Da der zeitliche Abstand zumeist fehlt, werden Trendwenden häufig erst erkannt, wenn es bereits zu spät ist. Sollte das Jahr 2012 später als ein bedeutender Wendepunkt der Märkte in die Geschichte eingehen?

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Die Wirtschaftsaussichten in Europa sind weiterhin durch die allgegenwärtigen Sparmaßnahmen getrübt. In den USA zeichnet sich für 2013 ebenfalls eine Verschärfung der Finanzpolitik ab. Gleichzeitig scheinen die Preise auf dem US-Wohnimmobilienmarkt im ersten Halbjahr 2012 ihren Tiefstand erreicht zu haben und die Fed hat ihre Entschlossenheit bekräftigt, diesen weiterhin zu stützen. In China beginnen nach einer zweijährigen Erholungsphase, an deren Anfang ein überhitzter Immobiliensektor stand, die Bauträger zum ersten Mal wieder Grundstücke zu erwerben. Die Zahl der Bauvorhaben für Wohnimmobilien fängt demnach wieder an zu steigen. In Brasilien war nach einem Jahr ununterbrochener Zinssenkungen - von 12,5% im Juli 2011 auf aktuell 7,5% - in diesem Sommer endlich wieder ein Aufwärtstrend bei Indikatoren wie Stromverbrauch und Automobilproduktion zu erkennen. In Indien wurden im vergangenen September nach zahlreichen Enttäuschungen, seit der Wahl der Regierung Singh im Jahr 2009 mehr Reformen zur Liberalisierung der Wirtschaft verabschiedet, als in den vorherigen drei Jahren.

Das Jahr 2012 könnte daher möglicherweise auf das Ende von synchron verlaufenden Konjunkturzyklen in den großen Regionen der Welt hindeuten. Der globale Anleger kann künftig mittelfristig durch das Sicherheitsnetz der Europäischen Zentralbank ermutigt, neue Anlagechancen für sein Kapital nutzen, das er bisher auf risiko- und ertragslose Anlagen beschränkt hatte.

Autor: Didier Saint-Georges, Mitglied des Investmentkomitees von Carmignac Gestion