Der in der vergangenen Woche an dieser Stelle veröffentlichte Artikel hat redaktionsintern für einige Diskussionen gesorgt. Es ging in dem Artikel natürlich nicht darum, das Trading zu diffamieren – ein solcher Artikel wäre auf einer Seite wie GodmodeTrader.de auch völlig fehl am Platz. Trotzdem kann es für Trader nur hilfreich sein, auch einmal über den Tellerrand hinauszublicken und sich mit den Strategien erfolgreicher, aber langfristig orientierter Investoren zu beschäftigen.

Wie versprochen nun ein Überblick über die Strategien von Warren Buffett – des wohl erfolgreichsten Investors aller Zeiten. Buffett hat nicht nur sich selbst zum Multimilliardär, sondern auch zahlreiche seiner Anleger zu Millionären gemacht. Die Class-A-Aktien von Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway haben sich seit 1965 ungefähr um den Faktor 11.000 beziehungsweise um mehr als eine Million Prozent verteuert. Der Buchwert von Berkshire Hathaway hat sich von 1965 bis 2011 jährlich im Schnitt um 19,8% erhöht - trotz aller Krisen. Warren Buffett weiß also, was er tut.

Aktien sind Anteile an Unternehmen

Warren Buffett betrachtet Aktien grundsätzlich als das was sie sind, nämlich als Anteilsscheine eines Unternehmen. Außerhalb der Börse würde sich kein Mensch an einem Unternehmen beteiligen, ohne sich vorher über das Geschäftsmodell zu informieren und sich zu fragen, ob eine Investition in das Unternehmen zum gegebenen Preis wohl erfolgsversprechend ist. Genau die gleichen Fragen sollten sich aber auch Aktienkäufer stellen, rät Buffett. Um aber überhaupt beurteilen zu können, ob sich eine Investition wohl lohnen wird, muss man gut informiert sein. Warren Buffett liest angeblich fünf Tageszeitungen pro Tag.

Investiere in Unternehmen und Produkte, die du verstehst

Warren Buffett kauft nur Aktien von Unternehmen, deren Erfolg er beurteilen kann und lässt konsequent die Finger von Unternehmen, deren Geschäftsmodell oder Produkte er nicht versteht.

Kaufe dann, wenn alle Welt verkaufen will

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind und gierig, wenn andere ängstlich sind", sagte Buffett einmal. Der Starinvestor kauft konsequent dann, wenn die Nachrichten schlecht und die Kurse niedrig sind. Als langfristiger Investor weiß Buffett, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis die Kurse wieder steigen – das gilt insbesondere für die Aktien "guter" Unternehmen.

"Ich kaufe gern, wenn die Kurse fallen", sagte Buffett im vergangenen Jahr. "Wenn ich in den Supermarkt gehe, und sie senken die Preise, fühle ich mich besser. Wenn ich ein Modegeschäft gehe und sie die Preise senken, geht es mir besser. Das Gleiche gilt für die Börse. Wenn die Kurse fallen, geht es mir besser."

Versuche nicht, die Kursentwicklung vorherzusagen

Niemand weiß, was die Zukunft bringen wird. Warren Buffett hält deshalb nichts vom Versuch, den Markt kurzfristig zu „timen“. Buffett sagte einmal: "Ich habe verstanden, dass die technische Analyse nicht funktioniert, als ich einen Chart auf den Kopf stellte und trotzdem keine andere Antwort erhielt." Warren Buffett geht Investitionen auf lange Sicht ein – am liebsten sogar "für immer", wie er in einem Interview sagte.

Kaufe gute Unternehmen zu einem guten Preis

Warren Buffett achtet darauf, gute Unternehmen zu einem guten Preis zu kaufen. Gute Unternehmen zeichnen sich für Buffett zum Beispiel durch eine starke Marktposition und ein gutes Management aus. Im Zweifelsfall würde Buffett eher ein gutes Unternehmen zu einem schlechten Preis kaufen als ein schlechtes Unternehmen zu einem guten Preis, wie er in einem Interview sagte. Trotzdem gilt in der Regel:

Die Bewertung ist entscheidend

Buffett setzt wie sein Lehrmeister Benjamin Graham auf fundamental unterbewertete Unternehmen. Buffett richtet also sein Augenmerk darauf, Aktien zu finden und zu kaufen, die unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt werden. Der "eigentliche Wert" einer Aktie ist im Wesentlichen die Summe aller abgezinsten künftigen Erträge des Unternehmens geteilt durch die Aktienanzahl. Da allerdings die Zukunft ungewiss ist, lassen sich die künftigen Erträge nur schätzen. Buffett rät deshalb wie sein Lehrmeister Benjamin Graham dazu, Aktien nur mit einer Sicherheitsmarge zu kaufen. Das heißt: Aktien müssen deutlich unter ihrem "eigentlichen Wert" notieren, um interessant zu sein. So stellt man sicher, dass sich die Investition auch dann noch lohnt, wenn man sich bei der Schätzung der künftigen Erträge zu seinen Ungunsten verschätzt hat.

Unternehmen mit einer niedrigen Bewertung können beispielsweise anhand von Kennziffern wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ermittelt werden. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis wird berechnet, in dem der Kurs einer Aktie durch den Gewinn je Aktie auf Jahressicht dividiert wird. Ein niedriges KGV bedeutet, dass der Börsenkurs der Aktie im Vergleich zum Ertragsniveau aktuell niedrig ist. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) wird berechnet, indem der aktuelle Kurs durch den Buchwert je Aktie dividiert wird. Ein niedriges KBV bedeutet, dass das Unternehmen in Bezug auf seinen Substanzwert niedrig bewertet ist.

Gerade bei stark wachsenden Unternehmen oder Unternehmen in Umbruchsituationen sind starre Kennziffern wie das KGV oder das KBV allerdings wenig hilfreich. Entscheidend ist ja weniger, was das Unternehmen aktuell verdient, sondern wie viel das Unternehmen morgen und übermorgen (sprich in den kommenden Jahren) verdienen wird. Das sollte man bei Kennziffern wie dem KGV oder dem KBV immer im Blick behalten.

Dividenden sind Trumpf

Dividenden haben in Buffetts Strategie immer eine wichtige Rolle gespielt, auch wenn er darüber nicht viele Worte verloren hat. Berkshire Hathaway profitierte von den Ausschüttungen der Unternehmen in seinem Portfolio und hatte deshalb immer einen erheblichen positiven Cashflow. Selbst hat das Unternehmen aber nie Dividenden ausgeschüttet, sondern von den Einnahmen immer weitere Beteiligungen erworben. Auch das ist ein entscheidender Grund für Buffetts langfristigen Erfolg: Dividendeneinnahmen wurden konsequent reinvestiert.

Vertraue darauf, dass die Kurse auf lange Sicht steigen

Warum steigen Aktienkurse auf lange Sicht? Warren Buffett selbst erklärt das so: "Die Unternehmen schütten nur einen Teil ihrer Gewinne als Dividenden aus. Das ist wie bei einem Sparkonto: Wenn man nur einen Teil der Zinsen abhebt, steigt das Guthaben weiter. So erhöht sich auch der Wert der Unternehmen, weil sie nur einen Teil ihrer Gewinne ausschütten."

Wer sich ausführliche über die Strategien von Warren Buffett informieren will, findet auf dem Buchmarkt zahlreiche entsprechende Titel - weniger guter und etwas bessere. Buffett selbst riet übrigens dazu, das bereits 1949 erschienene Werk seines Lehrmeisters Benjamin Graham "The Intelligent Investor" zu lesen. Buffett bezeichnete das Buch als das "mit Abstand beste Buch, das je über das Investieren geschrieben wurde". Anzumerken ist allerdings, dass die Strategien von Buffett und Graham nicht identisch sind, sondern sich in zahlreichen Punkten unterscheiden. Trotzdem folgt auch Buffett noch immer der Grundidee Grahams, nämlich Aktien zu kaufen, die unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt werden.

Oliver Baron