Bereits in der vergangenen Woche hatten wir an dieser Stelle darüber spekuliert, dass die starken Schwankungen beim Erdöl- sowie beim Erdgaspreis möglicherweise etwas mit einem Hedgefonds zu tun haben könnte, der sich verspekuliert hatte und panisch seine kompletten Positionen auflösen musste (siehe hier).

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    Wie am vergangenen Wochenende erste Medien berichteten, hat es tatsächlich mindestens einen Hedgefonds erwischt, nämlich den Fonds der Firma Optionsellers.com. In der Vorwoche schrieb Optionsellers.com an seine Kunden, dass man die Erdgaspositionen so schnell wie möglich auflösen müsse.

    "Heute, dem nach unseren Planungen eigentlich letzten Tag der Liquidation, schoss der Markt nach oben, als die Preise offenbar in einem 'Short Squeeze' gefangen waren. Die Geschwindigkeit, mit dem es vonstatten ging, ist wahrlich jenseits von allem, was ich in meiner Karriere jemals gesehen habe. Es überrannte unsere Risikokontrollsysteme und lieferte uns auf Gedeih und Verderb dem Markt aus. Kurz gesagt war es eine Monsterwelle und sie überflutete uns", hieß es in dem Schreiben an die Kunden des Fonds.

    Die Clearingfirma verlange nun eine Auflösung aller Positionen und die Kundenkonten würden wohl ins Minus rutschen. Auf der Website, die inzwischen größtenteils vom Netz verschwunden ist, hieß es zudem, dass Kunden ihre Negativsalden ganz normal auflösen müssten und den Zahlungsaufforderungen weiterhin nachkommen müssten.

    In einem Video, das sich inzwischen unter Tradern und Investoren immer mehr zum Youtube-Hit entwickelt, entschuldigte sich der Hedgefondsmanager persönlich bei seinen Kunden. Das Video wirkt stellenweise wie eine Parodie, aber ist tatsächlich echt. Es tue ihm leid, dass er nie mit "Curt und Grace in Michigan" fischen gegangen sei, sagt Hedgefondsmanager James Cordier und bedauert, dass er mit seiner Frau nun doch nicht mehr den Kunden in Marseille besuchen werde, um die Schönheit der französischen Riviera zu bewundern. Bei einem Kunden in Kansas City bedankt sich der Hedgefondsmanager für eine Grillsauce und verspricht, immer an den Kunden zu denken, wenn er die Grillsauce künftig genieße.

    https://www.youtube.com/watch?v=VNYNMM0hXXY

    Die Kunden habe er im Büro und manchmal auch am Telefon als Teil der "Familie" bezeichnet und ihr Geld auch so investiert, als ob es sich um Familienmitglieder handle, behauptet Cordier.

    Was genau schief ging, erläutert Cordier in dem Video nicht. Stattdessen versichert er, dass er jeden Morgen nach dem Aufstehen und jeden Abend sogar während des Abendessens mit seiner Frau immer einen Blick auf die Märkte geworfen habe, um möglichen "Monsterwellen" auszuweichen, sagt Cordier. Leider erfolglos.

    Wie Bloomberg berichtet, war Cordier allerdings ein Fan unbesicherter Optionen (naked options) insbesondere auf dem Rohstoffmarkt und propagierte seinen Investmentstil in verschiedenen Artikeln und einem Buch. Bei unbesicherten Short-Positionen können Verluste in theoretisch unbegrenzter Höhe auftreten. Laut Bloomberg dürfte sich der Verlust des Hedgefonds auf rund 150 Millionen Dollar belaufen - was gleichzeitig bedeutet, dass der Fonds ein eher kleiner Fisch im Haifischbecken der Finanzmärkte war.

    Einige Twitter-User fühlten sich beim Entschuldigungsvideo von Cordier übrigens an eine Szene aus der Cartoon-Serie "South Park" erinnert, in der ein Kundenberater einer Bank die von Kunden eingezahlten Gelder per Knopfdruck im Sekundentakt sofort verliert. "Und es ist weg", sagt der Kundenberater.

    https://www.youtube.com/watch?v=TGwZVGKG30s


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