Es gehört sich in Analysten-Kreisen, um diese Jahreszeit einen so genannten Jahres-Ausblick für das kommende Kalenderjahr rauszuhauen. Im Regelfall drücke ich mich um so etwas ja eher, zum einen, weil ich Charting und Screening der schnöden Schreibarbeit vorziehe und zum anderen, weil es aus meiner Sicht und Erfahrung meistens nicht zwingend angebracht ist, bevorzugt auf der Zeit-Achse unterwegs zu sein, ist doch die Preis-Achse ungleich interessanter und ergiebiger, schließlich ist es doch wichtiger das ein gewisses Kurs-Niveau erreicht wird und weniger wichtig, wann das der Fall ist. Da ich aber am heutigen Sonntag ein wenig freie Zeit bei trübem Wetter habe, habe ich mal dennoch ein paar Zeilen verfasst.

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Um Zeit bei der Auswahl interessanter Aktien zu sparen, schaue ich mich um diese Jahreszeit auf einer Vielzahl von zumeist amerikanischen Webseiten um. Dort sind im Dezember entsprechend viele Artikel zu finden, die interessante Aktien für 2020 ausgiebig besprechen. Zumeist liegt der Fokus dort allerdings eher auf der fundamentalen und nicht der charttechnischen Ebene. Ich schaue mir von daher entsprechend nach der Lektüre die Charts der dort besprochenen Werte an und ergänze die fundamentalen Aussagen meiner US-Kollegen mit meiner eigenen charttechnischen Sicht. Hierbei fallen bereits ca. 80-90 % aller dort vorgeschlagenen Werte durch mein Chart-Raster und entpuppen sich als zumindest kurz- wenn nicht sogar mittelfristig eher uninteressant, weil die charttechnischen Muster zur Zeit entweder nicht viel hergeben oder halt nur bescheidene CRVs für einen direkten Einstieg vorzuweisen haben. Es nutzt mir ja nichts, wenn ich zwar weiß, dass eine Firma fundamental gut da steht aber der Chart eher in einer "Warteschleife" bzw. charttechnisch nicht eindeutigen Strukturen herum oxidiert.

Ein paar Dinge fallen aber auf. Einige Werte tauchen verhältnismäßig häufig auf und andere Werte erscheinen sogar nahezu Jahr für Jahr um diese Zeit (wie die Aktien von zum Beispiel: Amazon.com, Facebook oder auch Apple) in den entsprechenden Empfehlungslisten. Dies ist ebenso einfallslos wie risikolos, wenn auch die letzten Jahre diesen Analysten zumeist Recht gegeben haben dürften. Inspirieren kann das aber so wirklich niemanden mehr, denn gerade eher fundamental ausgerichtete Investoren, mit einer gesunden Diversifikation in ihren Depots, dürften diese Aktien ohnehin bereits als Basis- bzw. Standard-Investments zumindest als Beimischung in ihren Depots haben.

Besonders skeptisch werde ich immer dann, wenn eine Aktie nahezu auf jeder Webseite als kommender "Kracher, Kursrakete, Wachtumswert, MustHave usw. blablabla" erscheint und einige vereinzelte Titel schaffen das tatsächlich. Wer sich die Mühe macht, mal in eine Suchmaschine "Stocks 2020" einzutippen und dann so ca. 5-10 der daraufhin erscheinenden Artikel unterschiedlicher Webseiten anklickt, wird bald erkennen, was ich damit meine. Diese Aktien tauchen nicht nur unverhältnismäßig oft auf sondern zudem auch an exponierter Stelle stets ziemlich am Anfang dieser Artikel, oftmals auch als direkt der erste besprochene Wert. Hier werde ich schon aus einer antizyklischen Grundhaltung heraus erst einmal skeptisch, ein Blick auf den zugehörigen Chart kann das oftmals nicht wirklich entkräften sondern erhöht eher die Skepsis noch zusätzlich, die Charts dieser Werte wirken ausgelutscht.

2020 steht nun unmittelbar vor der Tür, was wird die Märkte im kommenden Jahr auf Trab halten? Eigentlich reicht es, an dieser Stelle fünf Buchstaben zu benennen: T R U M P. Anfang November steht die nächste US-Präsidenten-Wahl an und anders als bei der Wahl zuvor geht Trump diesmal eher als Favorit denn als Underdog ins Rennen. Wenn es so kommt, wie es den Anschein hat, wird es wohl auch an den Märkten so bleiben wie zuletzt. Im Zweifel wird es steigen.

Nimmt man nun die aktuelle Informations- und Nachrichtenlage als Basis, so dürfte das Jahr 2020 durchaus der Beginn von inflationären Tendenzen werden, was zugleich auch die letzte Phase einer Hausse einleiten wird. Preise werden auf breiter Front anziehen und das wird früher oder später auch die Lohn/Preis-Spirale anwerfen. Wenn ich von einer letzten Phase einer Hausse spreche, so kann diese durchaus noch ein paar Jahre anhalten und Aktien- und Index-Kurse auf Niveaus heben, bei denen man wohl derzeit noch als Spinner bezeichnet werden wird. Nur parallel würden dann wohl auch die Rohstoff-Preise deutlicher anziehen und temporär könnten diese sich evtl. sogar von einem sonst eher lähmenden starken US$ abkoppeln und dennoch fest tendieren. Klima-Hysterie und weitere gesellschaftspolitische Themen werden dafür sorgen, dass eine Vielzahl neuer rechtlicher Vorschriften, von denen etliche bereits abgesegnet worden oder in Planung sind, die Produktion und den Erwerb von Gütern und auch das Nutzen von Dienstleistungen deutlich verteuern werden. Die Mär von der "Kugel Eis", die solche Dinge die Verbraucher lediglich kosten würden, lässt sich heutzutage sicherlich nicht mehr so glaubhaft verbreiten wie die, die Herr Trittin damals in 2004 in einer Pressemitteilung lanciert hatte.

Nun ist Inflation ja zunächst einmal zu einem gewissen Grad durchaus gewollt aber irgendwann nimmt das dann eine Eigendynamik an, die zu eher unschönen Effekten führt. Geht es also so weiter wie es sich Ende 2019 abzeichnet, so steigt in den nächsten ca. 1-3 Jahren zunächst einmal alles munter weiter - mitsamt den üblichen eingeschobenen Korrekturen, versteht sich. Das betrifft dann aber nicht nur Aktien, sondern auch Preise für Grund und Boden, die Ölsorten, Edelmetalle (diese evtl. zeitverzögert) und irgendwann auch einmal zwangsläufig Löhne und Gehälter und ja, dann auch wohl die Zinskurven. Um Missverständnissen vorzubeugen, ich bin nicht zwingend perma-bullisch für die Aktienmärkte (ich würde mir sogar wie viele andere Marktteilnehmer kurzfristig eher mal einen kleinen Downer wünschen als die direkte Rallye-Fortsetzung und das gäben die Charts sogar her) aber solange sich am Verhalten der Anleger kaum etwas ändert, wird der Markt im Zweifel weiter von einer vermeintlichen Übertreibungs-Phase zur nächsten hasten, denn scheinbar gibt es noch immer einen breiten "Anlage-Notstand" und jede Menge Cash an der Seitenlinie.

Ich möchte mich aber an dieser Stelle aber nun nicht weiter über derart viele ungelegte Eier auslassen (immerhin bin ich kein Wirtschafts-Professor/Dipl. Ökonom) sondern zum Abschluss meine (charttechnischen) Favoriten für die kommenden 12 Monate kundtun. Hierzu zählt für mich pauschal der Telekom-Sektor (ich bin selber deshalb auch in der Deutschen Telekom AG investiert). Darüber hinaus bekanntlich auch der breite Markt in Großbritannien, der sich im Dezember 2019 ja zum Teil als "Bottomfisher`s paradise" präsentierte. Desweiteren favorisiere ich den Immobilienmarkt mit einem Blick eher auf die US-amerikanischen REITs, die in den letzten Wochen interessante Chartmuster (mögliche Trendfortsetzungen und Bodenbildungen) auf breiter Front andeuteten. Hier lohnt evtl. mal ein Blick auf Welltower Inc. oder Tanger Fctry Outlet Cntrs. oder etwas spekulativer die Aktien von Taubman Centres Inc. Eine Turnaround-Story könnte auch die arg gebeutelte Aktie auch Kraft Heinz Ketchup anbieten.

Insgesamt wird sich aber eher der Trend des zweiten Halbjahres 2019 fortsetzen. Der Markt spielt zum einen im Zweifel eher die ohnehin stark laufenden am höchsten kapitalisierten Werte der Welt und schleppt den breiten Markt dabei eher schlecht als recht mit durch und verführt zum anderen dementsprechend weiterhin zum gezielten Stock-Picking, was insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2019 das Mittel zum Zweck gewesen ist und hervorragende Möglichkeiten für einen Einstieg ergab. Hier seien nur ein paar von mir auch im freien Bereich genannte Werte erwähnt, die zum Teil hohe ungehebelte zweistellige Performance mit sich gebracht haben wie: Mattel Inc., Expedia Group Inc., Banco Santander Chile, HP Inc., Aston Martin Lagonda Global Hldg., die allesamt aus den Monaten November und Dezember 2019 stammen.

Es ist eben nicht immer entscheidend WAS man kauft, sondern WANN man das tut, jeder Wert und jeder Chart führen halt ein Eigenleben und das muss nicht immer konform zum jeweiligen Gesamtmarkt sein, im Gegenteil!

Um genau solche Werte zu finden und vor allem zeitnah zu präsentieren (meistens bevor sie jeder sieht), gibt es den von mir betriebenen Premium-Service: CCB - Centre Court Börse (für mehr Informationen bitte HIER KLICKEN!).

Ich wünsche allen Lesern einen angenehmen Jahreswechsel ins Jahr 2020 und ein erfolgreiches Börsenjahr!

Michael Borgmann