Für die langfristige Geldanlage sind Aktien alternativlos. Keine andere Anlageklasse verzeichnet auf lange Sicht so positive Renditen wie Aktien. Wer sein Geld in den breiten Aktienmarkt investiert, zum Beispiel über einen börsennotierten Indexfonds (ETF), kann auf lange Sicht mit Renditen von sechs bis acht Prozent rechnen. "Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich", sagte der große Spekulant André Kostolany einst.

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    Doch die Sache hat einen Haken, wie nun ein US-Wissenschaftler festgestellt hat. Professor Hendrik Bessembinder von der Arizona State University hat die historische Entwicklung von 26.000 Aktien im Zeitraum von 1926 bis Ende 2015 untersucht und kommt zu überraschenden Ergebnissen. Denn die meisten Aktien schneiden auf lange Sicht nicht einmal besser ab als kurzlaufende US-Staatsanleihen mit einer Laufzeit von einem Monat. Ganze 58 Prozent aller Aktien schaffen es während ihrer Lebensdauer sogar in keinem einzigen Monat, eine bessere Rendite zu erzielen als kurzlaufende US-Geldmarktpapiere.

    Nur eine Minderheit gehört zu den Gewinneraktien

    Obwohl der Aktienmarkt als Ganzes also eine überragende Performance aufweist, gilt das für die Mehrzahl der Aktien nicht. Lediglich vier Prozent aller Aktien sind nach den Daten von Professor Bessembinder für die gesamte positive Performance des Aktienmarktes seit dem Jahr 1926 verantwortlich. Die restlichen 96 Prozent der Aktien leisteten keinen oder gar einen negativen Beitrag zur langfristigen Renditeentwicklung. Die Hälfte der positiven Entwicklung des Aktienmarktes im Zeitraum von 1926 bis Ende 2015 ist sogar auf nur 86 Aktien zurückzuführen. Diese 86 Aktien machen gerade einmal 0,33 Prozent aller untersuchten Aktien aus.

    Mit anderen Worten: Die positive Performance des Gesamtmarktes ist auf einen verschwindend geringen Anteil aller Aktien zurückzuführen. Die vier Prozent der Aktien, die einen positiven Beitrag zur positiven Renditeentwicklung des Aktienmarktes leisten, entwickeln sich so stark positiv, dass sie die negative Entwicklung der meisten anderen Aktien überkompensieren.

    Zu den Gewinneraktien gehörte in den vergangenen Jahren zum Beispiel das Papier des iPhone-Herstellers Apple. Wer vor genau 10 Jahren 1.000 Dollar in Apple-Aktien investiert hat, konnte sein Geld bis heute mehr als verzwölffachen – vorausgesetzt, er hätte sämtliche Dividenden in Apple-Aktien reinvestiert. Die Apple-Aktien waren damit für ganze zwei Prozent der positiven Performance des US-Aktienmarktes seit dem Jahr 1926 verantwortlich, so Professor Bessembinder. Die Aktien des Ölkonzern Exxon Mobil haben sogar einen Anteil von drei Prozent an der Gesamtperformance.

    Wie findet man die besten Aktien?

    Die Ergebnisse von Professor Bessembinder haben wichtige Konsequenzen für Anleger. Denn wählen Anleger nur eine Handvoll von Aktien aus – nach welchen Kriterien auch immer – dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass sie auch in die wenigen Aktien investieren, die für die positive Gesamtperformance verantwortlich sind. So sieht es zumindest die Finanzwissenschaft, die davon ausgeht, dass die Kursentwicklung mehr oder weniger zufällig abläuft und es keine verlässliche Methode gibt, die künftigen Gewinneraktien im Vorfeld zu identifizieren.

    Demnach wäre es für Anleger das Beste, einfach in einen passiven Indexfonds zu investieren und keine aktive Einzeltitelauswahl zu betreiben. So sieht es auch Warren Buffett. Der US-Starinvestor hat in den vergangenen Jahrzehnten durch die richtige Aktienauswahl zwar fast kontinuierlich besser abgeschnitten hat als der Gesamtmarkt, empfiehlt Anlegern aber trotzdem, per Indexfonds einfach passiv in den Gesamtmarkt zu investieren, statt aktives Stockpicking zu betreiben.

    Lohnt sich Stockpicking vielleicht doch?

    Man kann die Ergebnisse von Professor Bessembinder aber auch ganz anders interpretieren: Denn wenn nur eine geringe Anzahl von Aktien für die positive Performance des Gesamtmarktes verantwortlich ist, dann lohnt es sich ganz besonders, genau diese Aktien zu identifizieren. Auch die Wissenschaft selbst liefert einige Anhaltspunkte, wie dies vielleicht doch gelingen kann. So ist es auch in der Finanzwissenschaft inzwischen mehr oder weniger anerkannt, dass sich Aktien mit geringer Bewertung (Value-Aktien) sowie Aktien mit einer überdurchschnittlichen Performance (Momentum-Aktien) in der Regel besser entwickeln als der Gesamtmarkt.

    Wie hat es Warren Buffett geschafft, sein eigenes Geld und das seiner Anleger so unglaublich stark zu vermehren? Dieser Frage sind bereits im Jahr 2013 die drei Finanzwissenschaftler Andrea Frazzini, David Kabiller und Lasse Heje Pedersen in einer wissenschaftlichen Untersuchung nachgegangen. Die drei Experten kommen zu dem Schluss, dass die phänomenale Performance von Buffett nicht etwa dem Zufall oder Insiderkenntnissen geschuldet ist, sondern in erster Linie auf der Stockpicking-Strategie des „Orakels von Omaha“ basiert. Der Grund für Buffetts "Alpha", also seiner signifikanten Überrendite gegenüber dem Gesamtmarkt ist nach Einschätzung der drei Yale-Wissenschaftler ganz einfach die Investition in "günstige, sichere Qualitätsaktien". Der Erfolg von Buffetts Anlageentscheidungen wurde allerdings durch eine moderate Nutzung von Hebeleffekten verstärkt. So investierte Buffett nicht nur mit eigenem Geld, sondern auch mit sehr günstigem Fremdkapital. "Buffetts Renditen scheinen weder Glück noch Magie zu sein, sondern sind vielmehr Belohnung für die Nutzung von Hebeleffekten in Verbindung mit einem Fokus auf preiswerte und sichere Qualitätsaktien", schrieben die drei Wissenschaftler.

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