Im Zweiten Deutschen Fernsehen ging es am Donnerstagabend bei Maybritt Illner wieder einmal um die Frage, ob der Euro in Gefahr ist. Man kennt diese Diskussionsrunden ja mittlerweile. Nahezu täglich fühlt sich irgendein Fernsehsender bemüßigt, das Euro-Desaster in epischer Breite zu würdigen.

Doch wer Augen im Kopf hat, der wird bemerkt haben, dass die Ausgangsfrage dieser Diskussionsrunden längst beantwortet ist. Nicht nur der Euro ist in Gefahr, das Gleiche trifft auf alle Papierwährungen weltweit zu. Dass dem so ist, liegt schlicht und ergreifend an den weltweit explodierenden Schulden, die uns wegen des Zinseszinseffekts in den kommenden Jahren um die Ohren fliegen werden.

Wer das nicht glaubt, der möge sich einmal die aktuellen Zahlen zu den gerade diskutierten Euro-Bonds zu Gemüte führen. Er wird dann erkennen, dass die Summen, um die es geht, immer astronomischer werden: Während der EU-Rettungsschirm ursprünglich auf ein Volumen von 750 Milliarden Euro angelegt war, was ja auch nicht gerade in die Kategorie Kleingeld fällt, haben Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker und der italienische Finanzminister Tremonti nun die Einführung von Euro-Bonds angemahnt. Nur diese Schuldpapiere seien in der Lage, das Problem zu lösen. Aha.

Nur zwischen den Zeilen ist zu lesen, dass die beiden Politiker dabei noch eine „Schippe Sand“ draufpacken wollen: Bei den Euro-Bonds soll es um eine Größenordnung von 40 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung der Europäischen Union gehen. Das sind ganz grob gerechnet 4.800 Milliarden Euro. Der „alte“ Rettungsfonds, den sich unsere Politiker ja auch erst vor einem halben Jahr ausgedacht haben, würde da gut sechsmal reinpassen.

Daraus folgt zweierlei...

Erstens: In der Europäischen Union brennt längst das Dach, während die Feuerlöscher verzweifelt nach immer größeren Wassereimern suchen. Und zweitens: Der Zinseszinseffekt, nach einem Bonmot von Albert Einstein die „stärkste Kraft des Universums“ wird nicht nur den Euro zerbrechen lassen, sondern all das schöne Papiergeld dieser Welt zermalmen. So einfach ist das. Doch davon hören Sie in all diesen TV-Diskussionsrunden natürlich kein Wort. Das ist allerdings auch kein Wunder, weil sich die ganze Aufregung damit erledigt hätte und jeder wüsste, was passieren wird und was zu tun ist.

Doch das will man natürlich nicht. Niemand will, dass die große Masse die Wahrheit erfährt. Banken, Politiker und Massenmedien sorgen dafür, dass der „Mann auf der Straße“ ruhig gestellt bleibt. Niemand soll sich Sorgen machen. Der Grund ist einleuchtend: Würden die Menschen die Gefahr erkennen, und beispielsweise ihr Geld von der Bank holen, dann wäre der gesamte Finanzsektor innerhalb weniger Stunden pleite.

Erhellender Moment...

Deshalb war der erhellendste Moment in der Diskussionsrunde am Donnerstagabend im ZDF das kurze Wortgefecht zwischen meinem Kollegen Dirk Müller und dem Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Thomas Mayer.

Die beiden Diskutanten waren unterschiedlicher Ansicht in der Frage, ob die Märkte manipuliert werden. Dass ein Chefvolkswirt der Deutschen Bank dies für absurd hält, ist keine Überraschung. Oder würde jemand ernsthaft erwarten, der Abgesandte von Josef Ackermann würde in einer öffentlichen Diskussionsrunde die Karten auf den Tisch legen und etwa erklären:

„Ja, natürlich werden die Märkte manipuliert, und die Deutsche Bank gehört zu den erfolgreichsten Falschspielern“.

Auch wenn das der Wahrheit schon wesentlich näher kommt, als all die Luftblasen, die in solchen Diskussionsrunden aufgepumpt werden, sagen wird so etwas natürlich niemand.

Dirk Müller, der seine Erkenntnisse nicht irgendeinem Volkswirtschafts-Seminar entnommen hat, sondern aus der Börsenpraxis kommt, ist der Wahrheit da schon sehr viel näher. Deshalb konnte er die empörten Zurückweisungen des Deutsche Bank-Chefvolkswirts, so konspirativ seien die Märkte doch gar nicht, mit einem lächelnden „Oh doch!“ zurückweisen. Sie finden die Stelle in folgendem Video ab Minute 57.

[Link "http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1210658/Maybrit-ILLNER-Vorschau-9.-Dezember#/beitrag/video/1211986/Ist-der-Euro-in-Gefahr?" auf www.zdf.de/... nicht mehr verfügbar]
Denn natürlich werden die Märkte manipuliert. Wer etwas anderes behauptet, der hat entweder keine Ahnung oder er lügt. Der Grund ist vollkommen trivial und hat viel mit der menschlichen Gier zu tun: Nirgendwo sonst ist es so einfach wie an der Börse, mit ein wenig „Nachhilfe“ ein Vermögen zu verdienen.

Deshalb gibt es die kleinen Schurken, die in diversen Internet-Foren oder mithilfe diverser Börsenblättchen Aktienkurse je nach Gusto nach oben oder nach unten manipulieren, um selbst davon zu profitieren.

Deshalb gibt es die, sagen wir mal, gehobene Mittelklasse, die ganze Schneeballsysteme aufbaut und damit auf Kosten der Anleger einige Milliarden einsackt. Der vor einiger Zeit ertappte Anlagebetrüger Bernard Madoff ist nur ein Beispiel von vielen.

Und deshalb gibt es die ganz großen Falschspieler wie JP Morgan oder Goldman Sachs, die das System der Manipulation auf die Spitze treiben und schon mal ganze Währungen ins Visier nehmen, um damit ihren Reibach zu machen.

Oder erinnert sich noch jemand an den „Blitzcrash“ vom Mai dieses Jahres, als der Dow Jones innerhalb weniger Minuten um 1.000 Punkte in die Tiefe stürzte? Die offizielle Erklärung, ein Rechenfehler habe den Kurssturz verursacht, ist geradezu lachhaft.

http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E48C5AA4BA9254BA0A85F3D3FBE8A33C1~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Wer da immer noch glaubt, die Märkte würden nicht manipuliert, der muss schon sehr naiv sein.

Weitreichende Veränderungen...

Doch aus einer ganz anderen Ecke kommt in diesen Tagen ein Fingerzeig, dass sich auch hier die Dinge ganz markant ändern könnten. Dass wir vor sehr weitreichenden Veränderungen stehen, das erkennt man nicht nur an den taumelnden Staaten Europas. Diese sind nur ein Hinweis darauf, dass das Finanzsystem aktueller Prägung vor einem tiefgreifenden Wandel steht.

Doch der Wandel könnte noch sehr viel weiter gehen, als man das derzeit für möglich hält. Die jüngsten Entwicklungen um die Enthüllungsplattform WikiLeaks deuten das an. Es sieht so aus, als würde im Internet gerade ein Systemkrieg ausbrechen: Das alte System von Manipulation, Lügen, Korruption und Vertuschung kämpft verzweifelt gegen ein gerade entstehendes neues System, das für Transparenz, Wahrheit und Offenheit steht.

Und das Erfreuliche dabei ist, dass sich die Menschen die Wahrheit nicht mehr so einfach vorenthalten lassen: Während WikiLeaks insbesondere seitens der Vereinigten Staaten zum Staatsfeind Nummer eins hochstilisiert wird, formiert sich der organisierte Widerstand: Viele Menschen sind offenbar nicht mehr gewillt, Lügen und Korruption noch länger hinzunehmen. Und es werden immer mehr.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,733380,00.html

Der "Aufstand der Unterdrückten" ist nur zu begrüßen. Es kann nicht sein, dass wir dauerhaft von Politikern und Massenmedien belogen, von Banken über den Tisch gezogen und von allen drei Gruppierungen zusammen für dumm verkauft werden.

Das Internet, WikiLeaks und alle Menschen, die für Wahrheit und Transparenz einstehen, tragen maßgeblich dazu bei, dass sich dies künftig ändern wird. Und je mehr Menschen in diese Richtung denken und wirken, desto größer ist die Chance, dass sich der „Internet-Krieg“ gegen Manipulation, Lüge und Korruption auszahlen wird. Für WikiLeaks und für uns alle....

Wie wir die Lage einschätzen und was wir unseren Lesern raten, das lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des Antizyklischen Börsenbriefs, die vor wenigen Tagen erschienen ist.

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Zum Autor:
Andreas Hoose ist Chefredakteur des Antizyklischen Börsenbriefs, einem Service der BörseGo AG, und Geschäftsführer des Antizyklischen Aktienclubs. Börsenbrief und Aktienclub, das komplette Servicepaket für die Freunde antizyklischer Anlagestrategien! Informationen finden Sie unter www.antizyklischer-boersenbrief.de und www.antizyklischer-aktienclub.de