bevorstehe. Ach ja: Kreditfinanzierte Aktienkäufe der Kleinanleger erreichen erneut ihr Allzeithoch aus dem Jahr 2000 und Fondsmanager schwärmen von den „besten Liquiditätsbedingungen aller Zeiten“ Was folgt, ist eine der schwersten Baissen der jüngeren Geschichte, die erst im Jahr 2009 endet...

Die größte Dummheit aller Zeiten?
Wir schreiben das Jahr 2013. Aus der US-amerikanischen Immobilienkrise des Jahres 2007 ist längst eine weltweite Banken- und Staatsschuldenkrise geworden. Etliche Länder in Europa stehen vor dem Staatsbankrott und sind nur noch am Leben zu erhalten, weil Sparer und Steuerzahler einspringen. Der Zugriff auf die Konten der Bürger in Europa wird zum „Normalfall“ deklariert. In Japan wird die Währung zum Abschuss freigegeben. In den USA kommt die Wirtschaft trotz niedrigster Zinsen nicht in Fahrt. Fast 50 Millionen Menschen müssten verhungern, wenn der Staat nicht mit Lebensmittelmarken aushelfen würde.

Und wieder steigen die Aktienkurse, denn die Börse ist ja ein „vorauslaufender Indikator“ und kündigt deshalb jetzt eine gigantische Wirtschaftserholung an. Ach ja: Kreditfinanzierte Aktienkäufe der Kleinanleger erreichen erneut ihr Allzeithoch aus dem Jahr 2000 und Fondsmanager schwärmen von den „besten Liquiditätsbedingungen aller Zeiten“. Was folgt, das wird vermutlich als eine der größten kollektiven Dummheiten in die Finanzmarktgeschichte eingehen...

Wie der Wahnsinn diesmal endet, das lässt sich leider nicht prognostizieren. Was die Krise in Europa angeht, sieht es ganz danach aus, als hätten die Bürger nur noch die Wahl zwischen Pest und Cholera. Wobei Pest für einen Ausstieg Deutschlands aus dem Euro steht, mit allen daraus resultierenden Folgen – oder eben Cholera, was als „Rettung“ des Euro bis zum bitteren Ende verstanden werden darf.

Eine der wichtigsten Etappen auf dem einen oder anderen Weg wird die Bundestagswahl im Herbst markieren. Hier wird jetzt mit allen Bandagen gekämpft, wie die Kollegen der ARD-Redaktion „hart aber fair“ in dieser Woche eindrucksvoll bewiesen haben.
Während der Sendung vom 06. Mai 2013 mit dem Thema „Entscheidet die D-Mark-Partei die Bundestagswahl?“, gemeint war die Alternative für Deutschland (AfD), lief eine Online-Abstimmung mit der Frage "Wünschen Sie sich die D-Mark zurück?".

Grafik: ARD

Noch während der laufenden Sendung votierten 80,7 Prozent der Zuschauer für die D-Mark, nur 19,3 Prozent entschieden sich für die Beibehaltung des Euro. Doch das zweifellos nicht ganz uninteressante Ergebnis wurde während der laufenden Sendung und auch später nicht bekannt gegeben. Eine schöneren Beweis, wie sehr sie bemüht sind, die Meinung der Bundesbürger zu manipulieren, haben Öffentlich-Rechtliche Sendeanstalten selten erbracht...

Grafik: ARD

Zum Thema Euroausstieg Deutschlands hat Bestsellerautor Dr. Udo Ulfkotte den Deutschen Wirtschaftsnachrichten in dieser Woche ein Interview gegeben. Ulfkotte sagte:

"Dirk Müller hat es unlängst auf den Punkt gebracht. Die Masse der Bürger da draußen hat die Schnauze von den Politikern voll. Und dieses „Schnauze voll“ äußert sich im rasanten Aufstieg der AfD. Da stehen auf einmal Menschen aus der Mitte der Gesellschaft und sagen „Schnauze voll“. Damit kann sich jeder identifizieren. Weil fast jeder die Schnauze voll hat. Politiker der etablierten Parteien stehen ja auf der Beliebtheitsskala der Bürger inzwischen ganz am Ende. Ich bin überzeugt davon, dass die AfD enormen Druck auf jene Politiker ausüben wird, welche die Bürger nur noch als lästige Bestandteile einer Demokratie betrachten".
[Link "http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/05/10/geheime-plaene-merkel-steht-idee-eines-nord-euro-aufgeschlossen-gegenueber/" auf deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/... nicht mehr verfügbar]
In der Mai-Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs haben wir auch an den Märkten einige sehr interessante Entwicklungen ausfindig gemacht, die deutlich machen, wo man jetzt investieren sollte. Soviel sei verraten: Der DAX ist es nicht...

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de